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Montag, 20.11.2017

Fazit | Beitrag vom 13.11.2017

Erinnerung an deutsche Besatzung 1939-1945Initiative fordert Polen-Denkmal in der Mitte Berlins

Martin Sander im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Die Landespolizei der Stadt Danzig und die deutsche Wehrmacht beseitigen im September 1939 den Schlagbaum an der einstigen Zollgrenze von Zoppot nach Gdingen bei Danzig. (picture alliance / Ullstein)
Die deutsche Besatzung veränderte das Leben von Millionen Polen schlagartig. Hier ein Bild von der Landespolizei der Stadt Danzig und der deutschen Wehrmacht aus dem September 1939. (picture alliance / Ullstein)

Eine neue Initiative fordert ein Denkmal, das an die polnischen Opfer der deutschen Besatzung zwischen 1939 und 1945 erinnern soll. Das Denkmal soll gegenüber vom künftigen Dokumentationszentrum der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin liegen.

In einem gemeinsamen Aufruf sprechen sich prominente Befürworter, wie etwa Rita Süssmuth (CDU) und Wolfgang Thierse (SPD), für ein Denkmal zum Gedenken an die polnischen Opfer der deutschen Besatzung zwischen 1939 und 1945 aus.  Am Mittwoch will die Initiative gemeinsam mit dem ehemaligen Präsidenten des Bundesamtes für Bauwesen, Florian Mausbach, und dem Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, Andreas Nachama, einen Aufruf an den neu gewählten Bundestag "für ein Polen-Denkmal in der Mitte Berlins" vorstellen.

Denkmal vs. Gedenkort

Der Journalist Martin Sander hat im Deutschlandfunk Kultur die Idee für das neue Denkmal erläutert. Wichtig sei der angestrebte Standort: Die Initiative schlägt vor, es am am Askanischen Platz neben dem Anhalter Bahnhof zu errichten. So stünde das Denkmal direkt gegenüber vom künftigen Dokumentationszentrum der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Es gebe, so Sander, noch keine Jury oder einen Wettbewerb, um das Vorhaben voranzutreiben.

Die deutsche Besatzung zwischen 1939-1945 in Polen war vonmassiven Kriegsverbrechen begleitet. Während der Straßenkämpfe 1944 brach in Warschau ein Aufstand gegen die deutsche Besatzung aus. Der Freiheitskampf wurde aber von den deutschen Truppen brutal niedergeschlagen. (dpa - Bildarchiv)Die deutsche Besatzung zwischen 1939-1945 in Polen war von massiven Kriegsverbrechen begleitet. Während der Straßenkämpfe 1944 brach in Warschau ein Aufstand gegen die deutsche Besatzung aus. Der Freiheitskampf wurde aber von den deutschen Truppen brutal (dpa - Bildarchiv)

Klar sei, dass es um ein Denkmal und nicht um einen Gedenkort gehe. Parallel gebe es seit einiger Zeit auch Pläne, mit einem Gedenkort an die Opfer der deutschen "Lebensraum"-Politik in Polen und auch anderswo zu erinnern. Absprachen habe es aber offensichtlich nicht gegeben, sagte Sander.

"Es ist merkwürdig, dass die Initiatoren dieser beiden Projekte offensichtlich nicht miteinander kommuniziert haben. Das hat mich erstaunt."

Die Reaktionen aus Polen auf die Pläne zum Gedenken an die Opfer seien eher positiv. Der polnische Botschafter in Deutschland nutze das Thema als Nachweis seiner nationalkonservativen Bemühungen. In der polnischen Gesellschaft herrschten allerdings Zweifel an der tatsächlichen Umsetzung der Pläne.

Martin Sander vermutet, der Bau eines Polen-Denkmals hätte einen positiven Einfluss auf die deutsch-polnischen Beziehungen:

"Ich halte dieses Vorhaben, ein Polen-Denkmal am Anhalter Bahnhof zu errichten für eine ausgezeichnete Idee und ich glaube, dass das ein großes Echo in der polnischen Bevölkerung auslösen würde." 

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