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Kompressor | Beitrag vom 29.08.2019

Youtuber-GewerkschaftGoliath Google geht auf die Davids zu

Jörg Sprave im Gespräch mit Gesa Ufer

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Screenshot eines Videos von Jörg Sprave, Betreiber des "Slingshot Channel" auf Youtube (Youtube / Jörg Sprave)
Der Youtuber Jörg Sprave und seine Gewerkschaft fordern andere Arbeitsbedingungen von Google. (Youtube / Jörg Sprave)

Ja, es gibt eine Youtube-Gewerkschaft. Gegründet hat sie der Betreiber des Steinschleuder-Kanals auf der Videoplattform, dann hat er sich mit der IG Metall verbündet. Mit drei Forderungen geht die Allianz in die Gespräche, zu denen Google nun einlud.

Transparenz, Fairness und eine andere Kommunikation - das fordert die Gewerkschaft der Youtuber von der Videoplattform, die sich im Eigentum von Google befindet. Und nachdem sie in der Kampagne Fairtube ein Ultimatum gestellt hat, ist Google auf die digitalen Arbeitskämpfer zugegangen - acht Stunden, 25 Minuten und 53 Sekunden vor dessen Ablauf. 

"Man hat uns zu den Gesprächen eingeladen, die wir gefordert haben", sagt Jörg Sprave, der die Youtuber-Gewerkschaft gegründet hat. "Das werden wir annehmen und dann in die Verhandlungen einsteigen." 

Der Mann vom Steinschleuder-Kanal

Jörg Sprave betreibt den englischsprachigen "Slingshot-Channel", also den "Steinschleuder-Kanal", auf Youtube - mit 2,2 Millionen Abonnenten. "Steinschleudern sind seit Langem die charakteristischen Waffen von frechen Jungs – und dieser Channel wird das Konzept dahinter bis ins kleinste Detail erkunden", sagt Jörg Sprave im Willkommensvideo auf seinem Youtube-Channel.

Bekannt ist die Steinschleuder aus dem biblischen Kampf von David gegen Goliath. Vielleicht ist es also bezeichnend, dass ausgerechnet der Betreiber des Slingshot-Channels den Kampf gegen Youtube und dessen Mutterkonzern Google angestoßen hat. Er hat die Gewerkschaft gegründet, um die Rechte der Youtuber zu stärken, und sich inzwischen mit der Großgewerkschaft IG Metall verbündet, um die Chancen gegen den Großkonzern zu verbessern.

Er und seine Youtubers Union hätten anderthalb Jahre mit der Plattform geredet, sagt Sprave: "Es ist durchaus nicht so, dass man da die kalte Schulter gezeigt bekommt, bloß: Es passiert nichts." Auch mit ein paar tausend Mitgliedern habe man keine Druckmittel gegen Youtube.

Bündnis mit der IG Metall

"Mir ist dann irgendwann klargeworden, dass ich mich mit einer Organisation zusammentun muss, die Ressourcen hat, die Rechtsanwälte hat, die auch weiß, wie man solche Verhandlungen führt." Auf die IG Metall sei er gekommen, weil die sich zuerst um das Thema Gig Economy, bei der kleine Aufträge an Selbständige vergeben werden, gekümmert habe. Inzwischen habe die IG Metall dazu eine ganze, schlagkräftige Abteilung.

Die Forderung nach Transparenz bezieht sich darauf, dass Youtube die Regeln offenlegen soll, nach denen es Videos einstuft, auch damit die Youtuber dagegen vorgehen können, wenn ihnen Regelverstöße vorgeworfen werden.

Mit Fairness meint Sprave, dass auf Youtube nicht mit zweierlei Maß gemessen werden soll. "Ein TV-Sender oder ein Hollywood-Promi darf Dinge auf Youtube sagen und tun, die ein normaler Youtuber nicht tun darf." Das fänden die Gewerkschafter nicht in Ordnung, so Sprave: "Wenn es schon Regeln gibt, müssen die auch für alle gelten."

Echte Ansprechpartner gefordert

Und beim Stichpunkt Kommunikation wollen Sprave und seine Kollegen nicht mehr mit vorformulierten, anonymen E-Mails abgespeist werden. "Wir wollen, dass Youtuber menschliche Ansprechpartner bekommen, mit denen man auch über Probleme reden kann, mit denen man auch mal Kompromisse treffen kann." Youtube nennt die Youtuber ja Partner, aber man behandle sie nicht wie Partner: "Man tritt sie mit Füßen. Das geht so nicht."

Nun gibt es also Gespräch bei Google, Sprave spricht von Verhandlungen: "Wir werden uns nicht mit Kleinigkeiten abspeisen lassen, wir erwarten handfeste Änderungen", gibt er die Richtung vor.

(mfu)

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