Mittwoch, 20.03.2019
 

Fazit | Beitrag vom 15.03.2019

Zum Tod von Okwui EnwezorIntellektuelle Prägekraft ohne autokratisches Gehabe

Jörg Heiser im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Okwui Enwezor (dpa / picture alliance / Stephan Goerlich)
Okwui Enwezor ist im Alter von 55 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. (dpa / picture alliance / Stephan Goerlich)

Der Kurator und ehemalige documenta-Chef Okwui Enwezor ist im Alter von 55 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Der Kunstkritiker Jörg Heiser sieht in ihm einen Pionier, der die afrikanische Moderne in die Museen der Welt geholt habe.

Der verstorbene Kurator Okwui Enwezor habe der Welt die Augen für die Moderne des afrikanischen Kontinents geöffnet, sagt der Kunstkritiker und Professor für Kunsttheorie, Jörg Heiser, der Enwezor persönlich kannte und ihn oft getroffen hat. Diese Moderne habe er als Pionier in die großen Museen der Welt getragen. Er habe das auf seine sehr kluge und intellektuelle Art und Weise gemacht, die spannende Konstellationen hergestellt habe. Besonders deutlich sei dies bei der documenta11 geworden, die er kuratiert hat.

Das Verständnis der Kunstgeschichte verändert

"Da hat er die Arbeiten von Isa Genzken und Bodys Isek Kingelez gegenübergestellt und damit Parallelen und Kontraste erzeugt, die die Art und Weise wie wir Kunstgeschichte verstehen und gegenwärtige Kunst begreifen, komplett verändert haben." 

Er habe trotz seiner intellektuellen Prägekraft sich immer Experten dazugeholt, so Heiser. Sein Team bei der documenta11 habe aus einer Reihe internationaler Kuratoren bestanden, die Experten in ihren Teilbereichen gewesen seien. "Damit hat er gezeigt, dass man als Kurator nicht als autokratischer Fürst auftreten muss."

Offenheit gegenüber verschiedenen Kunstgattungen

Enwezor habe in seiner frühen Zeit als Dichter in New York einen Zugang zu Sprache gefunden, die sein späteres kuratorisches und kunstkritisches Arbeiten geprägt habe. Das sei in der Kunstwelt nicht unbedingt ungewöhnlich, aber sehr hilfreich für die Offenheit gegenüber verschiedenen Kunstgattungen, sagt Heiser.

"Bei der The Short Century-Ausstellung in München und Berlin im Jahr 2001 hat er einen kuratorischen Zugang gezeigt, der tatsächlich die Kunstgeschichte umgeschrieben und damit auch jüngeren Kuratoren den Weg bereitet hat. Er hat die Augen dafür geöffnet, dass die Moderne kein exklusives Projekt der europäischen und nordamerikanischen Kunstszene war."

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