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Kompressor | Beitrag vom 21.05.2021

Zum Tod von Kentaro MiuraSchöpfer eines gigantischen Fantasy-Mythos

Dinah Zank im Gespräch mit Max Oppel

Schwarzweiße Mangazeichnung aus "Berserk": Ein Mann hängt mit nacktem, sehr muskulösen Oberkörper an seinen Armen, er blickt nach unten in die Dunkelheit. (Kentaro Miura / Hakusesha, Inc., Tokio)
Szene aus "Berserk 1 - Ultimative Edition", erschienen im Panini Verlag: Kentaro Miura zeichnete nur mit der Hand. (Kentaro Miura / Hakusesha, Inc., Tokio)

Der Manga-Zeichner Kentaro Miura ist gestorben. Seine Serie "Berserk" gehört zu den erfolgreichsten Manga der Welt, Miuras Stil hat die Manga-, Fantasy- und Videospiel-Welt maßgeblich beeinflusst: die Japanologin Dinah Zank mit einer Würdigung.

Der Manga-Zeichner Kentaro Miura ist am 6. Mai mit nur 54 Jahren gestorben. Das wurde erst jetzt bekannt. Sein berühmtestes Werk ist "Berserk": Die Comicserie gehört zu den meistvekauften Manga und hat Fans weltweit, die nun um Miura trauern. Mittlerweile gibt es 40 Bände, Verfilmungen und auch Games.

Dark Fantasy mit Kultcharakter

Miura sei ein absolutes Ausnahmetalent gewesen, sagt die Japanologin und Manga-Expertin Dinah Zank. Schon mit zehn Jahren habe er seinen ersten Manga in der Schulzeitung veröffentlicht. 1988 habe er dann seinen Durchbruch mit "Berserk" gefeiert: ein Dark-Fantasy-Epos, das in einem an das Mittelalter angelehnten Universum spielt. Abgeschlossen ist die Serie bis heute nicht.

"Kentaro Miura ist der Erschaffer eines gigantischen Fantasy-Mythos", betont die Japanologin. "Berserk" habe für Japan und die Manga-Szene einen ähnlichen Kultcharakter wie "Der Herr der Ringe" oder "Game of Thrones" für die hiesige Fantasy-Gemeinschaft.

Dynamische und skizzenhafte Linienführungen

Das herausragendste Merkmal seiner Manga sei das aufwändige Artwork. Miura habe komplett per Hand gearbeitet, erzählt Zank. Eigentlich handle es sich um ein Medium, dass sehr schnell statisch werden könne. Aber durch Miuras dynamische, zum Teil skizzenhafte Linienführungen und starke Hell-Dunkel-Kontraste entstehe eine sehr lebhafte Rhythmik. Sie gebe dem Leser das Gefühl, eher einen Film zu schauen als zu lesen, sagt Zank.

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Ob "Berserk" nun nach Miuras Tod fortgeführt wird, ist noch nicht klar. In jedem Fall aber wird viel von ihm bleiben. Sein Einfluss auf Manga, Fantasy und die Videospielindustrie ist Zank zufolge evident: "Auch wenn Miura nun sein Werk selber nicht mehr fortführen kann, bin ich mir deshalb ziemlich sicher, dass er viele Nachfolger haben wird – zur Zeit auch schon hat – und seine Designs uns in Videospielen und in Manga direkt oder indirekt noch sehr lange begleiten werden."

(jfr)

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