Seit 01:05 Uhr Tonart
Montag, 01.03.2021
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Fazit / Archiv | Beitrag vom 28.01.2008

Zwei neue Mahnmale für Berlin

Denkmäler für die Opfer des Nationalsozialismus unter Homosexuellen und Sinti und Roma können gebaut werden

Von Margarete Limberg

Podcast abonnieren

Beide Mahnmale sind seit langem geplant und wurden heftig diskutiert. Sie erinnern an Verfolgung und Morde während der NS-Zeit. Das eine ist den Sinti und Roma gewidmet, das andere den Homosexuellen. Der zuständige Bundestagsausschuss hat nun seine Zustimmung gegeben. Bald soll mit der Errichtung begonnen werden.

Die Bundesregierung hat bereits 1992 den Bau eines Mahnmals für die 500.000 während der NS-Zeit verfolgten und ermordeten Sinti und Roma befürwortet. Und als der Bundestag den Bau des Mahnmals für die ermordeten Juden Europas beschloss, versprach er zugleich, auch anderer Opfer des Nationalsozialismus solle würdig gedacht werden.

Für den Bau zweier weiterer Mahnmale ist jetzt der Weg frei, wie Kulturstaatsminister Bernd Neumann der Öffentlichkeit mitteilte. Es geht um einen Gedenkort für die Sinti und Roma und um ein Mahnmal für die verfolgten Homosexuellen. Für beide steht das Geld seit längerem bereit, und im Kulturausschuss des Bundestages fanden nun auch die Mahnmalskonzepte breite Zustimmung.

Viel Zeit und Nerven kostete vor allem der Streit über das Mahnmal für die Sinti und Roma, und es lag in diesem Fall nicht etwa an politischen Widerständen, sondern an der Zerstrittenheit der Opferverbände. Der Zentralrat der Sinti und Roma auf der einen Seite, die Sinti-Allianz auf der anderen stritten erbittert und kaum noch nachvollziehbar über die Denkmalsinschrift. Unter Aufwendung erheblicher Energien und diplomatischen Geschicks des Staatsministers für Kultur und unter Mitwirkung des Münchner Instituts für Zeitgeschichte ist schließlich ein Widmungstext zustande gekommen, den auch die betroffenen Verbände akzeptieren können.

Der Entwurf des israelischen Künstlers Dani Karavan für das Mahnmal sieht einen kreisrunden kleinen See mit einer Granitplatte vor, in deren Rand Zeilen aus dem Gedicht "Auschwitz" des Italieners Santino Spinelli eingemeißelt werden sollen. Informationstafeln klären über das Leiden der Sinti und Roma im Dritten Reich auf. Als Standort hat das Land Berlin bereits vor einigen Jahren ein Gelände zwischen Reichstag und Tiergarten zur Verfügung gestellt, und die zwei Millionen Euro für den Bau des Mahnmals hat der Bund ebenfalls bereits vor geraumer Zeit genehmigt. Auch der Bundesrat hat Konzept und Finanzierung des Mahnmals kürzlich abgesegnet und zwar einstimmig. Mit den ersten Bauarbeiten kann nun im Februar begonnen werden, wie Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit versicherte.

Einige Monate später soll auch der Bau eines Mahnmals für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Homosexuellen beginnen, unweit des Holocaust-Mahnmals. 600.000 Euro stehen dafür zur Verfügung. Der Bundestag hat sich schon 2003 dafür ausgesprochen, dem Leiden auch dieser NS-Opfergruppe ein Denkmal zu widmen, aber auch in diesem Fall sorgte die künstlerische Gestaltung für heftige Auseinandersetzungen. Grundform des nun politisch abgesegneten Mahnmals ist eine Stele, die auf das Holocaust-Mahnmal verweist. Durch ein Fenster, das schräg in eine Ecke des Kubus eingeschnitten ist, sieht man die Filmprojektion einer scheinbar endlosen Kussszene eines gleichgeschlechtlichen Paares, im Wechsel zwei Jahre lang ein Männerpaar, zwei Jahre lang ein lesbisches Paar. Das Denkmal soll laut Bundestagsbeschluss die Opfer ehren, die Erinnerung an das Unrecht wach halten und ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben setzen. Dieses Denkmal soll im Frühjahr eingeweiht werden.

Aber auch damit ist die Auseinandersetzung um Mahnmale und Erinnerungsstätten in Berlin noch keineswegs beendet. Für die Euthanasieopfer wurde vor wenigen Tagen ein temporäres Mahnmal eröffnet, und mit Spannung wartet man darauf, wie und wann das "Sichtbare Zeichen gegen Vertreibungen" Gestalt annimmt, das die Große Koalition angekündigt hat.

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsAuf den Spuren von Rosa Luxemburg
Rosa Luxemburg bei einer Kundgebung. (picture alliance / Photo12 / Ann Ronan Picture Library)

Rosa Luxemburg steht für Feminismus und Sozialismus. In den USA erscheint mit „Lux“ ein neues Magazin, das genau das verbinden möchte. Dessen Gründerin schwärmt in der „taz“ von wirklichem Luxus und meint damit ein Leben im Sozialismus.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur