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Tonart | Beitrag vom 01.03.2019

Zum Tod von André PrevinDer Weltenbummler zwischen "E" und "U"

Olaf Wilhelmer im Gespräch mit Matthias Mauersberger

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André Previn dirgiert während eines Konzertes beim Luzern Festival im September 2004. (picture-alliance / dpa / Keystone / Flueeler)
Dirigent, Pianist und Komponist André Previn (1929-2019) während eines Konzertes beim Luzern Festival 2004 (picture-alliance / dpa / Keystone / Flueeler)

Er gewann vier Oscars, zehn Grammy Awards und den Kennedy-Preis für sein Lebenswerk. André Previn war ein virtuoser Wandler zwischen der Ernsten und der Unterhaltungsmusik und passte in keine Schublade. Nun ist er im Alter von 89 Jahren gestorben.

Die Anzahl der Preise, die André Previn im Laufe seines Lebens erhielt, ist immens. Die wichtigsten waren seine vier Oscars, zehn Grammy Awards – und für sein Lebenswerk erhielt er den Kennedy-Preis. Am gestrigen Donnerstag ist er im Alter von 89 Jahre gestorben.

"Humorvoll im Leben, aber immer ernsthaft in der Musik", so fasst Musikwissenschaftler Olaf Wilhelmer das Wirken von André Previn zusammen. Er war ein großer Dirigent, der Musik auch immer als Entertainment begriffen habe, ein Musiker für alle Gelegenheiten und immer mit großer Hingabe unterwegs. Und so kam es, dass er "für Frank Sinatra Klavier und gegen Arnold Schönberg Tischtennis gespielt" habe, wie er in seinen Memoiren zusammenfasst. 

Filmmusik als Zeitvertreib

André Previn war immer im Geschäft der Filmmusik unterwegs. Originale Musiken, wie "My Fair Lady" von ‎Frederick Loewe oder George Gershwins "Progy and Bess" habe er gekonnt für den Film eingerichtet. Hier zeigte sich sein handwerkliches Können im Umgang mit den unterschiedlichen Medien. Eigene Filmmusiken, die er komponiert hat, so wie zum Billy Wilders Film "Eins, Zwei, Drei" zeichnen sich durch ihre Zurückhaltung aus, so Olaf Wilhelmer. Seine Filmmusiken seien immer illustrativ gewesen, dem Bild dienen. "Ich glaube nicht, dass er darin das Wesen seines Werkes gesehen hat. Das war für ihn Broterwerb und auch Zeitvertreib."

Von Hollywood zum Jazz

Während der Arbeit in Hollywood kam er automatisch mit den großen Künstlern in Kontakt, die gerade ihre große Phase der Musikfilme hatten. Sein großes pianistisches Können kam Größen wie Frank Sinatra oder Ella Fitzgerald zugute. Und so wurde er auch als Jazz-Musiker wahrgenommen.

Oft wurde er mit Leonard Bernstein verglichen, der wie Previn in Amerika und in Europa tourte und Einladungen großer Orchester folgte. Previn war viele Jahr Chef des London Symphony Orchestra und brachte hier eine große Vielfalt in die Programme, so Wilhelmer. Auch hier war es wieder das "Handwerk", das Previn auch als Dirigent beherrschte und ihn für Orchester in Europa attraktiv machte.

Previns Wahrnehmung in der Presse

Olaf Wilhelmer stellt ein großes Versäumnis des deutschen Musikjournalismus fest. "Vor allem fiel da der boulevardeske Einschlag auf." Previn war zuletzt mit der Geigerin Anne-Sophie Mutter verheiratet und wurde in einem "sehr problematischen Spiegel-Artikel", wie Wilhelmer ihn bezeichnet, als "Mister Mutter" bezeichnet. "Das war humorvoll gemeint. Aber eigentlich hätte man Mutter als Misses Previn titulieren müssen, denn er war es, der viel mehr als Mutter gemacht hatte." Er habe aber eben in keine Schublade gespasst. Und deshalb habe sich das Feuilleton immer schwer mit ihm getan, meine Wilhelmer. "Vielleicht gibt es postum die Möglichkeit, einiges wieder gut zu machen."

(cdr)

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