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Aus der jüdischen Welt | Beitrag vom 13.10.2017

Avi und Omer Avital neues Album "Avital meets Avital"Musikalische Suche nach orientalisch-jüdischen Wurzeln

Von Arkadiusz Luba

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Avi Avital und Omer Avital (Christi Goodwin, Deutsche Grammophon)
Avi Avital und Omer Avital (Christi Goodwin, Deutsche Grammophon)

Kritiker nennen ihn einen "Rockstar der Mandoline". Seine Fans kleckern nicht, wenn sie von Avi Avital schwärmen. Der 37-jährige Israeli hat ein neues Album aufgenommen. Für "Avital Meets Avital" kooperierte er mit einem Namensvetter - der unterschiedlicher nicht sein könnte.

Marokkanische Rhythmen, israelische Harmonien, die Finesse klassischer Musik und die improvisatorische Freiheit des Jazz: Das ist der Kern des Albums. Es erzählt die Geschichte einer ganz besonderen Verbindung und ist ein musikalisches Gespräch über den Klang und die Bedeutung von Heimat. In der jüdisch-arabischen Welt sammelt Avi Avital Assoziationen und Inspirationen. Es sind vor allem familiäre, persönliche Entdeckungen:

"Meine Eltern sprachen zu Hause kein Marokkanisch. Sie wollten ihre Wurzeln von sich wegschieben und sich auf die neue israelische Kultur einlassen. Jetzt ist es anders. Jetzt kehrt man zu seiner jüdisch-arabischen Kultur zurück, die sehr reich ist. Und so fragte auch ich meine Eltern zum ersten Mal nach ihrer Vergangenheit. Und von meiner Großmutter, die noch lebt, erfuhr ich über ihre Kindheit. All das war meine musikalische und identitätsstiftende Offenbarung."

Klassische Mandoline trifft Jazzbass

Auf Avitals neustem Album "Avital meets Avital" treffen zwei Musiker aufeinander, die nicht unterschiedlicher sein könnten: Der klassische Mandolinist Avi Avital lud für sein neues Projekt den gefeierten Jazzbassisten Omer Avital ein.

Grund dafür waren ihre kulturellen Wurzeln. Beide wuchsen in Israel der 80er-Jahre auf. Ihr Nachname identifiziert sie zudem als Nachkommen jüdischer Immigranten aus Marokko, die ihren angestammten Namen "Ábutbul" bei der Einreise in das eher hebräisch klingende "Avitál" änderten.

Viele Jahre widmeten sich die beiden Avitals überwiegend westlichem Repertoire. Verbunden in der Musik sind sie jetzt auf der Suche nach neuen musikalischen Wegen. Der Mix, das Mosaik ihrer Herkunft machen das Besondere aus, unterstreicht der Jazzbassist, Omer Avital:

"Wir wuchsen in einer durchaus europäischen Gesellschaft auf, geprägt durch viele Osteuropäer wie Russen, aber auch durch die deutsche Kultur. Die Musik Israels ist sehr gemischt, daher kommt unsere Bildung. Trotz der politischen Ideen ist das die Realität. Ganz sicher der Orient, die nordafrikanischen Wurzeln und alles andere war immer präsent. Und daher kann der Eine das, und der Andere etwas Anderes in unserer gemeinsamen Musik entdecken."

Transkriptionen und eigene Arrangements

Aufgrund der Natur seines Instruments muss Avi Avital neue Wege gehen. Es gibt relativ wenige Kompositionen, die für die Mandoline geschrieben worden sind. So arbeitet er mit Transkriptionen und eigenen Arrangements:

"Es gibt etwas in der Musik, in der Kunst und in der Poesie, was einem ermöglicht, sich besser auszudrücken als mit bloßen Worten. Und ich bin ein an allem interessierter Künstler und es befriedigt mich nicht, nur eine Sache zu machen, oder meine alten wiederzuverwenden. Mir geht es nicht darum, auf alles Antworten zu finden, aber ständig in Bewegung zu bleiben. Ich hoffe, so werde ich immer neue Dinge entdecken."

Entdeckt hat Avi Avital die Mandoline mit acht, bei einem Nachbarn. Der Alte spielte das Instrument mit Freunden. Der besondere Klang machte den Jungen neugierig, er setzte sich und hörte zu. Schließlich erhielt er das Instrument, damit er üben konnte. In seinem Geburtsort Be’er Sheva im Süden Israels gab es ein junges Mandoline-Orchester. Jeden Freitag nach der Schule machte Avital dort mit:

"Stell dir vor, 30 Kinder, die Mandoline spielen. Ich spielte als Anfänger die dritte Stimme. Diese war vielleicht nicht so kompliziert und eher als Begleitung zu verstehen, aber es machte Spaß. Ich hatte jedoch nie die Entscheidung getroffen, ein Musiker zu werden. Meine Lehrer und Profs sahen, dass ich immer besser wurde und schickten mich zu verschiedenen Wettbewerben. Mit 21 gab ich die ersten Konzerte und dachte, ok, ich bin doch ein Musiker und das macht mir Spaß."

Eine Kooperation mit langer Vorgeschichte

Die beiden Avitals lernten sich an der Jerusalemer Musikakademie kennen, wo sie studiert haben. Aus der Liebe zur Musik entwickelte sich eine langjährige Freundschaft. Sie tauschten sich über ihre Herkunftsgeschichten aus – sie waren ähnlich. Seitdem spielten sie oft mit dem Gedanken, darüber ein gemeinsames Projekt zu machen.

Und so ist das Album eine wahre Offenbarung. Die "Ballade für Eli" wurde bereits 2004 von Omer Avital für seinen verstorbenen Vater komponiert, passte jedoch nicht zu seinem sonst jazzigen Repertoire. Die anderen Balladen auf dem Album klingen ähnlich wie die Kompositionen von Władysław Spielmann, erinnern an rauschende Meereswellen und die stehengebliebene Luft in der Negev-Wüste.

Die Bedeutung dieser Musik verrät Omer Avital:

"Die Balladen sind wie israelische Chansons. Es ist ein Mix von all dem, womit wir aufgewachsen sind: Sehr spezifische orientalische Balladen. Wenn du ein orientalischer Jude bist, berührt es dich ganz besonders. Denn es sind melancholische, traurige Melodien, verbunden mit Leidenschaft. Und die Harmonien sind ein bisschen russisch, wie da-da-da. Und es beinhaltet verschiedene Vorstellungen von Marokko und Rhythmen dessen Vorfahren. Ich glaube, wir erzählen unsere eigene Geschichte nach."

Das Album "Avital Meets Avital" entführt uns auf eine Reise voller Sehnsüchte, Erinnerungen und  Freude. Es ist die Hingabe, diese schöpferische Empathie, mit der sich die Künstler in andere Denkweisen hineinversetzen.

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