Zwischen Freiheit und Kontrolle – Welches Internet wollen wir?

Wieviel Freiheit, wieviel Kontrolle sollte es im Netz geben? © Stock.XCHNG / Vince Varga
Moderation: Gisela Steinhauer · 06.08.2011
Nach den Anschlägen in Norwegen werden erneut Rufe nach einer stärkeren Überwachung des Internets laut. Unionspolitiker fordern, die Vorratsdatenspeicherung wieder einzuführen, die Polizeigewerkschaft schlägt eine Datei mit den Namen auffälliger User vor. Vertreter von Regierung und Opposition warnen davor, dass sich das Internet nicht zu einem Nährboden für extremistische Gewalt entwickeln dürfe.
Die erste Aufregung hat sich wieder gelegt, aber die Fragen bleiben:
Wie viel Freiheit, wie viel Kontrolle wollen wir im Netz?
Welches Internet wollen wir überhaupt?


"Es gibt keine absolute Sicherheit im Netz und es gibt keine absolute Freiheit", sagt der Internetaktivist und Künstler padeluun. Er ist einer der Vorsitzenden des Datenschutzvereins FoeBuD e.V. – "Verein zur Förderung des beweglichen und unbeweglichen Datenverkehrs" – der einmal jährlich den "BigBrotherAward" verleiht, den Negativpreis für den Umgang mit Daten.

Die aktuelle Diskussion sei nur ein erneuter Puzzlestein, weitere Überwachungssysteme in Deutschland einzuführen. Das Internet sei eine "zutiefst demokratische Plattform", ein Medium, Gleichgesinnte zu finden, sich zu vernetzen, auszutauschen, politisch aktiv zu werden und zu informieren, jenseits der etablierten Parteien und Medien. Dies alles werde durch reflexhaften Reaktionen wie die nach den Attentaten aufs Spiel gesetzt.

"Wir versuchen zu verhindern, statt zu gestalten."

Die Freiheit im Internet gehöre untrennbar zur Demokratie dazu, wer sie beschränke, zerstöre die Demokratie.

"Es gibt keine Patentlösungen", sagt Thomas Heilmann. Der Internetunternehmer ist stellvertretender Vorsitzender des CDU-Landesverbandes Berlin, bis 2010 war er Facebook-Gesellschafter.

"Die Grenzen liegen da, wo wir den Schutz der Verbraucher, des Bürgers und der Schwachen garantieren müssen."

Der ehemalige Internet-Sprecher der CDU warnt vor vorschnellen Forderungen:

"Im Netz ist es anders als in der realen Welt."

Nationale Vorstellungen gerieten schnell an ihre Grenzen. Die aktuellen Rufe nach mehr Überwachung seien "Reflexe, die ich für falsch halte." Nichtsdestotrotz müsse eine Diskussion geführt werden, wie der Nutzen und die Freiheit des Internets mit dem Sicherheitsbedürfnis in Einklang gebracht werden können.

"Zwischen Freiheit und Kontrolle – Welches Internet wollen wir?"

Darüber diskutiert Gisela Steinhauer heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr gemeinsam mit padeluun und Thomas Heilmann. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 / 2254 2254, per E-mail unter gespraech@dradio.de sowie auf der Facebook-Seite von Deutschlandradio Kultur.