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Kompressor | Beitrag vom 03.07.2017

Zbyněk Brynych-RetrospektiveDer Mann, der den TV-Krimi zum Tanzen brachte

Dominik Graf im Gespräch mit Max Oppel

(imago / United Archives)
DERRICK: "Zwei Tage - zwei Nächte" von Zbynek Brynych (imago / United Archives)

Filmkenner lieben ihn, doch über die Filmfans hinaus ist Zbyněk Brynych kaum bekannt. Eine Retrospektive soll das jetzt ändern - und bei uns erklärt der deutsche Filmemacher Dominik Graf, warum Brynych einer der großen Regisseure gewesen ist.

Zbyněk Brynych ist ein unter Filmkennern bejubelter, aber in der europäischen Filmgeschichte vielfach vergessener Regisseur. Das Zeughauskino und das Tschechische Zentrum in Berlin widmen dem tschechischen Meister der "alptraumhaften Dramen und des politischen Horror" jetzt eine Retrospektive.

Filme wie "Transport aus dem Paradies" über das KZ Theresienstadt und "Die Weibchen" mit Uschi Glas in der Hauptrolle zeigen den tschechischen Surrealismus und radikalen Avantgardismus im europäischen Kino der 60er- und 70er-Jahre.

Uschi Glas in Zbynek Brynychs Film "Die Weibchen" von 1970 (Bildstörung)Uschi Glas in Zbynek Brynychs Film "Die Weibchen" von 1970 (Bildstörung)

Einen feinen Blick für den Moment und viel Fantasie bewies Brynych auch im filmischen Tagesgeschäft - und das bei der Kreation von "Dutzendware", wie Dominik Graf es nennt: mit Fernsehserien wie "Der Kommissar", "Der Alte" und "Derrick". Damit wurde Brynych in Deutschland bekannt.

Mit viel Swing und einem Zerrspiegel

Im Deutschlandfunk Kultur sagte Graf, Brynych habe den deutschen Fernsehkrimi in den 70er-Jahren "zum Tanzen gebracht" und den Geschichten einen bis dahin unbekannten "Swing" gegeben. Er habe den Zuschauern immer einen Spiegel vorgehalten - der aber eher einem Zerrspiegel auf dem Jahrmarkt entsprochen habe.

"Bei ihm ist alles Übertreibung, schraubenartige Überhöhung, und am Ende kommt dann irgendeine Wahrheit zum Vorschein, die auch nicht unbedingt die letzte Wahrheit sein muss."

Brynych hatte in seinen Filmen viel, was dem deutschen Film sonst fehlt, sagte Graf - "nämlich eine Art von Extase, Exaltiertheit, und auch irgendwo dahinter eine lauernde Kälte". Fassbinder und Brynych-Filme seien "gar so weit voneinander weg", betonte Graf. (ahe)

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