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Fazit | Beitrag vom 23.05.2019

Zum Tod der Autorin Judith Kerr"Rosa Kaninchen" war Wiederannäherung an Deutschland

Ute Wegmann und Caroline Link im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Das Bild zeigt die Autorin und Illustratorin Judith Kerr. (imago / Tagesspiegel / Mike Wolff)
Für ihr Buch "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" erhielt Judith Kerr 1974 den deutschen Jugendliteraturpreis. (imago / Tagesspiegel / Mike Wolff)

Ihr Jugendroman "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" prägte eine ganze Lesegeneration in Deutschland. Das Buch über eine Flucht aus Nazideutschland trug autobiografische Züge – und hatte auch für die nun verstorbene Judith Kerr selbst große Bedeutung.

Der "Türöffner wieder nach Deutschland" sei ihr Buch "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" für die Autorin und Illustratorin Judith Kerr gewesen, sagte die Journalistin Ute Wegmann im Deutschlandfunk Kultur. Als das Buch 1974 den deutschen Jugendliteraturpreis erhielt, wurde Kerr nach Deutschland eingeladen, außerdem wurde eine Schule nach ihr benannt. "Das ist für sie ein ganz wichtiger Moment gewesen, weil sie da gespürt hat, wie man ihr begegnet", sagte Wegmann, die Judith Kerrs Autobiografie "Geschöpfe" aus dem Englischen ins Deutsche übersetzte. 

Gespräche mit dem verstorbenen Vater

Die Nationalsozialisten hatten Judith Kerr und ihre Familie 1933 aus Deutschland vertrieben. Da war sie neun Jahre alt – und Großbritannien wurde zu ihrer zweiten Heimat. Besonders wichtig sei es für sie gewesen, den nachfolgenden Generationen zu vermitteln, dass sie keine Schuld empfinden sollen. Das Buch habe für Kerr eine große Bedeutung gehabt. "Es war sozusagen wieder ein Schritt von Judith Kerr zurück nach Deutschland, eine Kontaktaufnahme, Freunde zu finden hier."

Judith Kerr habe die Gabe gehabt, nach vorne zu sehen. Das habe auch daran gelegen, dass ihre Emigration nach Großbritannien "eine positive Fluchtgeschichte" gewesen sei, sagte Wegmann. Über ihren Vater, den Schriftsteller und Theaterkritiker Alfred Kerr, habe sie gesagt, er hatte das Talent, glücklich zu sein. Das habe sie von ihm geerbt, so die Kerr-Übersetzerin. Mit ihrem verstorbenen Vater habe sie ein Leben lang Kontakt gehalten – durch Gespräche in ihrem Kopf.

Weitergehen trotz Verlust

Die deutsche Regisseurin Caroline Link hat gerade die Verfilmung des Buches "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" abgeschlossen. Sie habe das Buch als Mädchen und jetzt noch einmal als erwachsene Frau gelesen, sagte Link im Deutschlandfunk Kultur.

Was sie fasziniert habe sei die Atmosphäre des Buches, die sie auch im Film habe einfangen wollen. "Dieses tapfere Weitergehen, dieses Positive, was ihr Vater ihr vermittelt hat, es lohnt sich immer, nach vorne zu schauen. Das hat mich sehr gerührt beim Lesen."

Das Thema, bei einem Verlust trotzdem weiterzugehen, sei nun der rote Faden im Film. Dieser soll um Weihnachten herum in die deutschen Kinos kommen. "Es wäre ein ganz großer Wunsch von mir gewesen, diesen Film der Judith Kerr zu zeigen", so Link.

(rit)

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