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Im Gespräch | Beitrag vom 11.09.2021

Zwanzig Jahre 9/11Was verbinden Sie mit diesem Tag?

Moderation: Katrin Heise

Der südliche Turm des WTC stürzt ein, New York City, 11. September 2001. (imago / ZUMA Wire)
New York City, 11. September 2001: Der südliche Tower des World Trade Centers stürzt ein. (imago / ZUMA Wire)

Es gibt wenige Ereignisse, die sich weltweit ins Gedächtnis brennen: Die Anschläge von 9/11 gehören dazu. Nicht nur wegen des unfassbaren Terrors, auch weil dieser Tag die Weltpolitik veränderte – bis heute. Was verbinden Sie mit 9/11?

Es sind Bilder, die sich bei vielen Menschen weltweit eingeprägt haben: Die beiden Flugzeuge, die sich in die Türme des New Yorker World Trade Centers bohren, die Rauchsäulen, die in sich kollabierende Gebäude – verzweifelte Menschen, die sich aus Angst vor dem Feuer aus den Fenstern stürzen. 9/11 ist für viele ein Einschnitt, auch, weil die Anschläge die Weltpolitik verändert haben – bis heute.

"Das Unmögliche war plötzlich möglich geworden"

"Wenn ich Bilder von 'Ground Zero' sehe, ist es immer noch so, dass ich viele dieser Bilder nicht ertragen kann", sagt Malte Lehming. Der Tagesspiegel-Redakteur war von Ende 2000 bis 2005 Leiter des Washingtoner Büros der Tageszeitung. Auch er berichtete nahezu pausenlos über die Terroranschläge: "Als Journalist reagiert man ja wie ein Roboter", sagt er. Er erinnere sich sehr genau, an die Tage nach dem Attentat und wie wenige Tage später ein großer Gedenkgottesdienst mit allen noch lebenden US-Präsidenten stattgefunden habe. Vielleicht sei es das Pathos gewesen, "aber danach bin ich zusammengebrochen."

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In Amerika kursiere seit 9/11 die Angst, so Malte Lehming. "Das Unmögliche war plötzlich möglich geworden." Sie habe auch die Politik geprägt: Der "Krieg gegen den Terror", der im Irakkrieg gipfelte, verschärfte Sicherheitsgesetze weltweit.

Das habe auch das deutsch-amerikanische Verhältnis verändert: "Nach dem Irakkrieg waren 80 Prozent in den USA für den Krieg, während 80 Prozent in Deutschland dagegen waren. Das hat vieles kaputt gemacht."

"Seitdem lebt man mit dieser Angst"

"Die Welt hat sich mit 9/11 verändert", sagt Britta Waldschmidt-Nelson, Professorin für die Geschichte des europäisch-transatlantischen Kulturraums an der Universität Augsburg.

"Dieses Gefühl, dass es Menschen gibt, die bereit sind, für ihren fanatischen Glauben so etwas zu tun, das ist geblieben. Seitdem lebt man mit dieser Angst. Und das hat sich fortgesetzt mit dem Anschlag auf 'Charlie Hebdo', mit dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt. Und auch mit dem Entsetzen über die heutigen Bilder aus Afghanistan. Bildet sich dort wieder ein islamischer Staat? Was kommt da auf uns zu?"

Der Anti-Amerikanismus hat zugenommen

Britta Waldschmidt-Nelson ist den USA seit Schulzeiten verbunden, sie war stellvertretende Direktorin des Deutschen Historischen Instituts in Washington, ist mit einem US-Amerikaner verheiratet.

Ihre Beobachtung: Es habe immer Höhen und Tiefen im deutsch-amerikanischen Verhältnis gegeben. 9/11 und die Politik George W. Bushs hätten allerdings das Verhältnis nachhaltig belastet. "Das hat sich unter Trump massiv gesteigert. Der Anti-Amerikanismus war noch nie so stark wie unter Trump."

Sie wisse aber auch aus ihrer eigenen Familie in den USA: "Bei aller Kritik an Amerika; niemand ist so gut in der Kritik am 'Patriot Act' wie die Amerikaner selbst."

20 Jahre 9/11 – Was verbinden Sie mit diesem Tag?
Darüber diskutiert Katrin Heise heute von 9 bis 11 Uhr mit dem Journalisten Malte Lehming und der Transatlantik-Expertin Britta Waldschmidt-Nelson. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de. Besuchen Sie uns auch auf Facebook, Instagram und Twitter!

(sus)

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