Seit 17:05 Uhr Studio 9 kompakt

Sonntag, 26.05.2019
 
Seit 17:05 Uhr Studio 9 kompakt

Fazit / Archiv | Beitrag vom 13.08.2018

Zum Tod von Götz FritschEin absolut sicheres Gehör für falsche Töne

Moderation: Sigrid Brinkmann

Podcast abonnieren
Regisseur Götz Fritsch (picture-alliance/ dpa/ Jörg Carstensen)
Der Hörspiel-Regisseur Götz Fritsch im Jahr 2006 (picture-alliance/ dpa/ Jörg Carstensen)

Er stammte aus Berlin, studierte in Wien, war Theaterregisseur und später passionierter Hörspielmacher: Götz Fritsch. Nun ist er im Alter von 75 Jahren gestorben. Der Ö1-Chef Peter Klein spricht vom "Hörspiel-Kosmos des Götz Fritsch".

"Ich kannte keinen, der so intensiv und so gut mit Schauspielerinnen arbeiten konnte wie Götz Fritsch", sagt Peter Klein, ehemaliger Hörspiel-Redakteur beim Kultursender des Österreichischen Rundfunks, Ö1, über seinen langjährigen Kollegen. "Ich habe ihm oft im Studio über die Schulter geschaut und wenn er dann beim neunten oder zwölften Take war, habe ich mir gedacht 'Götz, um Gottes Willen, lass sie, das wird nichts mehr und quäl die Leute nicht', aber er hatte ein untrügliches Gespür dafür, was noch geht und was noch zu holen ist", beschreibt Klein - inzwischen Ö1-Programmchef - die Zusammenarbeit mit dem Hörspielregisseur. Fritsch habe einen "Hörspiel-Kosmos" geschaffen. 

Im Zentrum stand die Arbeit mit den Schauspielern

Fritsch war am Wochenende wenige Monate nach seinem 75. Geburtstag einer langen, schweren Krankheit erlegen. 1967 hatte er zu den Gründern des Wiener Cafétheaters gehört und war später in die USA gegangen. Nach einigen Jahren am Theater dort - etwa am La MaMa in New York - war er zurückgekehrt und hatte sich sehr schnell und intensiv dem Genre Hörspiel zugewandt. Im Lauf von mehr als viereinhalb Jahrzehnten produzierte er weit mehr als 300 Stücke.

"Im Zentrum seiner Arbeit, egal ob er Stücke von Fredericke Mayröcker oder Wolf Haas oder von Jura Soyfer oder von Christa Wolf inszeniert hat, stand immer die Arbeit am Text mit den Schauspielerinnen - das ist wohl die verbindende Klammer im Gesamtschaffen von Götz Fritsch", sagt Klein über die Arbeit Fritschs.

Kaum ein Rundfunkstudio, das er nicht kannte

Nach seiner Zeit in New York habe sich Fritsch mit "Entschlossenheit und Vehemenz" auf das Genre Hörspiel gestürzt. Zwar sei aus Fritschs Berichten über seine Zeit in New York immer wieder klar geworden, dass er sich nur schwer von seinem La-MaMa-Theater und den USA getrennt habe, aber weil er mit seinen Hörspielen sehr schnell sehr erfolgreich wurde, habe er klar gesagt, dass er nie das Bedürfnis verspürt habe, Ausflüge in andere Felder unternommen zu haben. "Es gibt kaum ein Rundfunkstudio Deutschlands, das er nicht persönlich gekannt hat - aber immer von seiner Homebase Österreich aus." 

Als eines der entscheidenen Merkmale seines Stils und seiner Arbeit nennt Klein Fritschs Arbeitsüberzeugung: "Er war zunächst ästhetisch völlig unbestechlich. Er war unkorrumpierbar. Er hatte ein absolut sicheres Gehör für falsche Töne." 

Fritsch dramatisierte u.a. Krimis von Heinrich Steinfest und bearbeitete Texte und Romane von Marie von Ebner-Eschenbach und wurde vielfach für seine Arbeiten ausgezeichnet.

Mehr zum Thema

Hörspiel - Fremd in Wien
(Deutschlandfunk, Hörspiel, 17.10.2017)

Mitternachtskrimi - Mariaschwarz (1/2)
(Deutschlandfunk, Hörspiel, 18.05.2013)

Mitternachtskrimi - Mariaschwarz (2/2)
(Deutschlandfunk, Hörspiel, 25.05.2013)

Mitternachtskrimi - Das ewige Leben (2/2)
(Deutschlandfunk, Hörspiel, 20.10.2012)

Mitternachtskrimi - Das ewige Leben (1/2)
(Deutschlandfunk, Hörspiel, 13.10.2012)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsGedanken zur Europawahl
Menschen in der EU mit vielen verwirrenden Pfeilen die in unterschiedliche Richtungen zeigen PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xLeexWoodgatex 11780046 People in the EU with many confusing arrows the in Different Directions show PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright xLeexWoodgatex 11780046  (imago stock&people)

1989 habe in Osteuropa keiner geglaubt, dass die Demokratie jemals wieder in Frage gestellt werden könnte, sagt Herta Müller im Interview mit der „FAZ“. Die „taz“ hingegen fragt: „Müssen wir erst scheitern, um Europa noch zu retten?“Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 14Der Stoff, aus dem der Osten ist
Szene aus "Düsterbuschs City Lights" am Theater Magdeburg (Theater Magdeburg)

Von einer Magdeburg-Reise kommen wir mit Fragen zurück: Welche Themen interessieren 30 Jahre nach dem Mauerfall das Publikum in den neuen Bundesländern? Muss man hier anders Theater machen? Und warum fallen Kritiken oft anders aus als Zuschauerreaktionen?Mehr

Folge 13Konfetti und Konflikte
Bühnenbild von Katrin Brack für „Immer noch Sturm“ am Thalia Theater Hamburg (Armin Smailovic)

Konfetti, Nebel und Schaumstoffquader: In Folge #13 des Theaterpodcasts schauen wir auf die Bühnenbilder von Katrin Brack und fragen am Beispiel der Bühnen Halle, wie viel Experimente das Stadttheater verträgt.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur