An die Zukunft denken

Plädoyer für die Schwarzmalerei

07:38 Minuten
Ein Mann sitzt auf einer Bank, gegen das Licht fotografiert.
Wer Schwarzmalerei betreibt, ist besser auf die Zukunft vorbereitet, glaubt Kulturwissenschaftlerin Eva Horn. © imago / Frank Sorge
Eva Horn im Gespräch mit Nicole Dittmer · 08.03.2022
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Der Kölner Kongress "Erzähl mir etwas Neues!" von Dlf und Dlf Kultur beschäftigt sich mit Zukunftserzählungen. Die Schwarzmalerei sei da kein schlechtes Konzept, sagt die Kulturwissenschaftlerin Eva Horn.
Zukunftsgestaltung funktioniert über Negativität, sagt die Kultur- und Literaturwissenschaftlerin, Eva Horn, Professorin für Germanistik an der Universität Wien und Autorin des Buches "Zukunft als Katastrophe". Eine bestimmte Form von Schwarzmalerei sei nämlich durchaus nützlich, weil sie zurückführe auf das, was wirklich wichtig ist.

Kritik an der Gegenwart

Denn die Schwarzmalerei kritisiere die Gegenwart. "Man muss das Haar in der Suppe sehen und sagen: 'Das und das muss sich ändern!'", so Eva Horn. Zum anderen gebe Schwarzmalerei ein recht gutes Bewusstsein dafür, dass die Zukunft unwahrscheinlich wacklig sei, "dass es sehr schwer ist, die Dinge vorherzusehen".

Wie erzählen wir uns die Zukunft? Im Kölner Kongress 2022 "Erzähl mir etwas Neues!" von Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur gibt es vom 9.3. bis 12.3.2022 zehn Vorträge und ein abschließendes Barcamp zu handwerklichen, literarischen, philosophischen Aspekten der Zukunft des Erzählens in den Medien.

Von 9/11, über die Finanzkrise bis hin zu Corona und dem Krieg in der Ukraine: Immer wieder passieren unvorhergesehen Dinge, die das Leben enorm beeinflussen. "Die Schwarzmalerei ist die Kunst, über Zukunft nachzudenken und gleichzeitig zu wissen, dass man nicht alles weiß und dass nicht alles planbar ist." Diese selbstreflexive Haltung der Schwarzmalerei sei durchaus angemessen.

Schwarzmalerei erzeugt Dinglichkeit

"Das Schöne an der Schwarzmalerei ist, dass sie einen vorbereitet", sagt die Kulturwissenschaftlerin, "was immer dann passiert, ist besser, als man es erwartet hat." Gleichzeitig sei Schwarzmalerei dinglich und bei bestimmten Themen wie Klimaschutz, habe man keine Zeit mehr, diese Themen aufzuschieben.
Manchmal brauche man die Angst, "die dazu führt, dass wir mal den Arsch hochkriegen, dass wir auch harte Entscheidungen fällen in der Politik", sagt Eva Horn.

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