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Konzert / Archiv | Beitrag vom 25.04.2021

Yutaka Sado beim Deutschen Symphonie-Orchester BerlinÄgyptisch, romantisch und französisch

Moderation: Volker Michael

Ein Dirigent steht in schwarzer Kleidung und blickt in die Kamera (Yuji Hori/DSO Berlin)
Spezialist nicht nur für französische Musik - der Dirigent Yutaka Sado (Yuji Hori/DSO Berlin)

Ein rein französisches Live-Musikprogramm dirigiert Yutaka Sado beim DSO Berlin. Louis Lortie spielt Camille Saint-Saëns' "Ägyptisches" Klavierkonzert. Außerdem gibt es Jacques Iberts Divertissement, Gabriel Faurés "Pelléas"-Suite und zum Schluss den "Boléro" von Maurice Ravel.

Das erste Mal seit vielen Monaten spielt das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin ein Konzertprogramm im Großen und Ganzen so, wie es vor Beginn der Saison geplant gewesen war. Doch leider immer noch ohne Publikum. Wir übertragen live aus dem Großen Sendesaal im Berliner Haus des Rundfunks. Der Dirigent des Abends hat eine weite Anreise hinter sich: Yutaka Sado ist aus Japan gekommen. Seine Reise lief trotz aller Tests und Kontrollen reibungslos. 

In dieser Sendung erklärt er, welche Ideen hinter dem Programm stecken, das wir hier senden. Das ist nämlich rein Französisch – allerdings sind die vier Werke so verschieden, wie sie nur sein können. Louis Lortie wird der Solist sein im Fünften Klavierkonzert von Camille Saint-Saëns, dem sogenannten Ägyptischen Konzert. Außerdem gibt es das Divertissement für Kammerorchester und Klavier von Jacques Ibert.

Ein Mann blickt in die Kamera und hat die Arme auf einer Unterlage verschränkt (Elias Photography/DSO Berlin)Meistert mühelos die vertracktesten Klavierparts - Louis Lortie (Elias Photography/DSO Berlin)

Den Abend eröffnet die Suite aus der Schauspielmusik zur symbolistischen Tragödie "Pelléas et Melisande" von Gabriel Fauré. "Ein sehr schönes Stück" sei das, meint Yutaka Sado, "aber traurig und tragisch. Fauré war ein edler Komponist. In seiner Musik steckt jedoch so viel Energie, Schreien und Weinen – sie passt gut in unsere Zeit!"

Der Dirigent schwärmt von seinem Repertoire

Der Dirigent schwärmt vom Programm weiterhin: "Diese vier Stücke sind wirklich mein Repertoire. Zum Beispiel hat das Orchestre Lamoureux, wo ich 17 Jahre lang Chefdirigent war, Ravels Boléro uraufgeführt. Ich habe eine Grammophone-Aufnahme mit dem Orchester von 1937, die charmant kratzt und krächzt. Der Boléro ist wirklich das wichtigste Stück in meiner Beziehung zum Orchestre Lamoureux."

Parodie auf moderne Musik

Über das fröhlich-sarkastische Divertissement von Jacques Ibert, eine umgearbeitete Schauspielmusik, erzählt Yutaka Sado folgendes: "Das ist kein bekanntes Repertoire. Sogar das Orchestre Lamoureux kannte Iberts Divertissement nicht, als ich damals vor 28 Jahren in Paris anfing. Es ist witzig, eine reine Parodie. Ein fantastischer Walzer, es spielen nur 18 Musikerinnen. Wir brauchen jedes Instrument. Die Geige spielt eine schöne Melodie, die Trompete eine kräftige Fanfare oder die Posaune spielt eine Glissando-Figur. Ibert ist genial. Diese sechs Sätze – jeder so anders. Das Finale beginnt mit einer Parodie auf moderne Musik – wir haben das mit dem Pianisten genau geprobt, er ist toll. Ich habe ihn gebeten, mit seinem vollen Arm zu spielen. Das ist perfekt. Dann die Nocturne, die zeichnet eine dunkle schwüle Sommernacht. Die Parade lässt die Soldaten aufmarschieren, ein Kind gerät dazwischen, das kann man sich gut vorstellen. Es ist ein fantastisches Stück."

Der "Boléro" weist in die Zukunft

Am Schluss steht der "Boléro" für Orchester von Maurice Ravel. Auch zu diesem berühmten, immer wieder schwer zu spielenden Werk hat Yutaka Sado eine Botschaft: "Das ist für unsere Zukunft – in keiner Situation geben wir auf. Diese am Anfang zarte Musik bringt uns Energie. Es beginnt die kleine Trommel, dann kommt die Flöte dazu, es spielen immer mehr Instrumente, am Ende alle. Wir teilen diese Musik mit allen. Mein Tempo ist immer das gleiche – so oft ich das Werk auch dirigiert habe. Ich weiß nicht wie oft. Jetzt mit dem DSO Berlin den Boléro live zu machen – das ist etwas Besonderes."

Klavierkonzert auf Reisen

Louis Lortie ist ein ausgewiesener Kenner der Klavierkonzerte von Camille Saint-Saëns. Mit dem BBC Philharmonic Orchestra hat er alle fünf Werke der Gattung aus der Feder des französischen Komponisten eingespielt. Yutaka Sado beschreibt den wesentlichen Gehalt des Klavierkonzerts so: "Eins ist klar – er geht mit seiner Musik auf Reisen. Mit voller Absicht schreibt er ganz europäische Musik, dann gleich wieder etwas Asiatisches. Das kann man auf den schwarzen Tasten allein spielen, es ist nicht schwierig, chinesische oder japanisch wirkende Musik zu schreiben, wenn man nur die Töne der schwarzen Tasten benutzt… Saint-Saëns nutzt aber immer mit Absicht diese europäischen oder arabischen oder chinesischen Klänge. Wir bekommen das Gefühl, auf Reisen zu sein. Heutzutage ist es schwer, zu reisen ohne die richtigen Dokumente. Aber ich hoffe, allen Hörerinnen und Hörern gefällt es, mit der Musik zu verreisen."

Live aus dem Großen Sendesaal im Berliner Haus des Rundfunks

Gabriel Fauré
Suite aus der Schauspielmusik zu "Pelléas et Mélisande" op. 80

Camille Saint-Saëns
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 F-Dur op. 103 "Ägyptisches Konzert"

Jacques Ibert
Divertissement für Kammerorchester

Maurice Ravel
"Boléro" für Orchester

Louis Lortie, Klavier
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Yutaka Sado

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