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Interview | Beitrag vom 02.12.2019

"Zentrum für politische Schönheit""Widerstandssäule": Muss es immer das Spektakel sein?

Kia Vahland im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Eine Säule des Zentrums für Politische Schönheit, in die Asche von Auschwitzopfern eingegossen worden sein soll, steht vor dem Reichstag.  (picture alliance/ dpa/ Christophe Gateau)
Das "Zentrum für politische Schönheit" provoziert mit einer neuen Aktion: einer sogenannten Widerstandssäule vor dem Reichstagsgebäude. (picture alliance/ dpa/ Christophe Gateau)

Asche von Holocaust-Opfern vor dem Reichstag: Das "Zentrum für politische Schönheit" sorgt mit seiner neuen Aktion für Aufsehen. Das politische Anliegen sei legitim, sagt die Kunstkritikerin Kia Vahland. Doch die Umsetzung sei zu plakativ.

Gegenüber dem Reichstag hat die Künstlergruppe "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) ein neues Mahnmal errichtet. In einer sogenannten "Widerstandssäule" soll sich Asche von Holocaust-Opfern befinden. Damit will die Gruppe daran erinnern, dass genau an dieser Stelle 1933 das "Ermächtigungsgesetz" beschlossen wurde, das den Nationalsozialisten faktisch uneingeschränkte Macht verlieh und damit die spätere Ermordung von Millionen Menschen ermöglichte. Die Aktion soll auch vor jeglicher Zusammenarbeit mit der AfD warnen.

Damit lenkt das ZPS die Aufmerksamkeit auf ein berechtigtes politisches Anliegen, nämlich an das Ermächtigungsgesetz und die problematische Rolle der Konservativen dabei zu erinnern, meint Kia Vahland, Meinungsredakteurin und Kunstkritikerin der "Süddeutschen Zeitung". Ethisch problematisch findet sie es aber, über die angebliche Asche von Opfern zu verfügen, ohne das Einverständnis jüdischer Organisationen einzuholen. "Aber so ist es immer beim 'Zentrum für politische Schönheit': Sie wollen provozieren, und das gelingt ihnen auch."

ZPS geht wenig subtil vor

Das ZPS begebe sich bewusst in den Raum der Kunst, um Grenzen auszutesten, gehe dabei aber oft sehr plakativ vor. "Für meinen Geschmack ist das oft nicht subtil genug, aber das ist auch Teil von Aktionskunst", sagt Vahland. Kunst müsse ja auch nicht gefallen. Aber wichtig für die Demokratie sei es, dass die Freiheit der Kunst immer wieder voll ausgeschöpft werde.

Die Künstlergruppe sehe sich in der Tradition der großen Provokationen der Avantgarde wie den Dadaisten oder Christoph Schlingensief. "Anders als diese großen Vorbilder sind sie aber, wie es vielleicht auch in unsere Zeit passt, immer sehr, sehr am Spektakel orientiert."

Zweifel an der Aktion

Die Leiterin der Gedenkstätte Ravensbrück in Brandenburg, Insa Eschebach, hat an der Aktion erhebliche Zweifel. Sie kenne Überlebende, die regelmäßig die KZ-Gedenkstätten aufsuchen, weil dort Angehörige ermordet wurden. Sie könne sich nicht vorstellen, dass diese Überlebenden es "sinnvoll fänden", dass nun die Asche ihrer Angehörigen für die Aktion in Berlin benutzt wird.

Hinzu komme, dass es der jüdischen Kultur widerspreche, Reste von Toten an einen anderen Ort zu transportieren. "Man sollte die Asche und die Toten dort ruhen lassen, wo man sie aufgefunden hat", erklärt Eschebach.

Hören Sie hier das komplette Interview mit Insa Eschebach aus unserer Sendung FAZIT:

(ske/nho)

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