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Interview | Beitrag vom 29.08.2017

Gefährliche Elterntaxis"Da werden sogar Schülerlotsen angepöbelt"

Stephan Wassmuth im Gespräch mit Nicole Dittmer und André Hatting

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Ein Fahrzeug wendet auf einer Straße vor einer Schule im hannoverschen Stadtteil Linden-Nord. Vor vielen Schulen herrscht zweimal am Tag ein gefährliches Verkehrschaos. Ein Grund dafür sind die sogenannten "Elterntaxis". (picture alliance / dpa / Holger Hollemann)
Ein Fahrzeug wendet auf einer Straße vor einer Schule im hannoverschen Stadtteil Linden-Nord. Vor vielen Schulen herrscht zweimal am Tag ein gefährliches Verkehrschaos. Ein Grund dafür sind die sogenannten "Elterntaxis". (picture alliance / dpa / Holger Hollemann)

Die sogenannten Elterntaxis sorgen für Verkehrschaos und erhöhte Unfallgefahr, stellt eine ADAC-Studie fest. Stephan Wassmuth vom Bundeselternrat empfiehlt Eltern, mit den Kindern den Schulweg einzuüben, damit sie ihn selbstständig bewältigen können.

Morgens vor deutschen Schulen spielen sich überall ähnliche Szenen ab: zugeparkte Gehwege, blockierte Straßen, gefährliche Wendemanöver, Verkehrschaos. Schuld daran sind die sogenannten Elterntaxis, also Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren.

Doch je mehr Elterntaxis unterwegs sind, um so höher ist das Unfallrisiko, sagt eine Studie des ADAC. Erste Gemeinden haben jetzt mit Sperrzonen vor den Schulen reagiert, um die Unfallgefahr zu verringern.

Schüler der Albert-Schweitzer-Grundschule in Hannover stellen mit Vertretern von Polizei und Schule mit einem Banner das Pilotprojekt "Eltern-Taxi" vor. Das sieht u.a. temporäre Straßensperrungen vor. (picture alliance /dpa / Julian Stratenschulte)Schüler der Albert-Schweitzer-Grundschule in Hannover stellen mit Vertretern von Polizei und Schule mit einem Banner das Pilotprojekt "Eltern-Taxi" vor. Das sieht u.a. temporäre Straßensperrungen vor. (picture alliance /dpa / Julian Stratenschulte)

Stephan Wassmuth ist Vorsitzender des Bundeselternrates und Vater von fünf Kindern. Bei keinem seiner Kinder hat er Elterntaxi gespielt: "Wir haben alle laufen lassen oder mit dem Fahrrad fahren lassen, oder in der weiterführenden Schule mit dem Bus", sagte Wassmuth im Deutschlandfunk Kultur.

"Eltern schalten den Verstand aus"

Wassmuth ist auch Abteilungsleiter im Ordnungsamt und hat aus seiner beruflichen Praxis heraus Erfahrungen mit den Elterntaxis gesammelt:

"Das große Problem ist eigentlich, dass wirklich die Eltern so ein bisschen den Verstand ausschalten offensichtlich, wenn sie den Schlüssel starten und dann vor der Schule in Hetze die Kinder ausladen, in zweiter Reihe, teilweise in dritter Reihe, teilweise parken sie auf dem Bürgersteig, durch Autocorsos durchgehen lassen, wo die Gefahr relativ groß ist, dass was passieren kann."

Zwei Erstklässler laufen zwischen zwei Autos durch. (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)Schulkinder laufen zwischen zwei Autos durch. (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Wenn man die Eltern darauf anspreche, reagierten einige verständnisvoll, so Wassmuth, andere seien ziemlich aggressiv und pöbelten sogar die vor den Schulen eingesetzten Schülerlotsen an.

Einüben des Schulwegs von klein auf an

Wassmuth weist aber noch auf einen anderen Aspekt hin: die Erziehung der Kinder zu Selbstständigkeit, was durch Elterntaxis nicht gerade gefördert wird.

"Wenn die das wirklich von klein auf üben, dass die selbstständig da hinlaufen müssen zur Schule, dann hat man auch gewisse Gefahren, die man einfach beachten muss, und ich denke, das lernt man dabei ganz gut. Was spricht dagegen, wenn man entweder ein größeres Geschwisterkind mit dazu nimmt oder die Eltern selbst mitgehen und einfach diesen Schulweg ein bisschen üben?"

Es sei "ein wichtiger Schritt, dass die Kinder das alleine lernen", betont Wassmuth.

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