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Fazit / Archiv | Beitrag vom 13.08.2018

Zum Tod von Götz FritschEin absolut sicheres Gehör für falsche Töne

Moderation: Sigrid Brinkmann

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Regisseur Götz Fritsch (picture-alliance/ dpa/ Jörg Carstensen)
Der Hörspiel-Regisseur Götz Fritsch im Jahr 2006 (picture-alliance/ dpa/ Jörg Carstensen)

Er stammte aus Berlin, studierte in Wien, war Theaterregisseur und später passionierter Hörspielmacher: Götz Fritsch. Nun ist er im Alter von 75 Jahren gestorben. Der Ö1-Chef Peter Klein spricht vom "Hörspiel-Kosmos des Götz Fritsch".

"Ich kannte keinen, der so intensiv und so gut mit Schauspielerinnen arbeiten konnte wie Götz Fritsch", sagt Peter Klein, ehemaliger Hörspiel-Redakteur beim Kultursender des Österreichischen Rundfunks, Ö1, über seinen langjährigen Kollegen. "Ich habe ihm oft im Studio über die Schulter geschaut und wenn er dann beim neunten oder zwölften Take war, habe ich mir gedacht 'Götz, um Gottes Willen, lass sie, das wird nichts mehr und quäl die Leute nicht', aber er hatte ein untrügliches Gespür dafür, was noch geht und was noch zu holen ist", beschreibt Klein - inzwischen Ö1-Programmchef - die Zusammenarbeit mit dem Hörspielregisseur. Fritsch habe einen "Hörspiel-Kosmos" geschaffen. 

Im Zentrum stand die Arbeit mit den Schauspielern

Fritsch war am Wochenende wenige Monate nach seinem 75. Geburtstag einer langen, schweren Krankheit erlegen. 1967 hatte er zu den Gründern des Wiener Cafétheaters gehört und war später in die USA gegangen. Nach einigen Jahren am Theater dort - etwa am La MaMa in New York - war er zurückgekehrt und hatte sich sehr schnell und intensiv dem Genre Hörspiel zugewandt. Im Lauf von mehr als viereinhalb Jahrzehnten produzierte er weit mehr als 300 Stücke.

"Im Zentrum seiner Arbeit, egal ob er Stücke von Fredericke Mayröcker oder Wolf Haas oder von Jura Soyfer oder von Christa Wolf inszeniert hat, stand immer die Arbeit am Text mit den Schauspielerinnen - das ist wohl die verbindende Klammer im Gesamtschaffen von Götz Fritsch", sagt Klein über die Arbeit Fritschs.

Kaum ein Rundfunkstudio, das er nicht kannte

Nach seiner Zeit in New York habe sich Fritsch mit "Entschlossenheit und Vehemenz" auf das Genre Hörspiel gestürzt. Zwar sei aus Fritschs Berichten über seine Zeit in New York immer wieder klar geworden, dass er sich nur schwer von seinem La-MaMa-Theater und den USA getrennt habe, aber weil er mit seinen Hörspielen sehr schnell sehr erfolgreich wurde, habe er klar gesagt, dass er nie das Bedürfnis verspürt habe, Ausflüge in andere Felder unternommen zu haben. "Es gibt kaum ein Rundfunkstudio Deutschlands, das er nicht persönlich gekannt hat - aber immer von seiner Homebase Österreich aus." 

Als eines der entscheidenen Merkmale seines Stils und seiner Arbeit nennt Klein Fritschs Arbeitsüberzeugung: "Er war zunächst ästhetisch völlig unbestechlich. Er war unkorrumpierbar. Er hatte ein absolut sicheres Gehör für falsche Töne." 

Fritsch dramatisierte u.a. Krimis von Heinrich Steinfest und bearbeitete Texte und Romane von Marie von Ebner-Eschenbach und wurde vielfach für seine Arbeiten ausgezeichnet.

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