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Fazit | Beitrag vom 22.09.2019

Zum Tod von Sigmund JähnDer Kosmonaut der Herzen

Dirk Lorenzen in Gespräch mit Johannes Nichelmann

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Sigmund Jähn, früherer Kosmonaut und erster Deutscher im Weltall, steht im Kosmonautenzentrum in Chemnitz vor dem Modell des Raumschiffes Mir. Jähn besuchte die Einrichtung aus Anlass des 40. Jahrestages der Namensgebung Kosmonautenzentrum "Sigmund Jähn". (Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa)
Ohne ihn wäre die gute Zusammenarbeit zwischen den USA, den Russen und den Europäern in der Raumfahrt gar nicht möglich gewesen, meint Dirk Lorenzen. (Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa)

"Ein unglaublicher Brückenbauer" sei Sigmund Jähn gewesen, sagt Raumfahrt-Experte Dirk Lorenzen über den deutschen Raumfahrt-Pionier, der nun im Alter von 82 Jahren gestorben ist. In der Bundesrepublik hätte Jähn mehr gewürdigt werden müssen.

Am 26. August 1978 war Sigmund Jähn mit der Rakete "Sojus 31" vom russischen Raumfahrtzentrum Baikonur aus gestartet. Gemeinsam mit dem sowjetischen Kosmonauten Waleri Bykowski war er sieben Tage, 20 Stunden und 49 Minuten im All. In der knapp einen Woche umrundete der gebürtige Sachse 125 Mal die Erde, führte wissenschaftliche Experimente durch und machte Aufnahmen vom Erdball. 

Waleri Bykowski (links) und Sigmund Jähn nach der Rückkehr zur Erde 1978 (Bundesarchiv)Waleri Bykowski (links) und Sigmund Jähn nach der Rückkehr zur Erde 1978 (Bundesarchiv)

Der Wissenschaftsjournalist und Raumfahrt-Experte Dirk Lorenzen traf Sigmund Jähn mehrmals. So war Jähn auch anwesend beim Start des Astronauten Alexander Gerst 2018 von Baikonur aus: "Es war wirklich rührend zu sehen, mit welcher Herzlichkeit und Liebe er dort in Baikonur empfangen wurde. Das fing schon an bei der Einreise am Flughafen, als er erkannt wurde, wurde er sofort durchgewinkt und die Grenzbeamten waren absolut begeistert." 

Ein ganz bescheidener Mensch

Doch diese Öffentlichkeit habe Jähn gar nicht gesucht, sagt Lorenzen. "Als zwei Tage vor dem Start die Rakete dann aufgerichtet wurde, da war Sigmund Jähn ganz bescheiden, einfach bei den normalen Zuschauern, wo auch die Journalisten waren. Ein Ingenieur erkannte ihn, winkte ihn gleich heraus, setzte ihm einen Helm auf und er bekam wohl die beste Führung über die Startrampe, die er je erhalten hatte. Da war er hinterher absolut begeistert." 

Jähns Rolle für die deutsche Raumfahrt sei eine "riesengroße" gewesen - "und zwar auf beiden Seiten". 1978 habe mit ihm die deutsche Raumfahrt begonnen. "Das war natürlich ein Urknall in der Raumfahrt." Aber auch nach der Wende habe er Brücken gebaut und relativ schnell für die Europäische Weltraumorganisation ESA und auch für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt gearbeitet. "Man muss einfach sagen, all diese Erfolge, diese gute, enge Zusammensarbeit, die es dann seitdem gegeben hat zwischen den Amerikanern, zwischen den Russen mit europäischer Beteiligung, all dies wäre ohne Menschen wie Sigmund Jähn gar nicht möglich gewesen." Man müsse hoffen, dass diese gute Zusammenarbeit auch ohne ihn so weitergehe, meint Lorenzen. 

Warum kein Bundesverdienstkreuz für Jähn?

Wegen seiner wichtigen Arbeit und seines Engagements hätte Simund Jähn auch von der Bundesrepublik mehr gewürdigt werden müssen, so Lorenzen: "Ich wundere mich, wer so alles ein Bundesverdienstkreuz trägt. Auch übrigens viele Astronauten. Da wundere ich mich noch mehr, warum hat das eigentlich Sigmund Jähn nicht bekommen?" In der Bevölkerung sei er sehr populär gewesen, hätte Unmengen von Post bekommen. Die Bundesrepublik hätte da doch mehr leisten können. "Aber die Bevölkerung, glaube ich, die, die sich für Raumfahrt interessieren, die haben sich entschieden. Alexander Gerst mag der Popstar unter den Astronauten sein. Wirklich der Kosmonaut der Herzen - das ist und bleibt Sigmund Jähn."

(kpa)

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