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Lesart / Archiv | Beitrag vom 22.06.2015

HörbuchHorror-Fastfood für das Ohr

Von Elmar Krämer

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Mit der Seide der Nephila-Spinne wollen Mediziner verletzte Nerven heilen. (picture alliance / dpa / M.A.Pushpa Kumara)
Ein Splatter-Hörbuch, bei dem Spinnen Menschen befallen und sich in deren Hirnen einnisten. (picture alliance / dpa / M.A.Pushpa Kumara)

Nichts für schwache Nerven: "Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker" von David Wong ist als Hörbuch erschienen. In dem 15-Stunden-Splatter-Hörstück geht es um Spinnen, die sich in menschlichen Gehirnen einnisten.

Ganz normal ist diese Geschichte nicht, aber wer erwartet das schon bei diesem Titel: "Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker". "Absolut durchgeknallt" heißt es dann auch im Internet "Was für eine verrückte Geschichte" oder "Leaving Las Vegas trifft Zombieland".

"Achtung, dieses Hörbuch enthält drastische Beschreibungen von Monstern und männlichen Geschlechtsorganen. Ich will mich vorab entschuldigen, weil es nämlich ziemlich krass wird."

Aber nicht sofort. Los geht es in einer nicht näher benannten Kleinstadt in den USA. Hier leben Dave und sein Kumpel John, zwei Freunde, deren Welt aus Bier, billigen Filmen und Schmuddelmagazinen zu bestehen scheint - einfache Gemüter, doch zumindest Dave scheint irgendetwas zu fehlen.

"War ich am Arsch?"

Den Kleinstadthelden fehlen die Abwechslung und das Abenteuer, bis sie eines Nachts einen Autounfall beobachten. Sie laufen hin - und finden im Wagen eine verschlossene schwarze Kiste - die alles ändern wird:

"Es gibt zwei Sorten von Menschen, die einen sehen Schlösser und Verbotsschilder und denken: Wenn das so fest verschlossen ist heißt das, es ist gefährlich und geht mich nichts an. Aber die anderen sagen: Wenn das so wahnsinnig geheim ist, muss ich wissen, was es ist - zu denen gehört John!"

Es ist das wahre Grauen. Denn in der Kiste steckt eine Spinne, keine normale, sondern eine böse, aggressive und äußerst gefährliche Artgenossin – und sie ist nicht allein. Die Monsterspinnen sind überall in der Stadt, befallen Menschen und nisten sich in deren Hirnen ein. Bald wimmelt es nur so von diesen zombiegleichen Gestalten. Das Verrückte: Nur John und Dave können die Spinnen sehen und wittern eine Verschwörung. Dumm nur, dass die beiden Männer von ihrer Umwelt für Spinner gehalten werden.

"Wir sehen vielleicht aus, wie zwei Idioten, aber Dave hat richtig hart daran gearbeitet, das alles zusammenzubasteln. Und sie haben selbst genügend krasse Dinge miterlebt, um uns ein klein wenig Glauben zu schenken."

Opfer der Achtbeiner

Der horrorfilmgeschulte Dave glaubt zu verstehen, was in der Stadt vor sich geht und wie sich die Spinnen ausbreiten. Und dann werden auch die Medien aufmerksam, nicht zuletzt, nachdem eine Fernsehmoderatorin vor laufender Kamera zum Opfer der Achtbeiner wird:

"Ein zehn Zentimeter langer Hautstreifen fehlte auf ihrer Stirn. Der für alle anderen unsichtbare Fleischfresser grub sich dann in ihren Augapfel, während helle Flüssigkeit über ihre Nase rann. Schnitt auf das Moderatorenpaar im Studio. Der perfekt frisierte Michale McQuiery blinzelte und sagte: Was ist das für eine verdammte Scheiße? Seine weibliche Mitmoderatorin drehte sich vom Tisch weg und kotzte."

Drastische Beschreibungen wie diese gibt es zu Hauf in diesem Hörbuch – so oft, dass man sich bei einigen Szenen immer wieder die Ohren zuhalten will, es aber doch nicht tut - und das liegt vor allem an Martin Baltscheit. Seine schnodderig Art ist grandios überzeichnet.

"Nur wir drei hier in diesem Raum verstehen, was hier gerade Vorsicht ... ahhh. Ich heulte auf, als das Vieh wieder abbiss. Verfressenes kleines Arschloch."

Die Lage spitzt sich schließlich immer weiter zu: Die Stadt wird abgeriegelt, Militär und Seuchentrupps richten ein Internierungslager ein.

"Oh Gott, Mann, Oh Gott, War das ein Maul?"

Klar ist: Dies ist Horror-Fastfood fürs Ohr! Und so sind die 15 Stunden, die das Hörbuch dauert, für eingefleischte Genre-Fans ein Muss, alle anderen sollten sich aber trotzdem nicht abschrecken lassen - denn in der Geschichte steckt viel Ironie und nicht jeder Splattermoment ist wörtlich zu nehmen.

"Töte es, Mann, töten!"

Wer sich drauf einlässt, wird umwoben - wie von den Spinnen. Denn Martin Baltscheit hat hörbar Spaß beim Lesen der Geschichte. Die dann doch gut ausgeht, John und Dave jedenfalls überleben.

"David? Mmm? Wünschst du dir manchmal, du würdest von allem nichts wissen, dass du es einfach aus deinem Gehirn löschen könntest und so wärest wie alle anderen? Ja, klar! Aber eigentlich: Nein!"

David Wong: Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker
Gelesen von Martin Baltscheit
Argon-Verlag, zwei CDs mit rund 15 Stunden Gesamtspielzeit, 12,99 Euro

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