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Tonart | Beitrag vom 22.11.2017

Zum 50. von Boris BeckerTennis in der Popmusik

Von Christoph Möller

Boris Becker 1985 in Wimbledon: Sein Tunier-Sieg als jüngster Spieler machte ihn zu einem Superstar. (dpa / picture alliance / Rüdiger Schrader)
Boris Becker 1985 in Wimbledon: Sein Tunier-Sieg als jüngster Spieler machte ihn zu einem Superstar. (dpa / picture alliance / Rüdiger Schrader)

Tennis ist ein Sport, den die Popmusik gerne als Inspiration nimmt. Zum 50. Geburtstag von Boris Becker – irgendwie ja selbst schon Teil der Popkultur – fragt Christoph Möller: Wie klingt Tennis in der Popmusik?

Tennis. Das ist erst mal das, was die anderen machen. Die reicheren. Die, von denen man sich abgrenzen will, wenn man denkt, man sei jung und cool und irgendwie anders. "Ich Wünschte, Ich Würde Mich Für Tennis Interessieren", sangen zum Beispiel Tocotronic hochironisch.

Ein Song aus dem Jahr 1996, dem Jahr, in dem Boris Becker seine letzten großen Turniere gespielt hat. Und eine Meeresschnecke nach ihm benannt wurde: die Bufonaria borisbeckeri.

Natürlich gibt es auch Songs über, - genau, Boris "Bumm-Bumm" Becker selbst. Den Spitznamen "Bumm-Bumm" fand er ja nie so toll. Der Band The Match war das egal, sie sangen über den "all Wimbledon boy" aus Germany, der den Ball in Lichtgeschwindigkeit schlägt - mit einem Schwert aus Eisen, heißt es zumindest im Songtext.

Tennis, das machen doch nur die Erwachsenen. Zum Glück, meinen Deichkind. Denn wer Tennis spielt, der ist garantiert nicht zu Hause. Die minimale Elektronik im Intro erinnert an Geräusche beim Tennisspiel.

So hat es die NDW-Band 08/15 schon 1981 gemacht. Der Sound von "1000 Gelbe Tennisbälle" beschreibt den Sport ganz gut: Es passiert nicht viel, dazu Beifall. Komisch, dass Kraftwerk nie ein Stück über Tennis gemacht haben. Der Minimalismus, einfache Regeln, die ewige Wiederholung. Kein Wunder, dass "Pong", eines der ersten Videospiele, von Tennis inspiriert war. Zwei Balken, ein Ball und dieser Sound.

Tennis und Technik. Ein gutes Match. Dachte sich auch IBM und beauftragte James Murphy vom LCD Soundsystem aus den Daten der US Open 2014 ein Album zu machen. "Algorithmisch generierte Soundscapes", so nannte der Musiker das.

Wie genau aus den Daten Musik wird, bleibt Murphys Geheimnis. Aber man kann sich vorstellen, wie das Klaviermotiv in diesem Stück den Flug eines Tennisballs nachzeichnet.

Tennis – das sind aber auch große Gefühle. In "Tennis Court" singt Lorde über den Tennisplatz als Ort, an dem Gerüchte, Gedanken und Sorgen ausgetauscht werden. Nachts. Während nebenan, im Haus der Eltern, eine Party läuft. Und natürlich gibt es Künstlernamen. DJ Tennis, Tenniscoats, oder einfach nur: Tennis. So hat sich dieses US-Duo genannt:

Leistung und Rhythmus, darum geht es im Tennis. Und ja irgendwie auch in der Popmusik. "Bumm-Bumm-Boris". Jede Ballberührung in 50 Jahren Boris Becker war ja irgendwie auch: ein Beat.

"Ach wie schön, dass es so etwas noch gibt, was das ganze Land liebt.
Bum Bum Boris
Bum Bum Boris
Bum Bum Boris
Bum Bum Boris"

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