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Interview | Beitrag vom 10.07.2019

Zana Ramadini zu Franziska Becker"Ich wünsche mir mehr Menschen, die so mutig sind"

Zana Ramadani im Gespräch mit Dieter Kassel

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Selbstporträt der Karikaturistin Franziska Becker an ihrem Arbeitstisch mit Pinsel und Farbe und einer halbfertigen Karikatur. (Franziska Becker)
Selbstporträt der Karikaturistin Franziska Becker, die heute 70 wird. (Franziska Becker)

Als islamfeindlich und rassistisch kritisierten jüngere Feministinnen die langjährige "Emma"-Karikaturistin Franziska Becker. Heute wird sie 70 Jahre alt. "Femen Germany"-Gründerin Zana Ramadani gratuliert: Sie finde Beckers Arbeit "großartig".

Feministisch, spitzfedrig und scharfzüngig – das ist die Karikaturistin Franziska Becker, die heute 70 wird. Aber ist sie auch "islamfeindlich-rassistisch", wie einige jüngere Feministinnen wie Sibel Schick oder Teresa Bücker, die frühere Chefredakteurin des Onlinemagazins Edition F, offenbar meinen, weil Becker in ihren Karikaturen auch Kopftuch tragende Frauen aufs Korn nimmt?

Blödsinn, meint eine andere junge Feministin, die 35-jährige Buchautorin Zana Ramadani. Man brauche im Gegenteil mehr Menschen, die so mutig seien wie Franziska Becker.

Kritik an der "Nazi-Keule"

Auch das Argument, mit solchen Karikaturen würde man nur Ressentiments der AfD Nahrung geben, findet Ramadani schlicht "Unsinn". "Mir wird ja auch immer wieder dieser AfD-Vorwurf entgegengebracht und die Nazi-Keule entgegengeschleudert wie ihr jetzt auch."

Ramadani erhebt umgekehrt schwere Vorwürfe gegen Feministinnen, die sich für das Kopftuch aussprechen. "Tatsache ist, dass diese Sache meistens von wohlstandsverwahrlosten Mädchen – nenne ich sie immer gerne – kommt, die selber noch nie Leid erfahren haben, gar nicht wissen, was wirklich Frauenunterdrückung ist", so die Autorin.

"Wie zum Beispiel die Teresa Bücker, die sagt, das ist total rassistisch, aber eigentlich in ihrer Wohlstandsblase mitten in Berlin schön lebt und freiwillig Kopftuch tragende Frauen um sich hat, die das als Freiwilligkeit propagieren und meinen, sie hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen."

Zana Ramadani 20.01.2016 in Hamburg  (imago / A Press)Zana Ramadani im Januar 2016 in Hamburg. (imago / A Press)

Sie selbst hingegen komme aus dieser Community, betont die im heutigen Nordmazedonien geborene Ramadani. "Ich musste mich daraus befreien, ich weiß, wie es ist, als Frau dort hineingeboren und aufwachsen zu müssen, was es für ein harter Kampf ist, sich da rauszukämpfen."

Die Mehrheit wird zum Kopftuch gezwungen

Die Mehrheit der Musliminnen auf der Welt, die ein Kopftuch trügen, täten dies nicht freiwillig, so die Autorin. Erst wenn keine Frau mehr gezwungen werde, Kopftuch zu tragen, sei sie bereit zu sagen: "Okay, es gibt diese freiwilligen Kopftuchträgerinnen, ich bin bereit, es zu akzeptieren und mich nicht mehr darüber aufzuregen."

(uko)

Zana Ramadani (*1984 in Skopje) wuchs in einer muslimischen Familie auf und kam im Alter von sieben Jahren nach Deutschland. Sie ist CDU-Mitglied und war Mitbegründerin des Vereins "Femen Germany". 2017 veröffentlichte sie das Buch: "Die verschleierte Gefahr. Die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen".

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