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Interview | Beitrag vom 29.03.2021

Zwischen Frust und Hoffnung in Coronazeiten"Zahlen runter und dann geht es wieder aufwärts"

Jörn Keller im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Zwei Enten schwimmen auf dem derzeit ungenutzten Außenpool einer weitläufigen Hotelanlage. (picture alliance / dpa-Zentralbild / Jens Büttner)
Die Pool-Saison nutzen derzeit nur die Enten. (picture alliance / dpa-Zentralbild / Jens Büttner)

Seit Monaten befinde man sich im "Schlafwandelzustand", sagt der niedersächsische Bürgermeister Jörn Keller. Angesichts hoher Inzidenzen sei es aber keine Zeit für Lockerungen, sondern für einen harten Lockdown. Dann könne es wieder aufwärts gehen.

Nach dem Wochenende scheinen die Forderungen nach einem schnellen, harten Lockdown lauter zu werden. Einige Stimmen, wie die von SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach oder die des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (Grüne), drängen auf verschärfte Maßnahmen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich in der ARD-Sendung "Anne Will" gegen geplante Lockerungen aus.

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Merkel habe sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr deutlich ausgedrückt, sagt der parteilose Kommunalpolitiker Jörn Keller. Der Bürgermeister der Kommune "Samtgemeinde" Sittensen mit rund 11.000 Einwohnern in Niedersachsen zeigte sich mit den Worten der Kanzlerin zufrieden. "Was mir vor allem gefallen hat, ist, dass sie das ganze Thema voll umfänglich verstanden hat." Merkel habe die wissenschaftliche Meinung übernommen. "Das beruhigt mich ein bisschen."

Nah dran an den Problemen 

Für ihn als Bürgermeister sei es besonders schwierig, seit zwölf Monaten zu sehen, wie die Menschen in seiner Gemeinde unter der Pandemie litten, sei es aus geschäftlichen und sozialen Gründen. "Ich sehe auch die Kinder, auch meine eigenen Kinder, die jetzt gerade zwei Wochen wieder in der Kita waren, und denen ich jetzt sagen musste, jetzt geht es wieder nicht, weil die Inzidenz so hoch ist." Es gebe eine Fülle solcher Probleme, auch mit den eingeschränkten sozialen Kontakten. "Das wird eben nicht besser." Seit Monaten befinde man sich in einem "Schlafwandelzustand", so der Bürgermeister. Das müsse endlich aufhören.

Falsche Zeit für Lockerungen 

Wenn man darauf höre, was die Mehrheit der Wissenschaftler sage, sei klar, dass man zunächst die Zahlen runterbringen müsse, sagt Keller. Auch in seinem Landkreis liege die Inzidenz bei über 100 und sei vergangene Woche noch bei 50 gewesen. Ihn nehme das Thema emotional mit und es mache ihn fertig, wie man die Erkenntnisse der Wissenschaft dabei so völlig ignorieren könne. Für Lockerungen sei jetzt der falsche Zeitpunkt. "Ich bin ja auch dafür, den Menschen eine Perspektive zu geben, und das müssen wir auch tun." Angesichts der aktuellen Zahlen gehe das aber jetzt noch nicht.

Erst die Zahlen runter 

"Vor allen Dingen wollen die Menschen aus dem Lockdown raus", sagt Keller. Viele fänden es deshalb besser, jetzt nochmal ein paar Wochen die Zähne zusammen zu beißen, um dann auch wieder Öffnungsschritte zu unternehmen und die Perspektive auf einen schönen Sommer zu haben. "Wir haben ein tolles Freibad", so der Bürgermeister. Da wollten die Leute hin oder in die Parks der Umgebung. "Zahlen runter und dann geht es wieder aufwärts."  

(gem) 
 
 
 
 

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