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Lesart / Archiv | Beitrag vom 06.09.2016

Mühsam-Tagebücher Band 10: 1922Berichte aus der Festungshaft

Chris Hirte im Gespräch mit Frank Meyer

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Der1878 in Berlin geborene Schriftsteller und Politiker Erich Mühsam (picture alliance / dpa)
Der 1878 in Berlin geborene Schriftsteller und Politiker Erich Mühsam (picture alliance / dpa)

2011 begann der Verbrecher-Verlag mit einer Werkausgabe der Tagebücher des Anarchisten Erich Mühsam (1878-1934). Jetzt ist der zehnte Band erschienen. Er behandelt das Jahr 1922, als Mühsam wegen Beteiligung an der Münchner Räterepublik in Festungshaft saß.

Der Dichter und Anarchist Erich Mühsam war nicht nur eine zentrale Figur der Münchner Bohème, sondern auch maßgeblich an der Ausrufung der Münchner  Räterepublik im April 1919 beteiligt. Nach deren Scheitern wurde er zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt, aber im Zuge einer Amnestie bereits 1924 wieder freigelassen. Wie er die Haft erlebte, beschreibt Erich Mühsam im zehnte Band der Reihe der Mühsam-Tagebücher über das Jahr 1922, der heute erscheint.

"Er saß seit drei Jahren in Festungshaft", sagt Mitherausgeber Chris Hirte. "Der bayerische Staat versuchte sich, so gut er konnte, an diesen Revolutionären zu rächen. Zu diesen Leuten gehörte Erich Mühsam als der schlimmste und oberste Räterevolutionär, sein Name war in ganz Bayern bekannt."

In der Haft der letzte Anarchist und Individualist

In der Festungshaft sei Mühsam zunehmen isoliert gewesen, so Hirte:

"Die ehemaligen Revolutionäre und Freunde in der Festungshaft verwandelten sich im Lauf des Zerfalls der kommunistischen Bewegung nach der Revolution in verschiedene kleine Gruppen. Die verfeindeten sich alle, auch in der Haft, und Mühsam blieb am Ende als Anarchist und Individualist als einziger übrig."

Dennoch hätte Mühsam nicht verzagt oder aufgegeben - auch wegen des Tagebuch-Schreibens: "Mit jedem Satz, den er schrieb, meldete er sich bei der Welt wieder zu Wort: Ich bin da, ich überlege, was kann ich in dieser total verzweifelten Situation machen?"

Seit 2009 arbeiten der frühere Lektor im Verlag "Volk und Welt", Chris Hirte, und der Informatiker und Antiquar Conrad Piens an einer Gesamtausgabe der Tagebücher von Erich Mühsam. Das auf 15 Bände angelegte Projekt erscheint sowohl in Papierform als auch in einer Online-Edition. Der erste Band wurde 2011 veröffentlicht. Bis Ende 2018 soll die Werkausgabe abgeschlossen sein.

Erich Mühsam: Tagebücher, Band 10 - 1922
Herausgegeben von Chris Hirte und Conrad Piens
Verbrecher-Verlag, Berlin 2016
408 Seiten, 30 Euro

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