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Zeitfragen | Beitrag vom 23.02.2018

Leeuwarden ist Kulturhauptstadt 2018Das Zentrum der friesischen Literatur

Von Katharina Borchardt

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Nieuwestad Gracht im historischen Zentrum von Leeuwarden. (imago stock&people)
Nieuwestad Gracht im historischen Zentrum von Leeuwarden. (imago stock&people)

Im niederländischen Leeuwarden wird auch heute noch echtes Friesisch gesprochen. Besonders stolz sind die Friesen bis heute auf ihre klangvolle Dichtung. Der Dichter Arjan Hut hat der Kartoffel ein Gedicht gewidmet.

Im Zug nach Leeuwarden: Vom weiter östlich gelegenen Groningen dauert die Fahrt eine gute halbe Stunde. Die beiden großen Städte der nördlichen Niederlande: Groningen hat 200.000 Einwohner, Leeuwarden gut 100.000. Dazwischen: Felder und Weiden. Pferde, Kühe und Schafe. Ab und zu ein Dorf. Ab und an ein einzelnes Gehöft. Flachland, so weit das Auge reicht. Dann: Endstation Leeuwarden.

Dort lebt Arjan Hut, 42 Jahre alt. Hut ist ein friesischer Dichter. 2005 war er Stadtdichter. Aufgewachsen ist er in einem Dorf namens Surhuisterveen.

"Das liegt 30 km östlich von hier, genau zwischen Leeuwarden und Groningen. Als ich klein war, fuhren wir – meine Mutter, mein kleiner Bruder und ich – manchmal nach Leeuwarden zum Einkaufen. Das war toll."

Hier konnte Arjan Hut Comics kaufen. Und später LPs. Auch Bert Looper kennt Stadtausflüge aus der Kindheit. Aufgewachsen in Gorredijk, einem Dorf südlich von Leeuwarden, ist er heute Leiter des "Tresoar", des Friesischen Instituts für Geschichte und Literatur.

"Wir haben elf Städte, aber sie sind sehr klein, und es gibt eigentlich nur eine Großstadt, und das ist Leeuwarden."

Junge Leute sitzen im Grand Cafe de Brass in Leeuwarden. (imago stock&people)Junge Leute sitzen im Grand Cafe de Brass in Leeuwarden. (imago stock&people)

Die elf friesischen Städte, nach denen auch das berühmte Schlittschuhrennen "Elfstedentocht" benannt ist, sind eher große Dörfer. Manche haben ein paar tausend Einwohner, andere nur ein paar hundert. Insgesamt leben rund 650.000 Menschen in Friesland. Eine dünn besiedelte Gegend. Der Dichter Tsead Bruinja wuchs in einem Bauernhaus 15 km nördlich von Leeuwarden auf:

"In Leeuwarden lag meine Mutter einmal im Krankenhaus, als ich elf war. Wir fuhren sie damals mit der ganzen Familie besuchen. Leeuwarden war eine richtig große Stadt für uns. Dort gab es auch einen Markt. Da stand ein Blumenverkäufer auf seiner Ladeklappe und rief: Willst du diese Pflanze? Ach, nimm doch noch eine zweite dazu! Die kriegst du für 5 Gulden! Ach was, nimm gleich fünf davon: fünf Blumensträuße für nur 25 Gulden! So in der Art! Das hat Spaß gemacht. Und dann haben wir noch beim HEMA-Supermarkt gegessen: Grünkohl mit Würstchen."

Und was in einer ländlichen Region natürlich auch auf jeden Teller gehört: Kartoffeln.

Arjan Hut hat der Kartoffel ein Gedicht gewidmet. "Aurora Bossa Nova" entstand im Auftrag der "Stiftung Friesische Kartoffelwochen". In der Kartoffel, da steckt Musik, findet Hut. Und in der Tat, klangvolle Namen haben die verschiedenen Sorten: Bordeaux und Marrakesch, Lucilla und Aurora. Auch eine Valetta ist dabei. Das humorvolle Gedicht, in dem es darum geht, wie es wäre, in Gesellschaft all dieser Damen nach Valletta auf Malta zu reisen, wurde zum perfekten Gastgeschenk an die andere Kulturhauptstadt in diesem Jahr.

Valletta lockt. Doch Arjan Hut ist gerne zuhause, sitzt an seinem Tisch am Fenster, beobachtet das Leben auf der Straße und beschreibt, was er sieht.

(mw)

Das vollständige Manuskript des Features können Sie hier nachlesen. 

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