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Interview | Beitrag vom 11.05.2018

Ingo Zamperoni erklärt Donald Trump"Immer volle Breitseite"

Moderation: Stephan Karkowsky

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Ingo Zamperoni bei der Aufzeichnung der Talkshow Riverboat am 27.01.2017 in Leipzig. (imago / Star-Media)
Tagesthemen-Moderator und ehemaliger USA-Korrespondent Ingo Zamperoni erklärt in seinem neuen Buch, wie US-Präsident Trump tickt. (imago / Star-Media)

Versteht eigentlich jemand, warum Donald Trump tut, was er tut? In seinem Buch "Anderland" versucht "Tagesthemen"-Moderator Ingo Zamperoni eine Erklärung. Als früherer USA-Korrespondent und Schwiegersohn eines Trump-Wählers hat er dafür doppelt gute Voraussetzungen.

Nach dem pazifischen Freihandelsabkommen TPP und Klimaabkommen von Paris jetzt auch noch der Atomdeal mit dem Iran: Donald Trumps kompromisslose und erratische Außenpolitik vergrätzt und verwirrt den Rest der Welt - mit unabsehbaren Folgen.

In seinem neuen Buch "Anderland: Die USA unter Trump - ein Schadensbericht" versucht der frühere USA-Korrespondent der ARD und jetzige "Tagesthemen"-Moderator Ingo Zamperoni, das Phänomen Trump und dessen Folgen zu erklären. So gehe es dem US-Präsidenten offenbar darum, "alles zurückzudrehen, wo auch nur in Ansätzen Barack Obama draufsteht", so Zamperoni im Deutschlandfunk Kultur. Außerdem spielt nach Ansicht des "Tagesthemen"-Moderators im Fall des Iran-Atomdeals auch der Einfluss Israels, konkret von Ministerpräsident Netanjahu, eine Rolle. Denn Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sei mit den Netanjahus befreundet.

Menschen im Iran verbrennen ein Bild von US-Präsident Donald Trump, nachdem dieser angekündigt hat, nicht mehr am Atomabkommen festzuhalten. (AFP / ATTA KENARE)Menschen im Iran verbrennen ein Bild von US-Präsident Donald Trump, nachdem dieser angekündigt hat, nicht mehr am Atomabkommen festzuhalten. (AFP / ATTA KENARE)

Und nicht zuletzt ist Trumps Außenpolitik wohl stark von der Persönlichkeit des Präsidenten geprägt: Schon als Geschäftsmann habe Trump bei Verhandlungen immer 100 Prozent verlangt. "Immer volle Breitseite", so Zamperoni. "Ich habe den Eindruck, er versteht oft nicht, dass bei Diplomatie, wenn Kompromisse geschmiedet werden, dass dann nicht jeder das bekommt, was er wollte, sondern jeder verzichten muss und jeder Verluste einfahren muss, aber insgesamt doch mehr hat unterm Strich als davor."

So seien in den anderthalb Jahren von Trumps Präsidentschaft doch einige Schäden entstanden, meint Zamperoni. Außenpolitisch betreffe das die "Glaubwürdigkeit Amerikas als verlässlicher Partner". Innenpolitisch sei "ein Ton, eine gewisse Aggressivität auch salonfähig geworden, die vom Präsidenten ausgeht, die sehr auf die eigene Klientel zugerichtet ist und eben nicht präsidial und umarmend das ganze Land anspricht".

Der Schwiegervater hat Trump gewählt

Es werde schwer sein, diesen Geist wieder in die Flasche zurückzubringen, zumal Zamperoni Trump sehr gute Chancen auf eine zweite Amtszeit einräumt. "Aus Sicht seiner Anhänger macht er derzeit ziemlich viel richtig." Anschauungsmaterial dazu bietet dem mit einer US-Amerikanerin verheirateten Journalisten die eigene Familie: "Mein Schwiegervater, der Trump-Wähler ist, auch wenn er Trump persönlich nicht mag, aber er sagt: Das, was er in der Wirtschaftspolitik macht, finde ich richtig für das Land."

(uko)

Ingo Zamperoni: "Anderland. Die USA unter Trump - ein Schadensbericht"
Ullstein-Verlag 2018
208 Seiten, 18 Euro

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