Maren Ade im Oscar-Rennen

"Toni Erdmann" biegt auf die Zielgerade

Die Regisseurin Maren Ade bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises 2016 für "Toni Erdmann"
Den Europäischen Filmpreis hat "Toni Erdmann" schon: Maren Ade bei der Verleihung. © dpa picture alliance / PAP / Jacek Turczyk
Von Wolfgang Stuflesser · 26.02.2017
Endspurt für Maren Ade: Mit "Toni Erdmann" hat sie es unter die letzten fünf Filme geschafft, die für den "Auslandsoscar" nominiert sind. Vor zehn Jahren hat zuletzt ein deutscher Beitrag gewonnen - "Das Leben der Anderen" von Florian Henckel von Donnersmarck.
Der Zeitplan für die Oscar-Nominierten ist in den Tagen vor der großen Verleihung natürlich eng getaktet. Pressekonferenzen, Branchentreffen, Networking von früh bis spät. Aber Maren Ade nimmt den Terminstress offenbar gelassen - auf die Frage, wie sie das alles wahrnimmt, sagt sie rundheraus:
"Schön - die machen das auch wirklich so nett, jetzt kriegt man gleich diese Nominiertenurkunde."
Insgesamt 89 Länder haben einen Film ins Rennen um den Auslandsoscar geschickt. "Toni Erdmann" hat es nun unter die fünf Nominierten geschafft - schon das ist natürlich ein Erfolg. Zwischen den Regisseuren aus Australien, Dänemark, Deutschland, Iran und Schweden gebe es kein Konkurrenzgefühl, sagte die in Karlsruhe geborene Regisseurin:
"Gar nicht! Also ich finde wirklich interessant, dass es unter den Regisseuren so wenig darum irgendwie geht, weil die größte Aufgabe war sozusagen, einen guten Film zu machen. Und die Filme sind auch so unterschiedlich, man kann die so schwer vergleichen."
Regisseurin Maren Ade und ihr "Toni Erdmann"-Darsteller Peter Simonischek  bei der Cadillac Oscar Week Celebration im Hotel Chateau Marmont in Los Angeles am 23.2.2017.
Maren Ade und ihr "Toni Erdmann"-Darsteller Peter Simonischek bei der Cadillac Oscar Week Celebration im Hotel Chateau Marmont in Los Angeles© picture alliance / dpa / Hubert Boesl

Erst am Donnerstagabend in L.A. angekommen

Es ist fast ein bisschen schade, dass Maren Ade erst Donnerstagabend in Los Angeles angekommen ist - mit ihrer sympathischen, unprätentiösen Art hätte sie vermutlich die Academy-Mitglieder, die über den Oscar abstimmen, reihenweise überzeugt. Zumindest die, die nicht ohnehin von ihrem Film begeistert waren. "Toni Erdmann” kam hervorragend an bei den amerikanischen Filmkritikern. Die New York Times pries den Film augenzwinkernd als "die bei Weitem lustigste knapp dreistündige deutsche Komödie, die Sie jemals sehen werden”. Und der "Hollywood Reporter” nannte ihn "einfach schön, so bewegend wie unerwartet witzig”.
Vor zwei Wochen gab es die Nachricht, dass das Hollywood-Studio Paramount ein amerikanisches Remake von "Toni Erdmann” plant, mit Jack Nicholson und Kristen Wiig als Vater und Tochter. Die Meldung ging natürlich auch an Maren Ade nicht vorbei:
"Das Remake - ja! Beim Drehen hab' ich schon immer so Witze gemacht, wenn was nicht ideal war, hab' ich gesagt: Ach, ist doch egal, das wird dann besser im Remake gemacht, muss jetzt gar nicht stimmen alles. - Ich finde schon, dass die Geschichte irgendwie einen universellen Kern hat sozusagen und sich eigentlich wirklich dafür eignet."

Setzt sich der politischere "The Salesman" durch?

Lange galt "Toni Erdmann" als klarer Favorit für den Oscar - doch dann bekam der Film "The Salesman” des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi besondere Aufmerksamkeit. Farhadi war von Präsident Trumps Einreiseverbot für Bürger aus sieben vorwiegend muslimischen Ländern betroffen. Inzwischen könnte Farhadi wieder in die USA reisen, will dies aber bewusst nicht tun. Und nun sagen Beobachter: Wenn die Academy ein politisches Zeichen setzen will, dürfte der Oscar nach Iran gehen.
"Erst mal muss ich sagen, dass ich Asghar Farhadi einen ganz tollen Filmemacher finde. Und im allerersten Moment hab' ich auch gedacht: Eigentlich kann jetzt keiner von uns mehr zum Oscar fahren, weil es eigentlich egal ist, welche Länder Trump ausschließen will oder welche Religionen. Ich hab' dann aber auch gemerkt, dass ich es gut oder interessant fand, auch das Amerika zu treffen, das ich vorher getroffen hab' und das ich mag und schätze - und dass es vielleicht wichtiger ist, da zu sein, um darüber zu reden."
Der iranische Regisseur Asghar Farhadi (Mitte) mit seinen Darstellern Tarane Alidoosti (li.)und Shahab Hossein bei den Filmfestspielen in Cannes
Der iranische Regisseur Asghar Farhadi (Mitte) mit seinen Darstellern Tarane Alidoosti (li.)und Shahab Hossein bei den Filmfestspielen in Cannes© picture alliance / dpa / Ekaterina Chesnokova

Die Dankesrede wäre nicht das Problem

Vielleicht liegt es daran - der Gedanke an eine mögliche Dankesrede vor hunderten Millionen Fernsehzuschauern scheint Maren Ade kaum zu schrecken:
"Ich hab' halt schon einige vorbereitet, manche braucht man, manche brauchte man nicht (lacht). Aber ehrlich gesagt: Es ist ja auch immer relativ ähnlich: Die Leute bleiben gleich, es hat ja jetzt nicht der Produzent gewechselt oder so - insofern: Ich muss mich jetzt eigentlich nicht viel vorbereiten."

Vorglühen für die Oscars 2017 - Im Kinomagazin "Vollbild" hat Patrick Wellinksi ausführlich mit der Filmkritikerin Anke Leweke und dem Los-Angeles-Korrespondenten Wolfgang Stuflesser für die bevorstehende Oscarverleihung in die Glaskugel geschaut. Die politische Situation in den USA, die Reformen bei der Academy nach heftiger Kritik im vergangenen Jahr und die Chancen von "Toni Erdmann" waren die drei großen Themenblöcke.

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(hum)
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