Seit 05:00 Uhr Nachrichten

Sonntag, 22.04.2018
 
Seit 05:00 Uhr Nachrichten

Kompressor | Beitrag vom 16.04.2018

Hans-Christian Dany über 75 Jahre LSDWas wäre die Kunst ohne Rausch?

Moderation: Max Oppel

Beitrag hören Podcast abonnieren
Ein in Folie eingeschweißter LSD-Trip mit dem Gesicht von Marylin Monroe. Lysergsäurediethylamid, kurz auch LSD, ist ein chemisch hergestelltes Derivat der Lysergsäure, die als Mutterkornalkaloid natürlich vorkommt. LSD ist eines der stärksten bekannten Halluzinogene. (picture alliance / dpa / Markus C. Hurek)
Ein in Folie eingeschweißter LSD-Trip mit dem Gesicht von Marylin Monroe. (picture alliance / dpa / Markus C. Hurek)

LSD war die Modedroge der späten 1960er-Jahre, besonders beliebt bei den Hippies. Die Kunst, die während eines LSD-Rausches produziert wird, sei doch sehr kitschig, sagt der Künstler und Autor Hans-Christian Dany.

Es war Freitag, der 16. April 1943. Albert Hofmann räumt sein Labor etwas frustriert fürs Wochenende auf. Seine Suche nach einem Mittel zur Kreislaufstabilisierung kommt nicht recht voran. Und dann passierte es. Er erlebt einen gewaltigen Rausch, den er später als wunderbares Erlebnis bezeichnet.

Der Schweizer Chemiker, Arzneimittelforscher, Wissenschaftler und Entdecker der halluzinogenen Droge LSD (Lysergsäurediäthylamid) Dr. h.c. Albert Hofmann (picture-alliance/ dpa / Gisin)Der Schweizer Chemiker Dr. h.c. Albert Hofmann (picture-alliance/ dpa / Gisin)

Der Chemiker war vor 75 Jahren mit dem Mittel in Berührung gekommen, an dem er forschte: Lysergsäurediethylamid, abgekürzt: LSD. Hofmann beschrieb die Ereignisse an jenem Freitag bei einem Symposium in Basel zu seinem 100. Geburtstag 2006 so:

"Ich musste das Labor verlassen, ich hatte das Gefühl, es passiert etwas mit Dir. Ich fuhr mit dem Velo nach Hause, legte mich hin und hatte ein wunderbares Erlebnis. Was immer ich mir vorstellte, war bildhaft vor mir, tief beglückend. Es dauerte drei, vier Stunden, und dann verschwand es."

LSD und die Kunst

Die Kunst, die während eines LSD-Rausches produziert wird, sei doch meistens sehr kitschig und psychedelisch, sagt Künstler und Autor Hans-Christian Dany im Deutschlandfunk Kultur. Exemplarisch sei da zum Beispiel die Hippie-Kultur der späten 1960er-Jahre. Das habe Dany nie sonderlich interessiert. LSD sei eine spezielle Erfahrung und erstelle eine sogenannte "Modell-Psychose", eine Psychose, die neben dem normalen psychotischen Haushalt jedes Einzelnen stattfindet.

Die legendäre Tomatensuppe von Campell - Warhol machte Kunst daraus. (imago stock&people / Richard Levine)Die legendäre Tomatensuppe von Campell - Warhol machte Kunst daraus. (imago stock&people / Richard Levine)

In der Kunstszene seien allerdings Amphetamine interessanter, sagt Dany. Diese Droge schöpfe aus dem vorhandenen Potenzial jedes Einzelnen. Es entstehe eine eher individuelle Psychose, aus der auch die Pop-Art entstanden sei. "Andy Warhol hat nicht LSD, sondern Amphetamine genommen", so Dany. So habe Warhol zum Beispiel die Lust an der Wiederholung entdeckt. In seinem Buch "Speed" hat Hans-Christian Dany die anhaltende Erfolgsgeschichte der Droge Amphetamin beschrieben.

Regelrechte LSD-Renaissance

Vor zehn Jahren sei LSD total weg gewesen, man habe es eigentlich nicht mehr bekommen können. Es gebe derzeit allerdings eine regelrechte LSD-Renaissance, auch in der Clubszene, sagt Dany. So sei eine niedrigdossierte Variante zum Beispiel bei Programmierern eine beliebte Droge. Auch gebe es wieder eine wissenschaftliche Forschung zu LSD.  

(md)


Erster LSD-Rausch vor 75 Jahren - auch auf Twitter ein Thema:

Mehr zum Thema

Raus aus der Kontrollgesellschaft
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 05.09.2013)

Ausstellung in Erlangen - Die Dosis macht das Gift
(Deutschlandfunk, Corso, 05.03.2018)

Traum, Rausch, Todesnähe - Beobachtungen am Rande des Bewusstseins
(Deutschlandfunk, Wissenschaft im Brennpunkt, 01.01.2015)

Fazit

"Fashion Drive"Die Geschichte der Mode im Spiegel der Kunst
Édouard Manet (1832–1883) Jeanne Duval, la maitresse de Baudelaire (La dame a l’éventail), 1862 Öl auf Leinwand, 89,5 × 113 cm Museum of Fine Arts, Budapest (Budapest Museum of Fine Arts)

Zerrissene Jeans gehören heute ganz alltäglich zum Straßenbild, aber zerrissene Mode gab es auch schon in der Renaissance. Wie sie damals aussah zeigen prächtige Gemälde aus dem 16. Jahrhundert, die jetzt im Kunsthaus Zürich zu sehen sind – in der neuen Sonderausstellung "Fashion Drive – Extreme Mode in der Kunst".Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur