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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 21.09.2018

Zack Scott: "Apollo. Der Wettlauf zum Mond"Coffeetable-Book für Raumfahrtbegeisterte

Von Tobias Nagorny

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Zack Scott: Apollo (Unsplash / Droemer-Knaur )
Zack Scott lässt die Bilder sprechen und erzeugt damit ein Narrativ der technischen Faszination, der technischen Machbarkeit. (Unsplash / Droemer-Knaur )

Im Juli 2019 jährt sich die Mondlandung zum 50. Mal. Passend dazu erscheint mit "Apollo. Der Wettlauf zum Mond" ein wunderbar gestaltetes Sachbuch, das jede Menge interessantes Detailwissen liefert.

In den nächsten Monaten sind noch viele Bücher zum Apollo-Programm zu erwarten, denn im Juli 2019 ist die Mondlandung genau 50 Jahre her. Aber unter den deutschsprachigen Büchern sticht diese Veröffentlichung bereits jetzt schon hervor. Der Autor Zack Scott erzählt die Geschichte des Apollo-Programms und der Mondlandung wunderbar unkonventionell: im Vordergrund stehen technische Zeichnungen, Schaubilder und detaillierte Grafiken, der Textanteil hingegen wird auf das Wesentliche reduziert.

Zack Scott lässt die Bilder sprechen und erzeugt damit ein Narrativ der technischen Faszination, der technischen Machbarkeit. Die politische Erzählung rund um den ideologischen Wettlauf zum Mond und den Kampf zwischen den USA und der UdSSR spielt kaum eine Rolle.

Beeindruckende Schaubilder und Illustrationen

Die filigranen Zeichnungen und Grafiken der Kommandokapsel, der Mondlandefähre, der gigantischen Saturn5-Rakete oder des Raumanzugs erwecken eine fast kindliche Neugier und Begeisterung beim Leser. Das Buch verdeutlicht anhand von liebevoll gestalteten Diagrammen ein aus heutiger Perspektive fast unwirklich erscheinendes Großprojekt mit damals 400.000 Mitarbeitern. Dazu verfügte die NASA über ein geradezu galaktisches Budget – nach heutigen Geldwert rund 120 Milliarden Dollar.

Vor allem überzeugt das Buch durch seine klare Struktur. Jede der insgesamt zwölf bemannten Apollo-Missionen wird mit einem kurzen präzisen Text und einem Bild der Flugbahnen des Raumschiffs dargestellt. Unmissverständlich wird so deutlich: Das Apollo-Programm war viel mehr als nur der erste menschliche Fußabdruck im Mondstaub und der bekannte Satz von Neil Armstrong. Zum Beispiel das ikonische erste Bild der Erde aus dem All von den Apollo 8-Astronauten.

Wie bekommt man 380.400 Kilometer aufs Papier?

Abstrakte Dinge werden ganz einfach dargestellt - genau darin liegt die Stärke des gelernten Flugzeugtechnikers und Grafikdesigners Zak Scott. Die Entfernung von der Erde zum Mond wird in einer aufklappbaren Doppelseite dargestellt, um dem realistischen Distanzverhältnis ein wenig näher zu kommen. Die Abbildungen sind haptisch und optisch hochwertig gestaltet und auf festem, schwarzen Papier gedruckt.

Der Aufgang der Erde über dem Mond, fotografiert von Apollo 8 (NASA)Der Aufgang der Erde über dem Mond, fotografiert von Apollo 8. (NASA)

Auch die Geschwindigkeitsdimensionen werden anschaulich dargestellt: In einem Bild wird die Raumkapsel der Apollo-10-Mission mit den Höchstgeschwindigkeiten des Space Shuttles, der schnellsten Flugzeuge oder einer Gewehrkugel verglichen – alle weit abgeschlagen, denn die Apollo 10 Mission hält bis heute den Weltrekord für das schnellste bemannte Fahrzeug der Menschheitsgeschichte: Die Spitzengeschwindigkeit bei der Rückkehr zur Erde lag bei knapp 39.000 Km/h. In unter zwei Minuten würde man in diesem Tempo mühelos von Berlin nach Rom reisen können.

Nicht nur für Raumfahrt-Nerds

Von allen zwölf Menschen auf dem Mond gibt es gezeichnete Porträts und einen kurzen Text mit den wesentlichen biografischen Daten – dazu in Schaubildern die Zahl der Missionen, der Tage im All und der Außeneinsätze. Schön gestaltet, aber definitiv nicht der Schwerpunkt des Buches.

Keine Frage: das perfekte Coffee-Table Book für Raumfahrtbegeisterte. Eins das einen leicht verständlichen Überblick zu den Apollomissionen und jede Menge interessantes Detailwissen liefert, die auch Laien sofort verstehen. Eine Art Bilderbuch für Erwachsene – ein außergewöhnliches Sachbuch.

Zack Scott: Apollo. Der Wettlauf zum Mond
Übersetzt von Thomas Pfeiffer und Violeta Topalova
Droemer Verlag, München 2018
168 Seiten, 28 Euro

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