Seit 17:30 Uhr Tacheles

Samstag, 23.03.2019
 
Seit 17:30 Uhr Tacheles

Fazit / Archiv | Beitrag vom 22.11.2017

Zum Tod von Peter Berling"Er war immer ein Rebell"

Alexander Kluge im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Podcast abonnieren
Der Schauspieler Peter Berling (imago / Zuma Press)
Alexander Kluge hat mit Peter Berling mehr als 160 Sendungen gemacht. (imago / Zuma Press)

Für Alexander Kluge war heute ein trauriger Tag, sagt er: der Filmproduzent, Schauspieler und Schriftsteller Peter Berling ist tot. Mit ihm hat Kluge über 160 Sendungen produziert. Wir haben mit Kluge über den international erfolgreichen Schauspieler gesprochen.

Peter Berling ist im Alter von 83 Jahren in Rom gestorben. In der italienischen Hauptstadt lebte Berling seit Ende der 60er-Jahre. Berling wurde 1934 geboren und studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München. 

Alexander Kluge beantwortet am 14.09.2017 im Folkwang Museum in Essen (Nordrhein-Westfalen) während der Pressekonferenz Fragen der Journalisten. Die Schau "Pluriversum" präsentiert vom 15.09.2017 bis zum 07.01.2018 das multimediale Werk des 85-jährigen Alexander Kluge. (picture alliance / dpa / Roland Weihrauch)Alexander Kluge zum Tod seines Freunds und Kollegen Peter Berling (picture alliance / dpa / Roland Weihrauch)

Als Produzent arbeitete er für den Regisseur Rainer Werner Fassbinder. Berling spielte unter anderem in "Der Name der Rose" und "Gangs of New York" mit. In Rom wirkte er vor allem als Schriftsteller und schrieb Romane.

Ein Unangepasster

"Ich habe mit ihm zusammengearbeitet als ich meine ersten Kurzfilme 1960 machte", sagt Alexander Kluge im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur. Und daraus habe sich im Laufe der Zeit eine intensive Zusammenarbeit entwickelt, die zu weiteren Filmen und vielen gemeinsamen Fernsehsendungen mit den unterschiedlichsten Themen führte. 

Sehen Sie hier zahlreiche von Kluges dctp-Sendungen mit Peter Berling.

"Berling ist jemand, der auf geniale Weise antworten kann. Wenn wir uns verabredet haben, hat er nicht gewusst was ich ihn frage und ich nicht gewusst was er antwortet" erläutert Kluge den typischen Ablauf einer Sendung.

Freiheit durch Improvisation

Berling habe die Fähigkeit gehabt, sich in unterschiedlichste Rollen einzufühlen und spielen zu können. "Dabei war er ein hinreißender Historiker, auf Augenhöhe mit jedem Wissenschaftler, und poetisch", so Kluge.

Berlings Talent zur Improvisation habe eine große Freiheit für ihn als Filmemacher bedeutet. Durch seine besondere Fähigkeit zur Empathie habe Berling sowohl überzeugend einen mittelalterlichen Kaiser oder auch einen einfachen Kofferträger verkörpern können, sagt Kluge.

An Berlings Übersiedlung nach Rom und der Zuwendung von der Schauspielerei zum Romanschreiben kann Kluge keinen Bruch erkennen. "Er hat uns immer überrascht und ist immer ein Rebell geblieben". Alexander Kluge hat über 160 Sendungen mit Peter Berling gemacht. Kluge ist betroffen von seinem Tod. Er erinnert sich an den Film: "Ich möchte 1000 Leben haben".

Mehr zum Thema

Alexander Kluge - "Große Meister liegen alle in der Stummfilmzeit"
(Deutschlandfunk, Kulturfragen, 17.09.2017)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsHelmut Kohl hat sich geirrt
Altkanzler Helmut Kohl am 20.11.1999 bei einer Pressekonferenz in der CDU-Zentrale. (dpa)

Um Europa steht es nicht gut in Zeiten des Brexit - da sind sich die Kulturseiten der Zeitungen einig. Wenn es allerdings um Rezepte zur Heilung des Kontinents geht, ist Schluss mit der Einigkeit. Aber den Roman von Anke Stelling finden alle gut.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 12Von Wilmersdorfer Witwen und kämpferischer Kultur
Die legendären "Wilmersdorfer Witwen" im Musical "Linie 1" des Grips-Theaters. (David Baltzer / bildbuehne.de / Grips Theater)

Das Berliner Grips-Theater wird 50 Jahre alt. Ist sein Erfolgsmusical „Linie 1“ noch aktuell? Ein Selbstversuch mit drei Generationen. Außerdem: Lässt sich das Theater in einen von rechtsnationalen Kräften erklärten „Kulturkampf“ verwickeln?Mehr

Folge 11Von Vielfalt und Verstärkung
Ein Darsteller des Musicals "Miss Saigon" mit einem angeklebten kleinen Stirnmikrofon steht am 25.01.2019 in Köln bei einem Fototermin auf der Bühne. (imago / Horst Galuschka)

Wer spricht wie auf deutschen Bühnen? Es gibt zwar immer mehr Schauspieler*innen mit angeklebten Mikrofonen, aber noch zu wenige aus benachteiligten Gruppen. Um Diversity und Mikroports geht es in Folge #11 des Theaterpodcasts.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur