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Konzert / Archiv | Beitrag vom 25.08.2020

Zweiter Abend der "Maiklänge" in VerdenIntimes Duo und Großes Sextett

Moderation: Volker Michael

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Momo Hiber, Karen Gomyo, Jose Gallardo, Nabil Shehata, Claudio Bohorquez und Gareth Lubbe bei den Maiklängen Verden am 17.5.2020 im Domgymnasium Verden. (Domgymnasium Verden)
Momo Hiber, Karen Gomyo, Jose Gallardo, Nabil Shehata, Claudio Bohorquez und Gareth Lubbe bei den Maiklängen Verden am 17.5.2020 im Domgymnasium Verden. (Domgymnasium Verden)

"Maiklänge" - das Kammermusikfestival im niedersächischen Verden fand 2020 zum vierten Mal statt. Pandemiebedingt als exklusives Radiofestival. An diesem Abend gibt es Musik von Beethoven, Romberg, Mozart, Schubert und Glinka.

Das Kammermusikfestival "Maiklänge" in Verden musste ohne Publikum in der Aula des Domgymnasiums stattfinden. Allerdings können die Hörerinnen und Hörer im Deutschlandfunk Kultur die ungetrübte Spiellaune der Musikerinnen und Musiker genießen - und ihren Optimismus, dass das Musikleben und insbesondere dieses ganz junge Festival eine Zukunft haben.

Absolvent des Domgymnasiums

Der Kontrabassist und Dirigent Nabil Shehata hat das Festival in seiner Heimatstadt gegründet und - nicht zuletzt - aus akustischen Gründen dafür die Aula des Domgymnasiums als Spielort gewählt. Hier hat Shehata sein Abitur abgelegt und als junger Schüler auch sein erstes öffentliches Konzert als Kontrabassist gespielt. Am Ort sind Familie und Freunde. Und hierhin lädt er seit 2017 seine musikalischen Freunde aus aller Welt ein.

Ein Mann mit weißem Hemd sitzt an einem Flügel und lacht über die Schulter blickend. (Website Domgymnasium Verden)Nabil Shehata sitzt einmal am Klavier - der Gründer und Leiter der Maiklänge Verden in der Aula des Domgymnasiums Verden. (Website Domgymnasium Verden)

Auch im vergangenen Mai zum Ende des strengen Lockdowns hin sind sie angereist. Das ursprünglich geplante Programm konnten sie beibehalten - in kondensierter Form - jeder Abend begann mit einem Werk vom Jubilar Beethoven und endete mit einem großbesetzten Stück.

Ein leicht beschwingtes, ja unterhaltsames Trio von Ludwig van Beethoven – ja, so etwas gibt es! Und dafür hat die Musikwelt auch gleich einen etwas klischeehaften Titel gefunden – das Gassenhauer-Trio ist eines aus Beethovens Anfangsjahren in Wien.

Wohl ein Auftragswerk für den Klarinettisten Joseph Bär aus Antonio Rosettis Kapelle in Öttingen-Wallerstein. Dieser Joseph Bähr taucht häufiger in der Beethoven-Biografie auf.

Drei Sätze hat das Stück, der erste ist auch der gewichtigste. Der Mittelsatz ist eine melancholische Einleitung zum dritten Satz. Hier verarbeitet Beethoven in Form von Variationen ein Thema aus einer in Wien damals extrem populären Oper, genauer gesagt eine italienische Arie einer Oper eines gewissen Joseph Weigl, jener Gassenhauer, den Beethoven mit höheren Weihen versieht.

Gassenhauer und schwitzende Bischöfe

Wolfgang Amadeus Mozarts Duo KV 423 ist ein recht spätes, technisch sehr anspruchsvolles Stück, das nicht aus dem Familienleben mit Vater Leopold und Schwester Nannerl heraus entstanden ist, sondern als kollegialer Freundschaftsdienst für Komponistenfreund Michael Haydn in Salzburg.

Und weil das Duo wahrscheinlich vom Fürsterzbischof selbst gespielt werden würde, hat Mozart mit virtuosen Passagen nicht gegeizt. Seinen ehemaligen Dienstherrn, der ihn so schmachvoll entlassen hatte, wollte er gehörig ins Schwitzen bringen.

Stilistisch rasant

Der Wiener Komponist Franz Schubert hat in seinen ersten Jahren auch viel für den familiären Gebrauch geschrieben. Bei diesem häuslichen Musizieren hat er übrigens die Bratsche gespielt, neben Vater und Bruder zum Beispiel im Trio D 471. Wie auch Ludwig van Beethoven im Bonner Kurfürstlichen Orchester.

Das B-Dur Trio D 471 ist allerdings ein Fragment geblieben. Ohne dass man weiß, warum Schubert über den ersten Satz nicht hinausgekommen ist. Irgendetwas schien ihm nicht zu gefallen, stilistisch hatte er sich rasant weiterentwickelt.

Belcanto à la russe

Eine perfekte Verbindung von italienischer und osteuropäischer Musik gelang Michail Glinka in seinen frühen Kammermusikwerken, die er in Italien komponierte. Orchestral gedacht mit einem breiten Bassfundament von Cello und Kontrabass, aber auch eine Art Klavierkonzert ist sein Großes Sextett, 1832 erstmals gespielt in Mailand. 

Das Große Sextett Es-Dur für zwei Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass und Klavier von Michail Glinka lässt viel von dem erkennen, was Glinka in Italien am intensivsten studiert hatte: nämlich Belcanto und opernhafte Dramatik.

In unserer Sendung berichtet Festivalleiter Nabil Shehata über die Hintergründe der diesjährigen Maiklänge Verden, die Auswahl der Musik, den Inhalt des Programms und die Aussichten auf die nächsten Jahre. 


Sie möchten die Sendung in bester Qualität hören? Dann wechseln sie hier auf unseren neuen, hochaufgelösten Stream (AAC, 256 kbit/sec.).


Aufzeichnung vom 17. Mai 2020 im Domgymnasium Verden

Ludwig van Beethoven
Klaviertrio B-Dur op. 11 "Gassenhauertrio"

Bernhard Romberg
Allegro maestoso aus Sonate für Violoncello und Kontrabass C-Dur op. 43

Wolfgang Amadeus Mozart
Duo für Violine und Viola G-Dur KV 423

Franz Schubert  
Streichtrio B-Dur D 471

Michael Glinka
Großes Sextett für zwei Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass und Klavier

Karen Gomyo, Violine
Momo Hiber, Violine
Gareth Lubbe, Viola
Konstantin Sellheim, Viola
Claudio Bohorquez, Violoncello
Tim Park, Violoncello
Nabil Shehata, Kontrabass
José Gallardo, Klavier

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