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Fazit | Beitrag vom 23.01.2019

Zum Tod von Jonas Mekas „Wie ein Kind - erstaunt vor der Größe des Universums“

Christoph Terhechte im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Der Filmemacher Jonas Mekas ist im Alter von 96 Jahren gestorben. (picture alliance / dpa)
Der Filmemacher Jonas Mekas ist im Alter von 96 Jahren gestorben. (picture alliance / dpa)

Der in Litauen geborene Filmemacher Jonas Mekas ist im Alter von 96 Jahren in New York gestorben. Er arbeitete mit Andy Warhol und Dalí zusammen und "beeinflusste eine Generation von Filmemachern, die sich selbst zum Gegenstand ihrer Filme erklärt haben".

Der Filmemacher Jonas Mekas ist im Alter von 96 Jahren in New York gestorben. Er war ein litauischer Filmregisseur, Schriftsteller und Kurator und emigrierte 1949 in die Vereinigten Saaten. In New York kaufte er sich schnell eine 16-mm-Kamera und war zusammen mit Amos Vogel eine der Schlüsselfiguren des "New American Cinema", des US-amerikanischen Avantgarde-Kinos.

Mekas gründete auch eine Filmzeitung, um andere Kinodiskurse jenseits von Hollywood zu führen. Immer wieder bemühte er sich, Künstler und Künstlerinnen um sich zu versammeln. Deshalb gründete er auch das Projekt "Anthology Film Archives", das die weltgrößte Sammlung von Avantgarde-Filmen beherbergt und noch heute als Kino fungiert.

Filme, die den Normen nicht gehorchen

Der langjährige Leiter des Forums der Berlinale, Christoph Terhechte, erklärt im Deutschlandfunk Kultur, dass er, als er das erste Mal einen Film von Mekas gesehen hat, "erstaunt war, was für Möglichkeiten der Film eröffnet, wenn man sich nicht an die Regeln hält, wenn man nicht Filme macht, die den dramaturgischen und visuellen Normen gehorchen".

Mekas habe selbst einmal gesagt, so Terhechte weiter, dass er kein Experimentalfilmemacher, sondern ein Poet sei, also ein Undergrund-Filmer, der ein freies und nicht-perfektes Kino mache. Seine Homemovies habe er "in einer Form verfremdet und zusammen geschnipselt, dass daraus ein Kino wurde, was einem Rausch gleicht - dem Rausch seines Lebens".

Zu Tisch bei Mekas 

Terhechte beschreibt Mekas "wie ein Kind, was erstaunt vor der Größe des Universums", und erzählt von einer Begegnung mit dem Filmemacher in dessen Loft in Soho: Nach einem Filmabend im "Anthology Film Archives" sei er mit einer größeren Gruppe in Mekas' Loft gelandet, wo eine Weinflasche nach der anderen geöffnet worden sei. Dabei müsse man sich das Loft mit meterhohen Regalen voller Bücher, Filmrollen und leeren Weinfalschen vorstellen – "und die ganze Zeit lief die Kamera mit".

Mekas "hat ganz gewiss eine Generation von Filmemachern beeinflusst, die sich selbst zum Gegenstand ihrer Filme erklärt haben". Sein sehr spielerischer und freier Umgang sowie sein Wille zur Nicht-Perfektion machten ihn genau so einzigartig wie die Tatsache, dass Mekas Kurator, Vermittler und selbst Filmemacher gewesen sei.

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