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Studio 9 | Beitrag vom 20.07.2018

Zum 80. Geburtstag von Diana RiggMit Schirm, Charme und Selbstbewusstsein

Von Friedbert Meurer

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Die Schauspielerin Diana Rigg als Geheimagentin "Emma Peel" mit "John Steed", gespielt von Patrick Macnee. (imago/United Archives)
Die Schauspielerin Diana Rigg als Geheimagentin "Emma Peel" mit "John Steed", gespielt von Patrick Macnee, 1965 in "Mit Schirm, Charme und Melone". (imago/United Archives)

Klug, schön, sexy: Als Emma Peel aus der Serie "Mit Schirm, Charme und Melone" wurde Diana Rigg zum Star. Bereits in den 60ern wandte sie sich gegen die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen. Ihren 80. feiert sie – wo sonst – auf der Bühne.

Zwei britische Agenten, Diana Rigg und Patrick Macnee, waren in den 60er-Jahren das, was man heute Kult nennt. Macnee löste seine TV-Fälle im Stil eines britischen Gentleman mit Grips und Bowler-Hut. Diana Rigg wurde als die Agentin an seiner Seite weltberühmt.

"Good morning, Mrs Peel!" "Good morning, Steed. The door is open." Die britische Fernsehserie "The Avengers" machte die Tür auf für einen neuen, modernen Frauentyp. Emma Peel war im Stil der Swinging Sixties gekleidet und keine Frau, die sich an einen starken Mann anlehnt, sondern die mit Intellekt, Witz und Karateschlägen jedem Gegner Paroli bot.

"Sie war ihrer Zeit voraus", sagt Diana Rigg über die Rolle, mit der sie berühmt wurde. "Emma Peel war äußerst klug, fähig, witzig, sexy. Ich mochte das."

Sex-Ikone der 60er-Jahre

Der Titel der deutschen Fassung ab 1965 spielte mehr mit den englischen Klischees und hieß "Mit Schirm, Charme und Melone". Großbritannien galt in den 60er-Jahren für junge Leute im eher spießigen und biederen Deutschland als Vorbild, und dann kam noch diese starke Frauenfigur dazu.

"We haven't met before, have we, Mrs Peel? No, I only arrived yesterday." Diana Rigg alias Emma Peel wurde in ihren schwarzen Leder-Catsuits und den weißen Schuhen aber auch zur Sex-Ikone der 60er-Jahre. Damals wirkte das Kleidungsstück emanzipiert, als Abkehr vom typischen Frauenbild. "Auf einmal sind Sie auf der ganzen Welt berühmt. Das ging mir zu weit. Ich wollte kein Sex-Symbol sein. Ich war doch in Yorkshire aufgewachsen."

Diana Rigg am 10.6.2018 bei der Verleihung der Tony Awards in New York. (imago / Future Image)Diana Rigg am 10.6.2018 bei der Verleihung der Tony Awards in New York. Auch mit 80 steht sie noch auf der Bühne, sogar an ihrem Geburtstag. (imago / Future Image)

Das als etwas rückständig geltende Yorkshire in Nordengland hat Diana Rigg geprägt. Die strengen Eltern hätten sie nie gelobt, und dann besuchte sie auch noch ein Internat, das von Quäkern geleitet wurde. Die raue Erziehung machte Diana Rigg aber auch widerstandsfähig. Sie stellte schnell fest, dass ihr Filmpartner Patrick Macnee alias John Steed viel besser als sie bezahlt wurde. Das brachte sie auch schnell zur Sprache – und verließ nach zwei Staffeln schon wieder die "Avengers". Das wirkt wie ein frühes Vorspiel zu heute zur Gehälteraffäre bei der BBC.

Von Anfang an den Männern ebenbürtig

Diana Rigg kehrte 1967 wieder zur Royal Shakespeare Company auf die Bühne zurück. Aber immer wieder nahm und nimmt sie weiter Rollen beim Film und im Fernsehen an. Für die jüngere Generation ist nicht die berühmte Agentin Emma Peel, sondern die mächtige und hintertriebene "Queen of Thorns", die Dornenkönigin, in der Fantasy-Reihe "Game of Thrones".

Rigg wundert sich, dass sie in dieser Rolle, in der sie grausam und hinterlistig agiert, so beliebt beim Publikum ist. Aber auch hier in "Game of Thrones" wie bei Emma Peel am Anfang der Karriere zeigt sich wieder die starke Frauenfigur, die sich den Männern ebenbürtig zeigt und die das Publikum sehen will.Diana Rigg als "Queen of Thorns" in der Fantasy-Serie "Game of Thrones". (imago / ZUMA Press)Diana Rigg als "Queen of Thorns" in der Fantasy-Serie "Game of Thrones". (imago / ZUMA Press)

Auch ihre Rolle als Bond-Girl war anders, sie heiratete James Bond. "The different Bond-Woman. The name is Rigg. Diana Rigg. This one got class and style." Diana Rigg hatte Klasse und Stil, was man George Lazenby 1969 als James Bond-Darsteller nicht attestierte. Auch Rigg hielt den australischen Dressman für keine besonders große Leuchte, sondern für eine Fehlbesetzung.

Diana Rigg wurde von der Queen 1994 zur "Dame des britischen Empire" ernannt. Zurzeit steht sie täglich auf der Musical-Bühne in New York. Auch heute Abend an ihrem 80. Geburtstag in dem Klassiker "My Fair Lady". Sie sei begeistert, sagt Diana Rigg, dass die Leute sich für sie als "alte Schachtel" interessierten. Als Yorkshire-Lady bleibt sie schlagfertig und eine der großen britischen Schauspielerinnen der Gegenwart.

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