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Tonart | Beitrag vom 20.02.2017

Zum Tod von Clyde StubblefieldDer funky Drummer

Von Klaus Walter

James Brown bei einem Auftritt in Saint Ouen, Frankreich, 1973. (imago)
James Brown bei einem Auftritt in den 70er-Jahren. (imago)

Fünf Jahre spielte Clyde Stubblefield in der Band von James Brown Schlagzeug. Doch lange danach wurde er eine unbekannte Berühmtheit. Sein Schlagzeug-Solo im Stück "Funky Drummer" gehört zu den meistgesampelten Stücken der Musikgeschichte. Jetzt ist Stubblefield im Alter von 73 Jahren gestorben.

"Ain't it funky?", fragt James Brown. Eine ziemlich blöde Frage. Klar ist das funky. Mehr funky geht kaum, und weniger Aufwand geht kaum. Ein Schlagzeug, ab und zu mal ein Gitarrenlick und sonst nichts. Nur James Brown mit seiner Frage und seinem leicht irren Lachen.

"Funky Drummer" heißt dieses Stück, und da ist drin, was draufsteht: ein funky Schlagzeug. Als Interpret des Stücks gilt James Brown, der "Funky Drummer" erscheint im März 1970 als Single und erreicht Platz 51 der Pop-Charts. Aber wer spielt denn nun dieses funky Schlagzeug?

"I'm Clyde Stubblefield, the Original Funky Drummer as they say… I played with James Brown from 1965 to 1970."

Clyde Stubblefield heißt der Mann, sie nennen ihn den Original Funky Drummer. In dieser Funktion war er bei James Brown in der Band von 1965 bis 1970. Und er spielte Schlagzeug auf einigen der größten Hits des Godfather of Soul:

"I played on 'Give it up turnit a loose', 'I´m Black and Proud', 'Cold Sweat'…"

Zweite Karriere dank Sampling

Aber, der größte Moment des Funky Drummer Clyde Stubblefield war "Funky Drummer". Für James Brown-Verhältnisse war die Single eher ein Flop. Aber der "Funky Drummer" macht eine sagenhafte zweite Karriere. Dank einer neuen Technologie, von der 1970 noch kein Mensch etwas ahnt, schon gar nicht Clyde Stubblefield.

Der Name der Technologie ist Sampling und sie revolutioniert Ende der 1970er-Jahre die Pop-Musik. Und kein Stück Pop-Musik wird so häufig gesamplet wie der "Funky Drummer" von James Brown oder besser gesagt: der Funky Drummer von Clyde Stubblefield. Der wird zum rhythmischen Fundament von ungezählten Tracks des frühen HipHop.

Von Public Enemy zu Big Daddy Kane, von NWA ("Fuck tha police") zu Kool G. Rap, von Roxanne Shanté zu LL Cool J.

Ohne "Funky Drummer" kein HipHop, wie wir ihn kennen. Aber nicht nur afroamerikanische Musiker haben diesen Track gesamplet. Auch die irische Schmerzensmadonna Sinead O Connor verwendet die Trommelschläge des Clyde Stubblefield.

Und der "Funky Drummer” wird nicht nur tausendfach gesamplet, er wird auch zitiert, variiert oder leicht modifziert nachgespielt. Das prominenteste Beispiel: Die englische Band The Stone Roses baut 1989 auf der Grundlage des "Funky Drummers" einen der größten Hits der Rave-Ära.

"I never saw a penny"

Immer wieder der Funky Drummer. Der Erfinder dieser Trommelschläge müsste eigentlich ein reicher Mann sein.

"I never saw a penny."

Keinen Penny hat Clyde Stubblefield gesehen von all den Leuten, die Hits hatten mit seinem "Funky Drummer", mit einer Ausnahme:

"Melissa Etheridge."

Von Melissa Etheridge gab es dann doch ein paar Dollar. Dass Clyde Stubblefield trotz der enormen Spätwirkung seines Funky Drummer als armer Mann gestorben ist, hat zwei Gründe: Erstens ist die finanzielle Vergütung von gesampleten Tonschnipseln in den USA erst seit 2005 juristisch geregelt. Und zweitens profitiert davon seitdem James Brown, bzw seine Erben. James Brown fungiert nämlich offiziell als Komponist des "Funky Drummer".

Prince bezahlt Stubblefields Therapiekosten

Clyde Stubblefield wurde seinerzeit für seine Teilnahme an der Aufnahme-Session bezahlt und das war's. Ein Treppenwitz der Musikgeschichte.

Auch Prince gehört zu denen, die vom Funky Drummer profitierten. Aber er hat sich revanchiert. Seit Clyde Stubblefield vor 15 Jahren eine Krebsdiagnose bekam, hat Prince Behandlungskosten von insgesamt 90.000 Dollar übernommen. Ein knappes Jahr nach dem frühen Tod von Prince ist der Original Funky Drummer vorgestern gestorben, er wurde 73 Jahre alt.

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