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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 03.01.2007

Zweifelhafte Karrieren

Neu im Kino: "Prestige" und "Das Spiel der Macht"

Vorgestellt von Hans-Ulrich Pönack

Kate Winslet ist in "Das Spiel der Macht" zu sehen.  (AP Archiv)
Kate Winslet ist in "Das Spiel der Macht" zu sehen. (AP Archiv)

Der Film "Prestige – Meister der Magie" spielt im London um 1900. Zwei Zauberkünstler, Popstars ihrer Zeit, liefern sich einen harten Konkurrenzkampf. Der Film bietet ein cineastisches Spiegelkabinett mit überraschenden Wendungen. "Das Spiel der Macht" erzählt die Geschichte eines idealistischen Underdogs, der sich zum korrupten Südstaaten-Politiker entwickelt.

Prestige - Die Meister der Magie
USA 2006, Regie: Christopher Nolan, Hauptdarsteller: Hugh Jackman, Christian Bale, Michael Caine, Scarlett Johansson, ab 12 Jahren

Die Regie führte in diesem Film Christopher Nolan, einer der derzeit spannendsten, innovativsten Filmemacher überhaupt. Nach "Following", dem No-Budget-Noir-Debüt, "Memento", dem "rückwärts" erzählten Thriller, "Insomnia - Schlaflos" (mit Al Pacino, Hilary Swank und Robin Williams) sowie neulich dem düsteren "Batman Begins" (mit Christian Bale) nun also wieder so ein intelligentes, raffiniertes Zauberstück "guten Kinos". Gemeinsam mit seinem Bruder Jonathan schrieb er das Drehbuch, das auf dem gleichnamigen Roman von Christopher Priest basiert.

Dabei im Blick- und Mittelpunkt: Zwei begnadete Illusionisten, "Popstars" ihrer Zeit, die sich - an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert - in London heftigst bekriegen. Einst konnten sie gut miteinander, doch dann, nach einem tödlichen Schicksalsschlag, wurden sie erbitterte Gegner.

In verschachtelten Rückblenden erzählt Nolan von diesem ewigen Zweikampf, mit dem dann auch die Kreativität der beiden ständig gefordert wie angestachelt und "entwickelt" wird. So dass dann auch, als reale historische Figur, sogar Nikola Tesla (David Bowie) bemüht wird, der radikale Erfinder, Ingenieur und Wissenschaftler. Der serbische US-Immigrant (1856-1943) war so etwas wie ein "da Vinci der Moderne". Er träumte von Robotern, Computern, Mikrowellenöfen, Radar- und Faxmaschinen, lange, bevor sich irgendjemand überhaupt solche "magischen Technologien" vorstellen konnte. Er entdeckte das rotierende magnetische Feld, das zur Basis für alle mit Wechselstrom betriebenen Maschinen wurde. Demzufolge soll er hier "nützlich" sein und sorgt für spannend-exzentrische "Energiezufuhr".

Die Folge: Ein Feuerwerk an Offenbarungen, Wendungen, verblüffenden Einfällen, Tricks, peppigen Show-Gigs. Gewürzt mit vielen opulenten wie rätselhaften Fallen. Und immer mittendrin und "feste drauf" im artistischen Klassenkampf: Der Proletarier-Aufsteiger Alfred Borden (Christian Bale, "American Psycho") und der aristokratisch-arrogante Robert Angier (Hugh Jackman, "X-Men"; "Scoop"), während drumherum so prominente Stichwortgeber wie "Oscar"-Preisträger Sir Michael Caine ("Gottes Werk und Teufels Beitrag") als Tüftler im Hintergrund sowie Scarlett Johansson ("Scoop"; "Lost In Translation") als erotische Muse souverän-süffisant mitmischen.

Faszinierend, atmosphärisch, originell: Der kitzlig-prickelnde Konkurrenzkampf zweier "Zauberer" als cineastisches Spiegelkabinett, einfach grandios wie wunderbar-schwindlig-spannend-unterhaltsam. Eine exzellente Show!

Das Spiel der Macht
USA 2005, Regie: Steven Zaillian, Hauptdarsteller: Sean Penn, Jude Law, Kate Winslet, Anthony Hopkins, ab 12 Jahren

Hier führte Steven Zaillian Regie, ein renommierter Hollywood-Autor, der für sein Drehbuch zu "Schindlers Liste" einen "Oscar" bekam und der seit 1993 auch als Regisseur arbeitet. Seine ersten beiden eigenen Spielfilme waren "Das Königsspiel" (1993; bei uns nur auf Video veröffentlicht) sowie "Zivilprozeß" (1998, mit John Travolta und Robert Duvall).

Zum aktuellen Film: Mit dem 1946 herausgegebenen Roman "All the King´s Men" gelang Robert Penn Warren ein vorzügliches Politdrama, das einst mit dem hochgeschätzten "Pulitzerpreis" ausgezeichnet wurde. Warren erzählte die Geschichte eines dynamisch-proletarischen Südstaaten-Polit-Aufsteigers, angelehnt an der echten Figur des 1935 erschossenen Populisten Huey Long. Einem berüchtigten Emporkömmling, der es in den 30er Jahren bis zum Gouverneur in Louisiana schaffte. (Long war eine schillernde Politikergestalt, selbst für amerikanische Verhältnisse: Kein Rhetoriker, sondern ein hitzköpfiger Demagoge, dessen Wahlkampfauftritte oft an Stammtischtiraden erinnerten: "Nagelt sie an die Wand" lautete bei ihm eine gängige Proklamation).

1949 gab es die erste Verfilmung von Robert Rossen ("Der Mann, der herrschen wollte" mit Broderick Crawford; "Oscar" als "Bester Film" sowie für Broderick Crawford und Nebendarstellerin Mercedes McCambridge). Heute spielt "Oscar"-Preisträger Sean Penn ("Mystic River"; "Sweet and Lowdown") den Provinzler Willie Stark, der mit markigen Sprüchen und "volksnahen" Auftritten nach oben will und der sich vom idealistischen Underdog zum rücksichtslosen, korrupten Vollblutpolitiker hoch katapultiert. Penn überzeugt dabei mit gewohnt intensivem, energischem Temperament. Das Problem bei diesem "vergeblichen" Film: Er bleibt zeitbezogen, im Annodunnemal, irgendwo im amerikanischen Süden, obwohl er sich eindeutig (und notwendigerweise) in die heutige Zeit verpflanzen ließe. "Aktuell" zeigen, erzählen, vorführen müsste. Deshalb bleibt auch diese böse Streber-Figur, die mit ihren Hass-Tiraden, der Gewaltbereitschaft, bisweilen, durchaus an den jungen Hitler erinnert, eher uninteressant. Jude Law als desillusionierter, begleitender Reporter sowie Kate Winslet und Anthony Hopkins gehören zur hochkarätigen weiteren (Neben-)Besetzung dieses im Ansatz steckenbleibenden Plädoyers gegen Diktatur und Terror.

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