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Kompressor | Beitrag vom 28.12.2015

Zum Tod von Ellsworth KellyVom Eigensinn eines "Raumkünstlers"

Carsten Probst im Gespräch mit Timo Grampes

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Der amerikanische Künstler Ellsworth Kelly präsentierte 2000 im Bonner Kunstmuseum "The Early Drawings", seine in Paris zwischen 1948 und 1955 entstandenen Werke. (dpa / picture alliance / Roland Scheidemann)
Ellsworth Kelly (1923−2015), hier bei einer Ausstellung 2000 in Bonn (dpa / picture alliance / Roland Scheidemann)

Der US-amerikanische Maler Ellsworth Kelly ist tot. Berühmt wurde er durch klare, geometrische Flächen und starke Farben. Doch die Inspiration für sein Schaffen kam aus der Natur, sagt der Kunstkritiker Carsten Probst: Schon als Kind habe Kelly Vogelstudien betrieben.

Der Maler und Bildhauer Ellsworth Kelly, einer der einflussreichsten US-Künstler des 20. Jahrhunderts, ist am Sonntag gestorben. Er wurde 92 Jahre alt. Kelly galt als einer der Hauptvertreter des sogenannten "Hard Edge": abstrakte Darstellungen mit klaren Linien und wenigen, stark akzentuierten Farben.

Mit der Stilrichtung des "Hard Edge" hätten Kelly und andere Künstler eine Gegenposition zum "abstrakten Expressionismus" im Sinne von Jackson Pollock bezogen, so Kunstkritiker Carsten Probst im Deutschlandradio Kultur:

"Sie wollten eben eine ganz klare, reduzierte Malerei haben. Das Gehabe von Jackson Pollock war ihnen viel zu wild, viel zu anarchisch. Sie wollten etwas Bescheidenes machen. Sie haben das extrem reduziert und Farbfelder gemalt, die nicht unbedingt alle quadratisch sein mussten. Aber eben 'hard edge', ganz klar gegeneinander abgegrenzt."

Roter Faden: Naturstudien

Der rote Faden in Kellys Werk seien außerdem Naturstudien gewesen, sagte Probst. Damit habe er bereits in früher Kindheit begonnen, angeleitet von seiner Großmutter. In der ländlichen Region seiner Heimat habe er Vogelstudien betrieben. Man müsse sein Werk als das Werk eines "Raumkünstlers" betrachten:  

"Er hat, wie man dann auch später in den 50er-Jahren sehen kann, beispielsweise versucht, Wasser in geometrische Formen aufzulösen. Er hat immer wieder versucht, Räume zu schaffen, die wir aus der Naturerfahrung kennen: Mit Farben, die abstrakt wirken, aber eigentlich realistische Vorbilder haben. Und das zieht sich − auch wenn wir es in seinem Spätwerk mit diesen sehr geometrischen Formen auf den ersten Blick nicht mehr so genau erkennen − durch sein gesamtes Lebenswerk. Auch durch die Skulpturen hindurch."

Bewusste Absetzung

Kelly sei ein Künstler gewesen, der sich ganz bewusst von den Einflüssen seiner Zeit abgesetzt habe, meinte Probst:

"Er musste sich allerdings auch nicht groß absetzen − mit dieser Art von Landschaftsmalerei, an Mondrian orientiert, hat er sein ganz eigenes Ding gemacht. Und das zeichnet ihn auch als Person aus."

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