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Interview / Archiv | Beitrag vom 09.08.2016

Zehn Jahre Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz "Auch die Männer einbeziehen"

Matthias Becker im Gespräch mit Anke Schaefer und Christopher Ricke

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Ein Vater bei der Arbeit: Immer mehr Männer gehen in Elternzeit, allerdings steigen die meisten nur für zwei Monate aus dem Job aus. (picture alliance / dpa)
Ein Vater bei der Arbeit: Immer mehr Männer gehen in Elternzeit, allerdings steigen die meisten nur für zwei Monate aus dem Job aus. (picture alliance / dpa)

Gehören Männer zu einer diskriminierten Bevölkerungsgruppe? Das komme vor - vor allem, wenn sie Väter sind, sagt Matthias Becker. Der Sozialpädagoge arbeitet seit Mai als Berater für Männer mit der Frauenbeauftragten der Stadt Nürnberg zusammen.

Vor zehn Jahren ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in Kraft getreten. Es regelt die Ansprüche und Rechtsfolgen bei Diskriminierungen im Arbeitsleben wie auch im Zivilrecht.

Gibt es Bevölkerungsgruppen, die in der Anti-Diskriminierungs-Debatte möglicherweise übersehen wurden – zum Beispiel die Männer? Die Stadt Nürnberg wollte hier Abhilfe schaffen. Dort arbeitet der Sozialpädagoge Matthias Becker seit dem Mai 2016, angesiedelt ist seine Stelle bei der Frauenbeauftragten der Stadt Nürnberg.

Der Komplex "Vater-Sein"

Becker ist der erste institutionelle Ansprechpartner für Männer, die sich diskriminiert fühlen. Im Deutschlandradio Kultur berichtete er von seiner Erfahrungen mit Ratsuchenden:

"Das sind ganz verschiedene Themenbereiche, mit denen die Männer kommen. Ein Thema ist der ganze Bereich 'Väter': Vater-Sein, Vater-Werden. Das fängt schon beim Thema Elternzeit an. Wie ist es mit dem finanziellen, wie ist es mit Teilzeitarbeiten? Da weiß man mittlerweile: Der größte Gleichstellungs-Knick ist momentan die Geburt des ersten Kindes."

Forderung nach "Einstellungswandel" gegenüber Vätern

Mit seiner Arbeit wolle er beratend tätig sein und auch politisch wirken, sagte Becker. Er verwies etwa auf eine rechtliche Benachteiligung von Männern, die mit der Mutter ihrer Kinder nicht verheiratet seien. Notwendig sei ein "Einstellungswandel" an Familiengerichten und Jugendämtern auch bei Scheidungsproblematiken, forderte er:

"Sozusagen auch die Väter dann ernst zu nehmen, wenn sie denn wollen. Sie einzubeziehen und nicht automatisch zu sagen: 'Das Kind gehört zur Mutter.' Das haben wir schon noch tendenziell."

Die Frauenbeauftragte der Stadt Nürnberg sei für die Gleichstellung zuständig, erläuterte Becker:

"Und die sagen schon lange, seit rund fünf Jahren: Wir müssen auch die Männer anders einbeziehen, wir müssen sie in den Blick bekommen. Und das eben auch mit einer männlichen Kraft unterstützen."

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