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Kompressor | Beitrag vom 24.06.2020

Zum Ende der Segway-RollerByebye, du peinliches Spielzeug

Nikolaus Bernau im Gespräch mit Timo Grampes

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Zwei Beine auf zwei Rädern: Nahaufnahme eines Segway-Rollers. (mago images / Panthermedia)
"Wie auf einem Rasenmäher" fühle sich das Fahren auf einem Segway-Roller an, findet Nikolaus Bernau. (mago images / Panthermedia)

Sie waren unförmig, schwer und viel zu teuer: Anders als mancher Tourist, weint unser Designkritiker Nikolaus Bernau dem Ende der Segway-Produktion keine Träne nach. Eine gute Sache von ihnen wird jedoch bleiben.

Sie könnten erfolgreicher werden als der PC: Apple-Gründer Steve Jobs hat den Segway-Rollern eigentlich eine glorreiche Zukunft vorausgesagt. Doch es ist anders gekommen: Mitte Juli soll die Produktion der Roller im US-amerikanischen Werk nach fast 20 Jahren eingestellt werden.

Macht gar nichts, findet unser Architektur- und Designkritiker Nikolaus Bernau: "Die Segways waren nur bei Touristen beliebt, die irgendwie Paris, Madrid, Barcelona, Berlin unsicher gemacht haben." Und das auch noch im "Rudel, das meist die ganze Straße blockierte".

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Segways seien Fahrzeuge, die von allen anderen Verkehrsteilnehmern "zutiefst gehasst" würden. Sie seien auch kaum zu etwas gebrauchen gewesen – weder zum Einkaufen noch um anderen Menschen mitzunehmen.

Das größte Problem aber: Es sei "unsäglich peinlich, mit diesem Teil rumzufahren", meint Bernau. Man werde überall angestarrt – ähnlich wie es Kevin James in dem Film "Der Kaufhaus Cop" ergangen sei.

20 km/h schnell und 50 Kilogramm schwer

Wenn man auf so einem Gefährt stehe, "dann verformt man quasi das optische Gesicht der Straße völlig". Es sei, "als wenn man einen Rasenmäher bewegt und gleichzeitig auf dem Rasenmäher draufsteht".

Natürlich habe es auch Fans gegeben, sagt Bernau. Einen praktischen Nutzen hätten Segways vor allem für Menschen gehabt, die in riesigen Lagerhallen arbeiten würden. Mit den knapp 20 Kilometern pro Stunde könne man sich dort sehr schnell bewegen. In den Hallen spiele es auch keine Rolle, dass das Gerät mit 50 Kilogramm kaum getragen werden könne.

Mehr als 1000 Patente

Außerdem seien sie immer viel zu teuer gewesen – zwischen 8.000 und 10.000 Euro, sagt Bernau. Auch bei Ordnern von Demonstrationen seien die Segways beliebt gewesen, ebenso bei Polizisten – zumindest wenn man US-amerikanischen Filmen glaube – und bei Politikern.

Es gibt jedoch auch etwas Positives an den Rollern: Die Segway-Produktion hätte viel geleistet bei der Entwicklung von Instrumenten zur Sitzbalancierung – dazu gebe es mittlerweile mehr als 1000 Patente:

"Das ist natürlich wirklich eine ganz große Entwicklung gewesen", sagt Bernau. "Das wird bleiben. Ansonsten ist das eben ein Spielzeug gewesen, das nun einfach vom Markt verschwindet."

(sed)

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