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Kulturpresseschau | Beitrag vom 20.03.2017

Aus den FeuilletonsSprung über die bürokratischen Hürden

Von Adelheid Wedel

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Eine Frau geht am 31.03.2016 in der Ausstellung «Wir We Nahnu - Auf der Flucht» in der Städtischen Galerie Dresden in Dresden (Sachsen) vor dem Kunstwerk "Chemical" des syrischen Künstlers Rabea Al Sayed entlang. Die Ausstellung zeigt bis zum 24. April 58 Werke - Gemälde, Zeichnungen, Holzschnitte, Fotos, ein Video, eine Skulptur und politische Cartoons - von Künstlern und kunstaffinen Laien unter Flüchtlingen und Migranten. (dpa/picture alliance/Sebastian Kahnert)
Kunst von Flüchtlingen zu betrachten heißt, an ihren Erfahrungen teilzuhaben (dpa/picture alliance/Sebastian Kahnert)

Die "TAZ" berichtet über Geflüchtete, die in Leipzig Kunst studieren - und zeigt an diesem Beispiel auf, dass Integration kein Hexenwerk ist. Mit fehlenden Sprachkenntnissen beispielsweise müssen alle ganz einfach eine Zeitlang leben.

"Seit fünf Monaten studieren Geflüchtete an der Leipziger Kunsthochschule – eine Herausforderung",

schreibt die Tageszeitung TAZ und wir ergänzen: ein wunderbares Beispiel.

Genauer betrachtet sieht es so aus: 21 Bewerber kamen im vergangenen Juli für eine Kennlernwoche nach Leipzig, 15 von ihnen bestanden den Aufnahmetest. Ihre Arbeiten sind derzeit gemeinsam mit denen der rund 600 Studenten an der Hochschule für Grafik und Buchkunst ausgestellt, denn sie haben ihr Studium an der Hochschule aufgenommen,

"trotz noch fehlender Sprachkenntnisse", wie Sarah Alberti schreibt.

"Bereits im Herbst 2015 hatten sich Studierende, Professoren und Mitarbeiter zusammengetan und auf ein langfristiges Hilfsangebot verständigt."

Die Lösung heißt "Akademie für transkulturellen Austausch", kurz ATA, die an der Leipziger Hochschule zum Wintersemester gegründet wurde.

Gleitender Übergang innerhalb mehrerer Semester

"Das Konzept der ATA ist ein gleitender Übergang innerhalb von zwei bis vier Semestern: Sobald die Sprachkenntnisse nachgewiesen sind, etwa ausreichend, um eine theoretische Arbeit zu schreiben, können die Geflüchteten ins Hauptstudium zu einem Professor wechseln und ihr Diplom vorbereiten."

Noch ist der Aufenthalt der Geflüchteten mit Problemen belastet - alten: Sie kommen alle aus dem Krieg, haben traumatisierende Erfahrungen gemacht. Aber es gibt Lichtblicke. Über 140 Kunstwerke von Leipziger Künstlern erbrachten bei einer Auktion runde 31.000 Euro, die in monatliche Stipendien verwandelt wurden. Nun hofft die Leipziger Akademie auf Nachahmer, die bereit sind, bürokratische Hürden auf sich zu nehmen, um Geflüchteten schon heute eine Perspektive zu geben.

Damit es nicht heißen muss: "Zukunft machen wir später", so der Titel eines neuen Buches von Christiane Rösinger, das - ebenfalls in der TAZ - rezensiert wird.

In ihrem Buch "berichtet die Musikerin launig über ihre Erfahrungen als Sprachlehrerin für Geflüchtete" in Berlin-Kreuzberg, schreibt Jenni Zykla, und sie merkt etwas enttäuscht an: Schade, dass bei der Buchpremiere im Berliner Prater "kaum Geflüchtete im Publikum sitzen, dass man mal wieder nur über eine Gruppe von Menschen anstatt mit ihnen redet."

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG verbreitet in einem Satz Hoffnung und macht sie zugleich zunichte. Dort heißt es:

"Der Bund spendiert 62 Millionen Euro für den Wiederaufbau von Schinkels Spätwerk, der Bauakademie in Berlin."

Schinkel: Es droht ein weiteres Debakel

Es droht ein weiteres Debakel. Für die Gründlichkeit beim Verfassen des Artikels bürgen drei Autoren: der Kurator am Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main Oliver Elser, der Architekturkritiker Florian Heilmeyer und der Gründer der Architektur Galerie Berlin Ulrich Müller.

Zunächst sind sie erfreut über den plötzlichen Geldsegen für den Wiederaufbau. Aber sie warnen:

"Es droht dasselbe Schicksal wie beim Schloss": Noch bevor geklärt ist, was im Innern stattfindet, wird ein Wettbewerb vorbereitet. In einem hektisch angesetzten Beteiligungsverfahren soll innerhalb von nur drei Monaten ein Konzept aus dem Boden gestampft werden.

"Es gibt einen besseren Weg, schreiben sie und begründen mit zehn Thesen, warum es dieses Jahr noch keinen Wettbewerb geben darf und wie der Weg zu einer 'Neuen Bauakademie' aussehen kann."

Am Samstag ist die 17. Kölner Litcologne mit einer Rekordbesucherzahl zu Ende gegangen. Vergnüglich berichtet Hans-Peter Kunisch in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG davon, angereichert mit zahlreichen Bonmots.

Wir erfahren:

"Karl-Heinz Bohrer, noch mit 84 Enthusiast des 'Jetzt', erzählt von Sylvester 1970 bei ihm zu Hause mit Habermas, und wie es zu einem Handgemenge mit einem der Assistenten kam, der fein gekleidete Anwesende als Pinguine und Huren beschimpfte."

Etwas Kritik mischt sich in die Begeisterung, wenn er bemerkt, "wie wenig zielführend intellektuelle Podien sein können, wenn sich die Teilnehmer einig sind".

So erlebt beim Gespräch zwischen Carolin Emcke und Didier Eribon über Hass. Insgesamt aber beurteilt er die Tendenz, neben Buchvorstellungen mehr Diskussionen ins Programm zu nehmen, als sehr belebend.

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