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Kompressor | Beitrag vom 05.10.2020

Zum Tod von Kenzo TakadaDesigner der leuchtenden Muster

Gesine Kühne im Gespräch mit Massimo Maio

Kenzo Takada steht in der Mitte, um ihn herum applaudieren zahlreiche bunt gekleidete Models. (Imago images / Starface / Guy Marineau)
Kenzo Takada bei einer Modeshow in Paris 1994. (Imago images / Starface / Guy Marineau)

Er war der erste japanische Modemacher in Paris: Mit leuchtendem Mustermix revolutionierte Kenzo Takada in den Siebzigern die Mode. Erinnerungen an einen großen Designer, der früh erkannte, wie wichtig eine gute Inszenierung ist.

Kenzo Takada entwarf besonders bunte und weite Mode – eine Mischung aus japanisch und tropisch, das war seine Vision. Bis zuletzt hat seine Marke neue Kollektionen vorgestellt. Letzte Woche die neue Sommerkollektion bei der Fashion Week in Paris. Dort ist er am Sonntag an den Folgen von Covid-19 gestorben. Was bedeutet sein Tod für die Modewelt und die Marke Kenzo? Darüber sprechen wir mit der Journalistin und Modeexpertin Gesine Kühne.

Mit dem One-Way-Ticket nach Marseille

Massimo Maio: Was hat Kenzo so bedeutsam für die Modewelt gemacht?

Gesine Kühne: Er hat schon in den Siebzigerjahren durch mit viel Farbe und auffälligen Mustern die französische Modeszene auf den Kopf gestellt. Vorausgegangen ist sein mutiger Weg nach Paris. Er ist in Japan 1939 geboren, und es schickte sich nicht als Mann etwas Kreatives zu machen. Seine Eltern waren total dagegen, dass er Designer wird. Takada hat seinen Traum aber trotzdem verfolgt.

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Und so war es ganz passend, dass seine Wohnung 1964 abgerissen werden sollte, weil dort Gebäude für die Olympischen Spiele in Tokyo entstehen sollten. Er nahm die Abfindung und kaufte sich ein One-Way-Ticket nach Frankreich – mit einem Frachtschiff nach Marseille. 1965 kam er in Paris an und brachte viele Ideen von der Reise und aus Japan mit. Das war der Moment, wo er die Pariser Szene aufgewirbelt hat.

Bis heute gilt er als Sohn von Paris

Maio: Was war das Neue, Unangepasste, das er mitgebracht hat?

Kühne: Es waren die Sechzigerjahre, da war alles sehr eng und knapp von den Schnitten her. Es gab diesen gewissen Space-Look bei den Frauen: hohe Stiefel, Minirock, Rollkragenpulli. Ich muss dabei immer an das Model Twiggy denken.

Kenzo hat übergroß designt und ganz bunt. In seiner ersten Kollektion 1970 hat er den Kimono von zu Hause zitiert, aber anders zusammengebracht: Das waren leuchtende Muster miteinander gemixt, das war komplett neu.

Kenzo Takada posiert am 28. Februar 2019 anläßlich seines 80. Geburtstag im Pavillon Ledoyen in Paris mit einem Schmetterlin auf der Hand. (Getty Images / Castel / Rindoff Petroff)Kenzo Takada feierte am 28. Februar 2019 seinen 80. Geburtstag in Paris – mit Freunden und einem Schmetterling. (Getty Images / Castel / Rindoff Petroff)

Das alles entstand aus seiner ersten Boutique heraus, "Jungle Jap" hieß die. Übrigens: Kenzo Takada war der erste japanische Modemacher in Paris und galt bis heute als Sohn der Stadt.

Er verkaufte die Klamotten direkt vom Laufsteg

Maio: Paris verbindet man mit Kenzo. Aber von dort aus ist er auch international zum Modestar geworden.

Kühne: Genau, der nächste große Schritt war dann in die USA. Dort bekam er mit dem Namen "Jungle Jap" Probleme und nannte sein Label von nun an "Kenzo" nach seinem Vornamen. Er hat übrigens schon vor 45 Jahren verstanden, dass Mode gleich zugänglich sein sollte. Was hier vor ein paar Jahren als große Neuheit gefeiert wurde – nämlich Klamotten direkt vom Laufsteg zu erwerben und nicht erst ein halbes Jahr danach im Laden zu finden –, das machte Kenzo schon 1975.

Und auch Inszenierung verstand der Japaner schon sehr früh: 1977 veranstaltete er seine Fashionshow im New Yorker Klub "Studio 54". Bei der Show sang übrigens Grace Jones.

Eine Schaufensterpuppe mit Pullover, Schal und Maske im Tiger-Muster. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)Aus einer späten Kenzo-Kollektion von 2016: Eine H&M-Schaufensterpuppe im Tigerlook. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Maio: 1993 hat er sein Unternehmen an die Luxusgruppe "LVMH" verkauft und sich auch als Designer zurückgezogen. Wird das Label auch ohne Kenzo Takada weitergehen?

Wieder angesagt – dem Tiger sei Dank

Kühne: 1999 hat Kenzo Takada seinen Rückzug aus dem Designgeschäft bekanntgegeben. Da waren diese großen bunten Mustermixe nicht mehr so in, das hatte etwas sehr Trutschiges, etwas Tantiges. Kenzo hatte seine Designsprache gefunden, aber sich dann im Laufe der Jahre nicht mehr neu erfunden. Er blieb da so ein bisschen hängen. Die Muster wirkten Ende der Neunziger einfach wie Omas Sesselbezug.

Es übernahmen Chefdesigner und Chefdesignerin des Highstreet-Fashionlabels "Opening Ceremony" aus New York. Die schafften es tatsächlich in kurzer Zeit, Kenzo zu einer beliebten Highstreet-meets-Streetwear-Marke zu machen. Das war gut, denn so wurde Kenzo erneut zum angesagten Label – bis heute. Der Pulli mit dem Tigerkopf ist sehr beliebt. Und wenn man ein bisschen spart, auch für die nicht ganz so wohlhabenden Modefreunde unter uns machbar. Dennoch, der Tod natürlich traurig für die Modewelt, das Label feiert dieses Jahr 50-jähriges Jubiläum. Wenn der Erfinder stirbt, ist das Jubiläum eher ein trauriges.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandfunk Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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