Seit 13:05 Uhr Breitband
 

Samstag, 16.12.2017

Kompressor | Beitrag vom 18.08.2015

MarketingWerbung kann nicht verführen

Kai Fehse im Gespräch mit Timo Grampes

Podcast abonnieren
Schilder mit der Aufschrift "Jetzt Mitnehmen!" und "Zur Kasse" sind in einem Media Markt in Ingolstadt (Bayern) angebracht. (dpa/ picture-alliance/ Armin Weigel)
Kai Fehse hat als Werber unter anderem die "Ich bin doch nicht blöd"-Kampagne von Media Markt entwickelt. (dpa/ picture-alliance/ Armin Weigel)

Die Werbebranche steht vor einem Umbruch. 70 Prozent ihrer Arbeit soll ins Leere laufen und das habe sich lange niemand eingestehen wollen, sagt Neuropsychologe Kai Fehse. Kampagnen hätten zwar Auswirkungen auf den Verbraucher. Aber nicht so, wie sich das alle wünschen.

"Den Sinn, den man Werbung oft zuspricht, den hat sie eben nicht", sagt Fehse, ehemaliger Werber und heute Neuropsychologe am Humanwissenschaftlichen Zentrum der Universität München. "Menschen auf geheime Weise zu irgendwas zu verführen, was sie sonst nicht täten" – das schaffe keine noch so durchdachte Werbekampagne, so der . Anzeigen könnten natürlich ein Produkt bekannt machen. Aber dass "man einfach dadurch, dass man Werbung macht, Menschen beömmelt", das funktioniere nicht. "Das wollen aber alle", sagt Fehse.

Auch lasse sich der Effekt von Werbung nicht so gut messen, wie sich das Experten vorgaukelten. Sicher könne man anhand der Verkaufszahlen kontrollieren, ob ein Produkt besser abgesetzt werde als vor einer Kampagne. "Nur meistens ändern sich die Zahlen dann nicht so dramatisch schnell, so dass man andere Indikatoren erfinden muss, die da schönere Balkendiagramme auf die Konfis der Marketingentscheider zaubern", sagt Fehse.

Trotzdem gestehe sich keiner das Scheitern ein. Für die Verbraucher sei es bequem, ihr leeres Konto am Ende des Monats auf die verführerische Werbung zu schieben. Politiker könnten sich vor ihrer Wahl als Verbraucherschützer aufspielen. Und Marketingexperten freuten sich über ihre gut bezahlte Sonderstellung in Unternehmen.

Mehr zum Thema:

Frage des Tages - Streetart auf Antrag – Kunst oder Werbung?
(Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 24.07.2015)

Umstrittener Besuch - Die Bundeswehr in Brandenburgs Schulen
(Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 27.05.2015)

Reform des Telemediengesetzes - Regeln gegen Schleichwerbung bei YouTube
(Deutschlandfunk, Markt und Medien, 21.03.2015)

Fazit

Liu Xias verzweifelter Brief"Ich liege da wie eine Leiche"
Eine Demonstrantin in China hält ein Bild von Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo und seiner Frau Lia Xia hoch (Archivbild aus dem Jahr 2010). (dpa / EPA)

Der Schriftstellerin Liu Xia, Witwe des verstorbenen chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo, geht es in ihrem Hausarrest offenbar sehr schlecht. Der im Berliner Exil lebende Autor Liao Yiwu hat ein Foto ihres Briefs an Herta Müller auf Facebook gepostet.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur