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Interview / Archiv | Beitrag vom 21.11.2017

Zusammen-Bleib-Training für PaareDas Geheimnis stabiler Partnerschaften

Psychologe Kurt Hahlweg im Gespräch mit Julius Stucke

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Ein Ehepaar sitzt auf einer Liege am Starberger See.  (imago )
Miteinander sprechen lernen - die Grundlage für eine stabile Beziehung, meint Psychologieprofessor Kurt Hahlweg. (imago )

Gemeinsam glücklich werden – das möchten die meisten Paare. Dass dies gar nicht so einfach ist, zeigen die hohen Scheidungsraten. Psychologe Kurt Hahlweg hat gemeinsam mit Kollegen eine Art Zusammen-Bleib-Training entwickelt, das Erfolg verspricht.

Die große Liebe finden, mit dem Partner glücklich werden – und dann eine Familie gründen. Das wünschen sich die meisten Menschen. Aber gemeinsam glücklich werden ist nicht so einfach.

Das zeigt auch die aktuelle Scheidungsrate. Sie liege bei ungefähr 40 Prozent, sagt der Psychologe Kurt Hahlweg, emeritierter Professor an der Uni Braunschweig. Bei den nichtehelichen Lebensgemeinschaften sei die Trennungsrate sogar noch höher. Und: Häufig sind auch Kinder betroffen. Bei Paaren, die ohne Trauschein zusammenleben und ein Kind unter fünf Jahren haben, liege die Trennungsrate bei 35 Prozent; bei Verheirateten mit Kind bei zehn Prozent.

Wie können Paare also gemeinsam glücklich werden? Psychologe Kurt Hahlweg hat gemeinsam mit Kollegen ein Präventionsprogramm entwickelt, also quasi ein Zusammen-Bleib-Training, das er auf der wissenschaftlichen Jahrestagung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) vorgestellt hat.

Lernen, Gefühle und Wünsche auszudrücken

Das Programm zielt darauf ab, Paaren angemessene Interaktions- und Kommunikationsformen beizubringen, sagt Hahlweg. Dabei gehe es darum zu lernen, Gefühle und Wünsche auszudrücken; und dem Partner zu signalisieren, dass ich ihm vielleicht zwar nicht zustimme, aber zumindest gehört und verstanden habe, was er gesagt hat. Auf diese Weise fähiger zu sein, Konflikte zu lösen, sei "die Grundlage für eine stabile Beziehung".

Studien zu dem Programm EPL - Ein Partnerschaftliches Lernprogramm - hätten gezeigt, dass Paare, die daran teilgenommen hatten, teilweise noch Jahrzehnte später eine wesentlich geringere Scheidungsrate aufwiesen als Paare aus der Kontrollgruppe, die nicht an dem Programm teilgenommen hatten. Schweigen ist also Silber, miteinander reden Gold.

Richtige Partnerwahl "sehr, sehr schwer"

Von der großen Liebe auf den ersten Blick scheint Psychologe Hahlweg dagegen wenig zu halten: Bereits bei der Partnerwahl zu entscheiden, ob sie erfolgversprechend sei, sei "meistens sehr, sehr schwer", meinte Hahlweg. "Das Problem bei Partnerschaften ist immer: Wenn sie mit jemandem zusammenziehen oder heiraten, haben sie meistens eine rosarote Brille auf. Das heißt, Sie sehen vor allem die attraktiven, die positiven Verhaltensweisen Ihres Partners. Und erst, wenn man etwas länger zusammenlebt, merkt man auch, dass es Seiten gibt, die einen stören."

(abr/lk)

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