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Fazit / Archiv | Beitrag vom 01.06.2012

Zum Totlachen

Martin Wuttke gibt an der Berliner Volksbühne einen eingebildeten Kranken

Von Alexander Kohlmann

Außenansicht der Berliner Volksbühne (AP Archiv)
Außenansicht der Berliner Volksbühne (AP Archiv)

Lachen ist die beste Medizin, scheint sich auch Martin Wuttke bei seiner Neu-Inszenierung von Molières "Der eingebildete Kranke" gesagt zu haben und setzt an diesem kurzweiligen Abend über die Krankheit und den Tod ganz auf vordergründigen Slapstick.

Und es ist tatsächlich zum Totlachen, wie Wuttke als Hypochonder Argan, eingehüllt in ein Nachthemd, dass auch ein Leichentuch sein könnte, mit verzerrtem Gesichtsausdruck über die Bühne humpelt, wild mit dem Stock um sich schlägt und mit krächzender Stimme, anfangs noch auf französisch, der Welt sein gefühltes Leid klagt.

Allein, Wuttke droht als Regisseur und Hauptdarsteller in Personalunion alle anderen an die Wand zu spielen. Die Szenen, in denen er - stets im Mittelpunkt - fast alle Aufmerksamkeit auf seine Person vereinen kann, erinnern an Kenneth Branagh in seinen durchaus selbstsüchtigen Shakespeare-Verfilmungen, die genau wie dieser Abend auch oft darunter leiden, dass der talentierteste Schauspieler nicht gleichzeitig das Auge im Zuschauerraum und der Akteur auf der Bühne sein kann. Ein Blick von außen, der die Spiellust des gesamten Ensembles lenken und forcieren könnte, hätte diesem Abend mehr als gut getan.

So kommt es, dass außer guter Laune nicht viel von dieser Inszenierung im Gedächtnis bleibt, die in ihrer dramaturgischen Schlichtheit durchaus an das vorpsychologische Theater der Molière-Zeit anzuknüpfen weiß. So wie auch die Bühne von Bert Neumann, der eine Bretterbude in den Zuschauerraum der Volksbühne gebaut hat, ein großes Portal aus Holz mit einem ferngesteuerten Skelett über dem Vorhang, dass gleich zu Beginn die Sanduhr auf Ablauf dreht.

Die Zeit verrinnt jedoch durchaus nicht immer schnell an dem nur zwei Stunden langen Abend. Denn so unterhaltsam es ist, zuzusehen wie Martin Wuttke, ein wenig auch der eingebildete Schauspieler, in immer neuen Posen mit der vermeintlichen Krankheit ringt, so wenig kann diese, fast ausschließlich situative Comic die Rückkehr Molières an die Volksbühne rechtfertigen. Da müsste man dann doch noch einmal neu denken, vielleicht bereits am 8.6.2012, wenn in "Der Geizige" Frank Castorf Regie führt und Martin Wuttke sich ganz dem Molière-Spielen hingeben darf.

Informationen der Volksbühne zu "Der eingebildete Kranke"

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Wuttke inszeniert Wuttke

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