Seit 01:05 Uhr Tonart

Montag, 23.09.2019
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Kompressor | Beitrag vom 16.05.2019

Zum Tod des Satirikers Wiglaf Droste"Das Glatte und Gefällige mochte er nicht"

Rayk Wieland im Gespräch mit Gesa Ufer

Beitrag hören Podcast abonnieren
Wiglaf Droste trägt Hut und seine Brille steckt zusammengefaltet in seiner Jacke. Er lacht und schaut an der Kamera vorbei. (Imago / Hubert Jelinek)
Wiglaf Droste, verstorben am 16. Mai 2019 (Imago / Hubert Jelinek)

Grober Ton und feiner Stil: Der verstorbene Satiriker Wiglaf Droste war ein scharfer Polemiker, sagt der Journalist Rayk Wieland - und dabei hochkomisch und lebenslustig.

Der Autor, Lyriker und Sänger Wiglaf Droste ist im Alter von 57 Jahren gestorben. Droste habe Satire immer mit politischen Interessen und Überzeugungen verbunden, sagt der Kulturjournalist Rayk Wieland. 

Das Glatte, Gefällige und Unterhaltende habe er nicht gemocht. Im Unterschied zu den heutigen Comedians sei Droste ein "sehr, sehr scharfer unversöhnlicher Polemiker" gewesen. Eine "sehr feine Nase für Opportunismus, für Betulichkeiten, für Verschwurbeltes" habe ihn ausgezeichnet.

Den sinnlichen Freuden zugewandt

Wieland betont zugleich die große Lebenslust des verstorbenen Gesellschaftskritikers, dessen Lesungen "hochkomische, lebendige Veranstaltungen" waren. 

Bei aller Polemik habe sich Droste auch gern den sinnlichen Freuden des Lebens sehr zugewandt. Wieland nennt ihn einen "barocken Autor" und zitiert dessen Gedicht "Lebenswunsch":

"Immer ein Glas, das richtig gut schmeckt.
Dabei niemals blöde strunkelig sein.
Schön singen. Küssen! Dann wieder: Wein.
Und vom Leergut leben. Das wär perfekt."

Zuletzt sei Droste aber etwas aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden. "Er wusste nicht mehr genau, wo er publizieren konnte", so Wieland.

(huc)

Mehr zum Thema

Musik und Spiritualität - Das ästhetische Grauen des Sakropop
(Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 24.05.2017)

Coverversionen von "Hotel California" - "Ich weiß nicht, ob die auf Drogen waren"
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 19.01.2016)

Interview mit Wiglaf Droste - Der Westfale, das sture, aber sympathische Wesen?
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 28.08.2015)

Fazit

Zum Tod von Sigmund JähnDer Kosmonaut der Herzen
Sigmund Jähn, früherer Kosmonaut und erster Deutscher im Weltall, steht im Kosmonautenzentrum in Chemnitz vor dem Modell des Raumschiffes Mir. Jähn besuchte die Einrichtung aus Anlass des 40. Jahrestages der Namensgebung Kosmonautenzentrum "Sigmund Jähn". (Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa)

"Ein unglaublicher Brückenbauer" sei Sigmund Jähn gewesen, sagt Raumfahrt-Experte Dirk Lorenzen über den deutschen Raumfahrt-Pionier, der nun im Alter von 82 Jahren gestorben ist. In der Bundesrepublik hätte Jähn mehr gewürdigt werden müssen.Mehr

Solidaritätslesung für HongkongJeder ist die Revolution
Die Künstlerin Alice Kahei Yu aus Hongkong sitzt hinter einem Blumenstrauß auf dem Pflaster, sie trägt eine Sonnenbrille und auf ihrem Pullover steht "Steht Hongkong bei" (Tomas Fitzel)

Die Proteste in Hongkong gegen den wachsenden Einfluss der chinesischen Regierung finden weltweite Aufmerksamkeit und Unterstützung. In Berlin organisierte die deutsche Sektion der Schriftstellervereinigung P.E.N. eine spontane Solidaritätslesung.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur