Seit 01:05 Uhr Tonart
Mittwoch, 25.11.2020
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.12.2009

"Zweiohrküken"

Peter Claus über den neuen Film von Til Schweiger

Podcast abonnieren
Til Schweiger und Nora Tschirner kommen  in Berlin zur Premiere des Films "Zweiohrküken". (AP)
Til Schweiger und Nora Tschirner kommen in Berlin zur Premiere des Films "Zweiohrküken". (AP)

Boulevardreporter Ludo und Kindererzieherin Anna, die in "Keinohrhasen" zueinanderfanden, sind nun schon zwei Jahre zusammen und müssen ihre Liebe im schnöden Alltag bewahren.

Als klar wurde, dass die deutsche Komödie "Zweiohrküken" ohne Pressevorabvorführungen an den Start gehen würde, waren sich viele sicher: hier kommt nichts Gutes auf uns zu. Doch schon die Berliner Premiere vor ein paar Tagen für geladene Gäste hat gezeigt, dass die mal krachende, mal eher verhaltene Klamotte als gute Unterhaltung bestens besteht.

Warum also das Versteckspiel? Til Schweiger hat dazu dem "Spiegel gesagt: "Ich kann im Feuilleton keinen Blumentopf gewinnen. Das ist schade, aber ich muss das akzeptieren. Ich mache Unterhaltung, und die hat es dort schon immer schwer gehabt." Er könne niemanden zwingen, seine Arbeiten zu mögen, sagte der Autor, Produzent, Hauptdarsteller und Regisseur des Films. "Aber ich habe das Recht zu sagen: Ätschibätsch, ich zeig euch meinen Film nicht vor Kinostart umsonst, ihr müsst euch eine Karte kaufen, den Film mit Publikum schauen – für viele Kritiker ein Graus –, und dann könnt ihr immer noch den Verriss schreiben."

Wie schade, dass Schweiger, der beispielsweise für "Knockin‘ on Heaven’s Door" (1979) viel Lob von der Kritik bekommen hat und auch für "Keinohrhasen" (2007) keineswegs durchweg geprügelt wurde, offenbar von ein paar wenig schmeichelhaften Texten einiger Rezensenten kapituliert hat, sein Selbstbewusstsein vergisst und sich so albern verhält. Das hat er nämlich gar nicht nötig. Und die Fortsetzung von "Keinohrhasen", über den sich mehr als sechs Millionen Zuschauer amüsiert haben, erst recht nicht.

Natürlich: "Zweiohrküken" bietet weder inhaltlich noch formal riesigen Anspruch. Das wird aber auch nicht versprochen. Schweiger & Co. wollen amüsieren. Das tun sie, leicht und locker. Die Geschichte basiert auf der hübschen Idee "Nach dem happy end geht’s weiter!" Boulevardreporter Ludo (Til Schweiger) und Kindererzieherin Anna (Nora Tschirner), die in "Keinohrhasen" zueinanderfanden, sind nun schon zwei Jahre zusammen und müssen ihre Liebe im schnöden Alltag bewahren. Klar, dass dies nicht einfach ist. Er etwa trifft eine Ex, sie einen Ehemaligen, und außerdem nervt sie seine Schlampigkeit und ihn ihr Ordnungsfimmel. Und außerdem und sowieso: Der erste Lack ist eben ab.

Wie nur den Glanz des ersten Verliebtseins über die Jahre, Abwasch-, Wäscheberge und andere Katastrophen retten? Die Suche nach Antwort auf diese Frage treibt die Handlung voran. Die Muster sind bekannt und bewährt: Ludo ist Macho und Softie in einem, haut gern auf die Pauke, ist aber eigentlich ein ganz Lieber, Anna steht auf sensible Art ihre Frau, kann aber auch mal ganz schön zicken. Da gibt’s Anlässe für jede Menge Kalauer, viel Slapstick und, hier ist der Film dann am schönsten, auch leise Zärtlichkeit. Das Gagfeuerwerk reicht von einer groben Charlys-Tante-Nummer bis zu einigen Wir-haben-uns-doch-trotzdem-lieb-Momenten, die herrlich nah am Kitsch inszeniert, aber nie wirklich kitschig sind, was einem ein wohliges Schmunzeln beschert.

Regisseur Til Schweiger, Hut ab, setzt nicht unentwegt den Schauspieler Schweiger in den Mittelpunkt. Die besten Szenen gehören Nora Tschirner. Die, noch keine 30, brilliert neben ihm mit Temperament, Charme und Selbstironie. Damit wirkt sie denn selbst in höchst unvorteilhaften Strapsen überaus entzückend. Mit ihrer Natürlichkeit und Frische hat sie das Publikum sofort im Griff und an der Seite Annas, sodass wir sogar mit der einig sind, wenn sie die vermeintliche Nebenbuhlerin höchst effektiv mit einem Pfennigabsatz traktiert. Tschirner und Schweiger bringen die Dialoge, die gestresste Paarmenschen fast alle aus ihrem Leben kennen, so pointiert rüber, dass sie einem völlig neu erscheinen. Das ist ein Riesenspaß.

Til Schweigers Befürchtung, von der Kritik rundum angegriffen zu werden, erscheint also völlig unbegründet. Klar: Es gibt humorlose Rezensenten, so wie sich humorlose Leute in jedem Berufsstand und in jeder Altersgruppe finden lassen. Für die ist "Zweiohrküken" nicht gemacht. Alle aber, die unbeschwert schmunzeln und lachen möchten, werden die Investition in eine Kinokarte auf keinen Fall bereuen!

Deutschland 2009; Regie: Til Schweiger; Darsteller: Til Schweiger, Nora Tschirner, Emma Tiger Schweiger, Matthias Schweighöfer, Ken Duken, Edita Malovcic, Pegah Ferydoni, Uwe Ochsenknecht, Heiner Lauterbach; Länge: 124 Minuten

Filmhomepage

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsWeihnachten ist wie Lockdown
Die verschneite Promenade der Straße Unter den Linden in Berlin, aufgenommen am 11.12.2012 in Richtung Pariser Platz bzw. Brandenburger Tor. Foto:  | Verwendung weltweit (picture alliance /dpa/ Soeren Stache)

Geschäfte, Fitnessstudios, Museen zu – und Klopapier ist frisch eingekauft. Es ist, nein nicht Lockdown, sondern Weihnachten. Wenn wir ehrlich sind, gibt es da gar keinen großen Unterschied, schreibt die „Taz“: Die Außenwelt bleibt draußen. Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur