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Musikfeuilleton | Beitrag vom 27.09.2019

Zu Besuch bei dem niederländischen Cembalisten und Dirigenten Ton Koopman"Danke Bach!"

Von Michael Arntz

(https://www.tonkoopman.nl / Foppe Schut)
Der Musiker Ton Koopman in Aktion (https://www.tonkoopman.nl / Foppe Schut)

Er verdankt Bach viel und Bach verdankt ihm viel. Als Ton Koopman begann, die Gesamtheit der Kantaten von Johann Sebastian Bach einzuspielen, hielten viele das für ein verrücktes Projekt. In wenigen Tagen feiert Koopman seinen 75. Geburtstag.

Mitte der 1960er Jahre beginnt Ton Koopman in Amsterdam zu studieren: Cembalo und Orgel am Sweelinck-Konservatorium, außerdem Musikwissenschaft an der Universität. Sein Lehrer Gustav Leonhardt hatte an der Schola Cantorum Basiliensis in Basel studiert und Mitte der 1950er die ersten Ansätze historischer Aufführungspraxis nach Holland gebracht. Leonhardt interessierte sich für historische Instrumente und verband Quellenstudium mit Aufführungspraxis. So war er zu einem Magneten für junge Musiker geworden, die sich für Alte Musik interessierten.

Auf historischen Instrumenten

Bereits nach einem Jahr an der Hochschule gründet Ton Koopman das Kammermusikensemble "Musica da Camera", das auf historischen Instrumenten spielte. Das Repertoire besteht aus Werken des 17. und 18. Jahrhunderts. Dabei sind u.a. Ku Ebbinge, Oboe, Lucy van Dael, Geige, und Jaap ter Linden, Violoncello. Um 1970 gründet Koopman ein Barock-Orchester. Mehrfach musizieren Koopmans "Musica Antiqua" und Philippe Herreweghes Chor "Collegium Vocale Gent" miteinander. Ein erster Höhepunkt der Zusammenarbeit ist die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach.

1979 löst Koopman sein erstes Barock-Orchester auf und gründet ein neues Orchester, das "Amsterdam Baroque Orchestra", 1992 kommt der eigene Chor dazu: der "Amsterdam Baroque Choir". 

Bach-Kantaten komplett

Die Gesamteinspielung aller Bach-Kantaten beginnt 1994. Koopman setzt sich bewusst ab vom vorangegangenen Projekt der Pioniere. Gustav Leonhardt, sein Lehrer, und Nikolaus Harnoncourt hatten zwischen 1971 und 1990 gemeinsam alle geistlichen Kantaten eingespielt. Koopman setzt neue Akzente, bringt die Kantaten aufs Podium - und damit vors Publikum. Bachs Kantaten werden lebendig, werden zu einer Musik für ein lebendiges Publikum. 2004 schließt Koopman trotz aller finanziellen Probleme die Gesamteinspielung der Bachkantaten ab. Trotz der negativen Erfahrungen mit der Plattenfirma beginnt Koopman 2005 mit der Gesamteinspielung aller Buxtehude-Werke. Seit Mai 2019 ist Ton Koopman Präsident der Stiftung Leipziger Bach-Archiv. Am 2. Oktober feiert er seinen 75. Geburtstag. 

Produktion Deutschlandradio Kultur 2014

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