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Fazit | Beitrag vom 18.03.2019

Zukunft der BibliothekenOrte der Demokratie und Integration

Heinz-Jürgen Lorenzen im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Eine Lerngruppe sitzt in der Stadtbücherei Hilden, die den Bibliothekspreis 2016 erhielt. (dpa / picture alliance / Caroline Seidel)
"Die Menschen sollen sich in Bibliotheken wie zuhause fühlen", wünscht sich Heinz-Jürgen Lorenzen, der Präsident von Bibliothek und Information Deutschland. (dpa / picture alliance / Caroline Seidel)

In den Niederlanden und Dänemark hat die Volksbildung Tradition - das macht diese Länder zu Vorreitern bei multifunktionalen Bibliotheken. Eine Entwicklung, die sich der Verbandspräsident Heinz-Jürgen Lorenzen auch für deutsche Bibliotheken wünscht.

"Die Menschen sollen sich wie zuhause fühlen, sich wohl fühlen. Und sich einfach hinsetzen mögen, um zu arbeiten, mit dem Laptop was zu machen oder ins Internet zu gehen." So stellt sich Heinz-Jürgen Lorenzen, Präsident von Bibliothek und Information Deutschland (BID), dem Dachverband der deutschen Bibliotheksverbände, die Zukunft der Bibliotheken in Deutschland vor. 

Integration durch persönlichen Austausch

Wichtig sei, dass sich in der Bibliothek die Menschen persönlich begegnen und auch ein Austausch stattfindet. "Das bedeutet also, die Menschen gehen verstärkt auf einander ein. Sie sprechen miteinander. Es findet Integration statt." So werde einer der heutigen Brennpunkte unserer Gesellschaft bearbeitet. Nämlich, "dass Menschen integriert werden, dass Menschen nicht nebeneinander herleben, sondern dass sie miteinander leben, dass sie sich mit ihrer Gemeinde identifizieren, dass sie die Gemeinde toll finden und dass wir auch an dieser Stelle einen Ort gelebter Demokratie haben."

Niedrigschwelliger Zugang zu Bildung

In den Niederlanden und Dänemark würde das schon jetzt funktionieren, so Lorenzen. Es werde "in wesentlich breiterem Umfang versucht, die Menschen für Kunst, Kultur und Bildung zu interessieren." Der Zugang zu Bibliotheken werde bewusst niedrigschwellig gehalten, so dass auch Analphabeten dorthin kommen. "Dort haben sie einen Anker gefunden, in dem sie lesen lernen können, in dem sie den Zugang zu dieser ganzen Welt der geschriebenen Worte haben."

Urheberrecht am Autorenschutz vorbei

Die jüngste Gesetzesnovelle der EU zum Urheberrecht sieht Lorenzen kritisch. "Es ist ein schwieriger Bereich. Wir wollen, dass Autoren besser geschützt werden. Wir sehen aber angesichts der tatsächlichen Verhältnisse, dass Artikel 11 und Artikel 13 (des neuen EU-Urheberrrechts) erst mal etwas bewirken, was genau dann an dem Schutz dieser Autoren vorbeigeht." Das treffe besonders Privatpersonen und kleine Verleger. Es gebe die Gefahr, dass dann nur noch einige große Player auf dem Markt quasi ein Informationsmonopol hätten.

(kpa)

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