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Dienstag, 12.12.2017

Kulturpresseschau | Beitrag vom 11.10.2017

Aus den FeuilletonsLars Eidinger traut sich nicht zur Russland-Premiere

Von Tobias Wenzel

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Der Schauspieler Lars Eidinger im Hamburger Passage-Kino bei der Vorführung des Films "Mathilde" (picture alliance / dpa / Daniel Bockwoldt)
Der Schauspieler Lars Eidinger (picture alliance / dpa / Daniel Bockwoldt)

In einem offenen Brief an die "Zeit" schreibt der Schauspieler Lars Eidinger dem Regisseur Alexej Utschitel: Darin beschreibt er, wie sehr er sich davor fürchtet, zur Premiere des Films "Mathilde" nach Russland zu fahren - in dem er die Hauptrolle spielt. Russische Kritiker hatten ihn zuvor als Satanisten bezeichnet.

"Ich habe Angst vor diesen Leuten, weil ihr Hass so irrational und fanatisch ist."

Der Schauspieler Lars Eidinger schreibt das in einem offenen Brief an den russischen Regisseur Alexej Utschitel, den die ZEIT veröffentlicht. Mit "diesen Leuten" meint Eidinger die Abgeordnete des russischen Parlaments Natalja Poklonskaja und deren Gefolgsleute. Poklonskaja will Utschitels Film "Mathilde" über Zar Nikolaus II. verbieten lassen, in dem Eidinger die Hauptrolle spielt. Den Zaren hat die russisch-orthodoxe Kirche im Jahr 2000 heiliggesprochen. Und Heilige dürfe man nicht als gewöhnliche Menschen darstellen, so Poklonskaja. Der Film zeigt die Liebschaft des Zaren mit der Primaballerina Matilda Kschessinskaja. Poklonskaja hat Eidinger, aufgrund von Auszügen aus Fernseh- und Theaterrollen, als einen Satanisten bezeichnet.

"Das ist mir viel zu gefährlich, und ich habe Angst"

Es folgte eine regelrechte Hetzjagd auf Hauptdarsteller und Regisseur. Kinobetreiber in Russland haben Drohungen erhalten: Es würden Kinos brennen, wenn sie den Film zeigten. Autos brannten schon. "Ich las, dass Du bedroht wurdest, dass man versucht hat, einen Molotowcocktail in Dein Büro zu schmeißen", schreibt Lars Eidinger nun in seinem offenen Brief und teilt dem Regisseur mit, er werde nicht zur Premiere des Films in Russland kommen. "Das ist mir viel zu gefährlich, und ich habe Angst. Ich habe eine Verantwortung gegenüber meiner Frau und meiner Tochter […]. Glaube mir, es bricht mir das Herz." Er liebe den Zaren so sehr wie die Leute, die ihn, Eidinger, nun einen Satanisten nennen. Aber er liebe den Zaren "als ein menschliches Wesen in seiner Fehlbarkeit und nicht als einen Heiligen."

Das gesamte Manuskript der Kulturpresseschau vom 11. Oktober 2017 als PDF-Datei.

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