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Wortwechsel | Beitrag vom 23.10.2020

Zukunft der InnenstädteNiedergang oder Neuanfang?

Moderation: Monika van Bebber

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Leeres Ladengeschäft mit geschlossenen, türkisfarbenen Vorhängen im Schaufenster, in der Innenstadt von Tübingen. (imago images / Arnulf Hettrich)
Der Vorhang fällt für immer mehr Geschäfte in den Städten, wie hier in Tübingen. (imago images / Arnulf Hettrich)

Den Einkaufsmeilen der Städte fehlt der Umsatz. Inzwischen hat vielerorts das Ladensterben ein bedrohliches Ausmaß angenommen. Die Pandemie ist dabei nur ein Teil des Problems. Die Citys müssen nicht weniger als sich neu erfinden.

Shopping-Center am Stadtrand, steigende Mieten, Kaufhaussterben – die Innenstädte kämpfen schon länger gegen zunehmenden Leerstand und gegen Verödung. Gerade kleinere Städte mit geringer regionaler oder sogar überregionaler Strahlkraft tun sich schwer. Und jetzt also auch noch Corona. Besser wird es kaum in den kommenden Monaten, solange das Virus die allgemeine Kauflaune trübt. Im stationären Einzelhandel wird ein weiteres Massensterben befürchtet. Der Onlinehandel dagegen boomt. Innenstädte bräuchten einen neuen "Erlebnisfaktor", um dem etwas entgegen zu setzen, fordert die Stadtplanerin Julia Erdmann. Sie seien in den letzten Jahren austauschbar und "banal" geworden.

Citys neu denken

Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Bürger suchen entsprechend nach Konzepten für eine nachhaltige Zukunft der einstmals so attraktiven Einkaufsmeilen. Kreativität ist gefragt. Innenstädte müssen neu gedacht werden. Ideen gibt es viele. Teilweise werden sie auch schon umgesetzt – in Hanau etwa oder in Kopenhagen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Immer geht es darum, in den Citys eine neue Mischung zu finden zwischen Kommerz, Wohnen, Service, Freizeitaktivitäten, öffentlichem Raum, Gastronomie und Kultur.

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"Man kann Innenstadt nicht ohne Kultur denken", sagt der Oberbürgermeister von Neubrandenburg, Silvio Witt. Und zudem wünschten sich die Manschen "Grün und Wasser" in den Innenstädten. Wichtig sei zur Wiederbelebung der Innenstädte vor allem, ist der Stadtsoziologe Marcus Menzl überzeugt, dass Wohnen wieder eine größere Rolle spiele und damit den "Alltag zurückzubringt." Für die Umsetzung neuer Konzepte zur Stadtentwicklung braucht es aber auch die städtebaulichen Voraussetzungen, betont Wuppertals designierter Oberbürgermeister Uwe Schneidewind. In seiner Stadt ließe sich das viel "einfacher realisieren" als in manch anderer.

Verstaatlichung der Innenstädte?

Der Umbau braucht neben politischem Willen und Beharrlichkeit vor allem Zeit. Und er muss finanziert werden. Ist das Sache des Marktes? Oder geht es um eine Art "Verstaatlichung" der Innenstädte? Jedenfalls seien die "Kommunen in der Pflicht", sagt Marcus Menzl, und Silvio Witt unterstreicht die Bedeutung von Städtebauförderung als einem "wichtigen Element".  

Wie lässt sich online und offline auch im Einzelhandel zum gegenseitigen Nutzen besser verzahnen? Welche Konzepte sind nachhaltig, wenn es um die Zukunft der Innenstädte geht? Wie können sie ihre Anziehungskraft als Erlebnis- und Begegnungsräume halten beziehungsweise zurückgewinnen?

Darüber diskutieren:

Prof. Uwe Schneidewind, designierter Oberbürgermeister von Wuppertal, zuvor Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie
Silvio Witt, parteiunabhängiger Politiker, Satiriker und Oberbürgermeister von Neubrandenburg
Julia Erdmann, Architektin und Stadtplanerin
Prof. Marcus Menzl, Stadtsoziologe, Technische Universität Lübeck

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