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Konzert / Archiv | Beitrag vom 13.02.2021

Zum Gedenken an den 13. Februar 1945 Mit Bach die Erinnerung an Dresdens Zerstörung bewahren

Moderation: Stefan Lang

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Das Schwarz-weiß-Foto vom 30.07.1956 zeigt einen Blick über die zerstörte Altstadt zur Semperoper vom Rathausturm aus. (IMAGO / Frank Sorge)
Dresdens Innenstadt war auch 1956 noch stark von den Zerstörungen der Bombardierung am 13. Februar 1945 gezeichnet. (IMAGO / Frank Sorge)

Victor Klemperer schrieb 1945 in seinem Tagebuch: "Am Abend des 13. Februar brach die Katastrophe über Dresden herein". Mit trostreicher Musik des Dresdner Hofkompositeur Johann Sebastian Bach gedenkt die Sächsische Staatskapelle in der Semperoper dieses Tages.

"Die Bomben fielen, die Häuser stürzten, der Phosphor strömte, die brennenden Balken krachten auf arische und nichtarische Köpfe…", so beschreibt Victor Klemperer in seinem Tagebuch das Inferno des 13. Februars 1945. Die Innenstadt von Dresden wurde durch Luftangriffe der Briten fast vollständig zerstört. Der im sechsten Jahr stehende, Millionen Menschenleben verschlingende Krieg hatte Dresden mit all seinen Auswüchsen erreicht – wenige Wochen vor dem Ende, einige Tage nach der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwnitz. 

An diesem Tag wird die Erinnerung an die Katastrophe erneuert – heute mit einem Konzert der Staatskapelle Dresden unter Philipp Herreweghe. Ein Konzert, das Versöhnung und Mahnung zum Inhalt hat. Ein Hoffen auf ein Leben in friedlicher Gemeinschaft ist auch Botschaft der Musik von Johann Sebastian Bach, der lange um die Gunst der Dresdner Hofes rang.

Nach der Veröffentlichung seiner "Goldberg-Variationen" wurde ihm der Titel 1736 endlich zugesprochen. Ab diesem Tag durfte er sich "königlich polnischer und kurfürstlich sächsischer Compositeur bey Dero Hoff-Capelle" nennen.

Tradition für die Erinnerung

Die Aufführungen der Sächsischen Staatskapelle am Dresdner Gedenktag sind inzwischen eine jahrzehntelange Tradition. 1951 dirigierte Rudolf Kempe mit der "Messa da Requiem" von Giuseppe Verdi zum ersten Mal ein Requiem an diesem Tag, um der Bombardierung Dresdens zu gedenken. Seither spielt die Staatskapelle alljährlich für die Erinnerung.

Komponierte Tränen

Der Abend wird mit der Sinfonia zur Kantate "Ich hatte viel Bekümmernis" eröffnet. Hier wirken die absteigenden Bässe wie ein Hinabsteigen in sich selbst – die Sekundschritte als Bild eines Tränenstroms. Die Oboe mahnt hier zur Nachdenklichkeit. 

Im Anschluss wird in der Kantate "Ich habe genug" friedvolle Todessehnsucht offenbart. Geradezu sanft wird die Nähe des Todes als die des erlösenden Schlummers gezeichnet. Reue, Vergebung und Erlösung von Sünden führen zur Erlösung nach aller Mühsal des Lebens. Auch die Kantate "Mein Herze schwimmt in Blut" gleicht einer Meditation über Reue und Vergebung.

Aufzeichnung vom 12.02.2021 in der Semperoper Dresden

Johann Sebastian Bach

Sinfonia zur Kantate "Ich hatte viel Bekümmernis", BWV 21
Kantate "Ich habe genug", BWV 82 
Sinfonia zur Kantate "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen", BWV 12 
Kantate "Mein Herze schwimmt in Blut, BWV 199

Dorothee Mields, Sopran
Krešimir Stražanac, Bassbariton

Sächsische Staatskapelle Dresden
Leitung: Philippe Herreweghe

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