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Fazit / Archiv | Beitrag vom 08.01.2015

80. Geburtstag von Elvis PresleyJa, er lebt noch - irgendwie

Von Jürgen Stratmann

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(AFP / Michael Loccisano)
Autogrammkarte von Elvis Presley (AFP / Michael Loccisano)

Kann man wirklich noch behaupten, Elivs lebt? Seine ersten Fans sind mittlerweile ziemlich betagt, sein Anwesen - der Wallfahrtsort "Graceland" - verfällt langsam. Doch bis heute gibt es Gedenkpartys, Shows und leidenschaftliche Elivs-Imitatoren.

Wer gelegentlich herumstreift, tief unten in den dunklen Kellergewölben nächtlicher Metropolen, in den Underground Clubs der Punk, Psychobillie und Monsterrock-Szene, der ist ihm vielleicht schon mal begegnet: diesem verwitterten Zombie im schmutzig weißen Anzug mit dem gummi-grünlich mumifizierten Totenschädel, aus dessen riesiger Mundhöhle in Momenten schaurigster Ekstase der Griff eines alten Mikros ragt wie ein Pfahl aus dem Rachen eines Dämons – und der dann Geräusche macht, wie diese.

"Dead Elvis in his one-man-grave" nennt sich der horrible Wiedergänger des einst samthäutigen Kottelettenträgers, und: könnte ER es nicht tatsächlich selber sein? Schließlich ist der röhrende, kreischende Dead Elvis doch der Einzige unter Tausenden von auf Immer-Jung geschminkten Imitatoren, der keine x-fach-zernudelten Uralt-Evergreens nachjammert, sondern als glaubwürdig angefaulter Kadaver komplett neue Songs auf die Bühne bringt, die der aktuellen Situation des verblichenen Kings vermutlich eher entsprechen als etwa "Love me tender "

Berliner Estrel Hotel zeigt Musical mit viel Glitzer

Anderswo hält man natürlich auch zum 8o. Geburtstag am Hochglanz-Image des alterslosen Jahrhundert-Stars fest, bringt Shows, in denen der junge wilde Zappelrocker der frühen Jahre mit seinem "Blues wade shoes" nahezu übergangslos dem strassbesetzten Las-Vegas-Edelknödelkönig der späten Jahre vorausgeht – von wegen.

Aber selbst ein auf leichtes Entertainment abonniertes Haus wie das Berliner Estrel Hotel, dass zum Jubeltag ein Geburtstagsmusical im glitzerndem Las Vegas-Stil auf die Bühne stellt, kommt am tragisch-einsamen Hinscheiden des am Ende ziemlich fertigen Superstars nicht mehr vorbei: 

"Das ist doch auch der beste Teil des Musicals. Ich mag es, wenn mich eine Story bewegt. Jeder kennt das Auf und Ab des Lebens: Er hat seine Familie verloren und so weiter. Darum: Ich hab eine Beziehung zu den verschiedenen Phasen seiner Karriere."

So der Estrel-Musical-Elvis Grahame Patrick – ein tragisches Künstlerschicksal als glamouröse Bühnen-Revue? Er hätte es so gewollt, meint das Profi-Double, wenn er noch lebte, er wäre heute an seinem Geburtstag?

"Ich denke, er wäre auf der Bühne. Und die besten Entertainer der Welt wären da, um ihm Respekt zu zollen. Und er wäre stolz auf das, was er geleistet hätte."

55 Millionen Jahreseinkommen als Toter

So kennen wir ihn: die Rampensau im Operetten-Kostüm vor großem Orchester! Übrigens immer noch hinter Michael Jackson die am besten verdienendste Leiche im Showgeschäft 55 Millionen Dollar soll er noch letztes Jahr eingenommen haben! Darauf ein dreifach donnerndes:

Aber: Was wäre mit dem Menschen hinter der dicken Sonnenbrille? Wie würde der 8o-jährige Greis Elvis Aaron Presley diesen Tag begehen?  Würde er wirklich so auf den Putz hauen?

"Das glaube ich weniger",

meint der Elvis-Nachfolger Wolfram Harmuth alias "Chris Jones". Eher:

"Im Kreis seiner Familie in Graceland, mit seiner ganzen Clique zusammen, mit Tochter, Frau, Freundin, je nachdem, ja!"

Elvis-Imitator mit Leib und Seele

Wolfram – Chris Jones – Harmuth  ist ein sehr ruhiger, freundlicher Typ, der leise und bedächtig spricht und in Alltagskluft seinem Idol ungefähr so ähnlich sieht wie ein VW Golf einem Ford Mustang. Aber sobald er in Kostüm und Perücke auf der Bühne steht, die Gitarre um den Hals, klingt er plötzlich so.

Es sei, als ergreife etwas Besitz von ihm:

"So kann man das eigentlich sagen: ich weiß: Gut,  Ich bin nicht Elvis! Aber wenn man der Sache sich richtig hingibt,  mit Leib und Seele, sollte man schon richtig übergehen!" 

Mit Leib und Seele also? Das Schicksal des Chris Jones ist seltsam verbunden mit dem des toten Elvis. Herr Harmuth war einst ein argloser Teenager, der die Musik Elvis Presleys gar nicht mochte. 

"Da hatten wir eigentlich andere Musik gehört, zu jener Zeit - weiß ick jetzt nicht genau - Queen und so."

Plötzliches Fantum

Bis zu diesem Unfall:

"Ick lag damals im Krankenhaus und dann erhielt ich die Todesnachricht am 16. August 1977. Und war geschockt, obwohl ich nicht Elvis Fan damals war. Aber seit dem Zeitpunkt ging es eigentlich los, warum weiß ich auch nicht genau."

Von Stund an brachte er sich Singen, Gitarre spielen und Tanzen bei. Und so, wie Elvis zuerst seiner Mutter vorsang , begann auch Chris Jones Karriere.

"Erstmal im Familienkreis, bei Omas Geburtstag oder bei Opa."

Seit damals macht er nun weiter, was Elvis nicht mehr konnte, 37 Jahre lang und hat mittlerweile eine Ahnung davon, was es heißt, als Rockstar zu älter zu werden...

"Bei den schnellen Titeln kommt man natürlich nicht so. Und was der Unterschied ist mit der Stimme, der Unterschied, ob man jetzt 18, 19 ist, bei bestimmten Titeln, z.B. Hounddog, Jailhouse Rock, die hat er denn ganz anders gesungen, als er Mitte 30 war, weil es einfach mit der Tonhöhe, geht einfach, bei mir 'n bisschen tiefer und so, aber geht alles."

Man wird also behäbiger, die Stimme tiefer. Elvis wäre am 08. Januar 2015 80 Jahre alt geworden. Wäre es nicht gut möglich , dass seine Stimme heute so klingen würde?

Mehr zum Thema:

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(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 08.01.2015)

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