Seit 18:05 Uhr Feature
 

Samstag, 18.11.2017

Lesart | Beitrag vom 27.06.2017

Graphic Novel über Alan Turing "Er wurde seines Geistes beraubt"

Robert Deutsch im Gespräch mit Frank Meyer

Beitrag hören Podcast abonnieren
In einer Vitrine werden am 19.3.2015 in Hongkong handschriftliche Notizen von Alan Turin (1912-1954) ausgestellt, im Hintergrund ein Plakat mit einem Foto des britischen Mathematikers. (AFP / Philippe Lopez)
Der legendäre britische Mathematiker Alan Turing steht im Mittelpunkt einer Graphic Novel des Zeichners Robert Deutsch (AFP / Philippe Lopez)

Alan Turing gilt heute als wichtiger Vordenker der Computertechnik und trug in der Nazi-Zeit maßgeblich dazu bei, den legendären Enigma-Code zu entschlüsseln. Der Zeichner Robert Deutsch hat dem britischen Informatiker seine erste Graphic Novel gewidmet.

Es sei eine Herausforderung gewesen, sich dem Leben des Informatikers und Code-Knackers Alan Turing zu widmen, sagte der Zeichner Robert Deutsch im Deutschlandfunk Kultur. Der Film "Imitation Games" mit Benedict Cumberbatch und Keira Knightley in den Hauptrollen habe dem Buchprojekt aber 2015 zusätzlichen Rückenwind verschafft.

Tragischer Tod

Turing war bei der Entschlüsselung des Enigma-Codes noch sehr jung und starb bereits mit Anfang 40 durch Selbsttötung, was in dem Buch eine große Rolle spielt. "Er wurde seines Geistes beraubt, seiner Freiheit", sagte Deutsch über die möglichen Gründe für diesen Todeswunsch. Weil Turing homosexuell war und dies in Großbritannien damals noch gegen das Gesetz verstieß, wurde der Mathematiker vor die Wahl gestellt, sich entweder einer Hormonbehandlung zu unterziehen oder ins Gefängnis zu gehen. "Er hat sich für die Hormonbehandlung entschieden, und ich denke, dass sie auch zu dramatischen Depressionen geführt hat und ihn dann auch in den Selbsttod getrieben hat", sagte der Zeichner. "Es hat ihn seiner Libido beraubt." Außerdem habe sich Turing physisch völlig verändert und der sportlich durchtrainierte Marathonläufer sei durch die Hormone sehr stark aufgequollen, sagte Deutsch.

Interessante Resonanz

In seiner Graphic Novel habe er versucht eine Mischung aus der realen Zeit und der surrealen Zeit, die da mitschwinge, zu erreichen. "Es ist interessant zu sehen, da ich keinen typischen Comicstil habe und auch kein typisches Comicbuch erzählt habe, ist es schon interessant, welche Resonanz man bekommt, wenn man sich auch mit jemanden auseinandersetzt, der natürlich in der Weltgeschichte auch etwas geleistet hat." 

Alan Turing (1912-1954) war britischer Logiker, Mathematiker, Kryptoanalytiker und Informatiker. Er gilt heute als einer der einflussreichsten Theoretiker der frühen Computerentwicklung und Informatik. Turing schuf einen großen Teil der theoretischen Grundlagen für die moderne Informations- und Computertechnologie.

Robert Deutsch: Turing
Avant Verlag 2017, 29,95 Euro

Mehr zum Thema

Alan Turing - Der Urahn aller Computernerds
(Deutschlandfunk Nova, Besserwissen 2012, 28.12.2012)

Alan Turing - Rätselhafte Codes der Natur
(Deutschlandfunk Nova, Besserwissen 2012, 28.12.2012)

Alan Turing - Die Code-Knacker der Enigma
(Deutschlandfunk Nova, Besserwissen 2012, 27.12.2012)

Lesart

Wundermittel oder Krebsgefahr?Der Kampf um Glyphosat & Co.
Ein Traktor fährt bei Göttingen (Niedersachsen) Ende März über ein Feld und bringt mittels einer gezogenen Anhängespritze zur Saatbettbereinigung Glykosphat aus (undatierte Aufnahme). Glyphosat kommt in der Regel als Nacherntebehandlung bzw. vor der Aussaat zum Einsatz. Das Pestizid dient zur Unkrautbekämpfung in der Landwirtschaft. (ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und der vollständigen Nennung der Quelle) - Foto: Steven Lüdtke/Forum Moderne Landwirtschaft/dpa (Steven Lüdtke/Forum Moderne Landwirtschaft/dpa)

Ist Glyphosat ein ungefährliches Wundermittel zur Bekämpfung von Unkraut? Oder schädigt es die DNA und zerstört die Vielfalt unserer Natur? Wir diskutieren mit dem Biochemiker Helmut Burtscher-Schaden und dem Dokumentarfilmer Alexander Schiebel über die leidenschaftlich geführte Debatte. Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur